Projekt im Bereich Altenbeken dient der Artenvielfalt
Totes Holz schafft Leben

Altenbeken (WB). Totholz, wohin das Auge reicht: Rund um die Bielsteinhöhle, in der Nähe des Bauerkamps kurz hinter der Gemeindegrenze von Altenbeken, bietet sich Naturliebhabern ein imposanter Anblick.

Dienstag, 06.10.2020, 07:04 Uhr aktualisiert: 06.10.2020, 07:06 Uhr
Landesverbandsvorsteher Jörg Düning-Gast (Mitte) machte sich ein Bild vom Areal rund um die Bielsteinhöhle und dankte Hans-Ulrich Braun, Leiter der Forstabteilung (links), und Forstrevierleiter Jens Tegt­meier für die fachkundliche Führung. Foto: Landesverband Lippe

Buchen, die weit mehr als 200 Jahre alt sind, altern und verfallen langsam, vielfältige Tier- und Pflanzarten finden Lebensraum, Fledermäuse nutzen die Höhle als Rückzugsort. Das Areal, das als schutzwürdiges Gebiet 2004 vom Land Nordrhein-Westfalen gefördert wurde, steht beispielhaft für viele Flächen, auf denen der Landesverband Lippe absterbendes oder totes Holz stehen und liegen lässt. Verbandsvorsteher Jörg Düning-Gast machte sich jetzt gemeinsam mit Hans-Ulrich Braun, Leiter der Forstabteilung, vor Ort ein Bild.

Wichtige Nahrungsquelle

„Der Landesverband Lippe setzt seit Mitte der 80er Jahre ein Waldbaukonzept um, das darauf abzielt, die Landesverbandswälder in strukturreiche, artenreiche Mischwälder umzuwandeln. Dazu gehört auch, absterbendes und totes Holz in den Wäldern zu belassen, denn Totholz bringt zusätzlich Leben in den Wald. Es ist eine wichtige Nahrungsquelle für Insekten und Pilze, es bietet Vögeln Schutzraum und Höhlen zum Brüten, und junge Bäume können von Totholz abgeschirmt gut heranwachsen, ohne vom Wild verbissen zu werden“, erläuterte Braun beim Besuch des Gebiets. Nicht zuletzt sei Totholz ein Kohlendioxid-Speicher, und die beim Zersetzen anfallenden Substanzen stellen einen guten Dünger für den Waldboden dar, so Braun.

Ökologie und Ökonomie in Einklang bringen

Das 4,2 Hektar große Gebiet um die Bielsteinhöhle wurde seit Ende des Zweiten Weltkriegs nicht mehr bewirtschaftet, die Waldformation mutet deshalb besonders urwüchsig an. Düning-Gast war von der Fläche beeindruckt: „Sie zeigt beispielhaft, dass unsere Forstabteilung bei ihrer Arbeit immer bestrebt ist, Ökologie und Ökonomie in Einklang zu bringen. Naturschutz betreiben wir aktiv. Dazu zählt nicht nur, in geeigneten Arealen die Bewirtschaftung zu stoppen. Auch Kronenreste belassen unsere Förster nach Erntearbeiten bewusst im Wald. Bäume mit Bruthöhlen werden nicht gefällt oder Altholzbäume über Förderprogramme dem Naturkreislauf bis hin zum Zerfall überlassen.“ Ein Drittel der Waldflächen des Landesverbandes – rund 5500 Hektar – seien zudem ausgewiesene Naturschutz- oder FFH-Gebiete: „Die Anforderungen an die Waldbewirtschaftung auf diesen Flächen schulen natürlich auch den Blick unserer Förster für Natur- und Artenschutzmaßnahmen in den übrigen Gebieten“, ist Düning-Gast überzeugt.

Totholzanteil weiter gestiegen

Braun schätzt, dass dank der naturnahen Bewirtschaftung der Totholzanteil in den Landesverbandswäldern in den vergangenen Jahren weiter gestiegen ist. „Im Zuge der Diskussion über die mögliche Einrichtung eines Nationalsparks in Lippe wurden Waldareale des Landesverbandes Lippe im Teutoburger Wald sogar als nationalparkwürdig eingestuft“, sagt der Forstdirektor. Dabei müssten Förster immer genau abwägen, wo absterbendes oder totes Holz stehenbleiben kann: „Wir müssen natürlich die Verkehrssicherheit der Menschen, die im Wald unterwegs sind, im Blick behalten.“

An dem Ziel, den bestehenden Totholzanteil gerade in weit von Wegen entfernt gelegenen Waldbeständen noch weiter zu erhöhen, hält die Forstabteilung fest. „In Arealen wie hier rund um die Bielsteinhöhle, die ohnehin zum Schutz der Fledermäuse für Wanderer und Spaziergänger gesperrt ist, bietet sich das an“, betont Düning-Gast.

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