Matthias Möllers übernimmt am 1. November das Bürgermeisteramt in Altenbeken
„Mein Vater hätte sich sehr gefreut“

Altenbeken (WB). Der neue Bürgermeister Altenbekens wohnt mitten im Herzen der Gemeinde. Seit zehn Jahren lebt Matthias Möllers mit seiner Frau Simone (44) und seinen jetzt vier Kindern Clemens (10), Linus (6), und den Zwillingen Oskar und Henri (3) in einem modernen Einfamilienhaus. Besucher werden im Flur mit der Aufschrift „Herzlich willkommen“ empfangen, an den Wänden hängen fröhliche Familienbilder und der offene Wohn-Essbereich mit großem Tisch gibt den Blick in den Garten frei.

Montag, 05.10.2020, 02:28 Uhr aktualisiert: 05.10.2020, 02:30 Uhr
Den Rasen in seinem Garten wird Matthias Möllers, der neue Bürgermeister Altenbekens, auch in Zukunft selbst mähen.

Zwei Fußballtore, eine Schaukel und mehrere Trettrecker stehen hier, daneben eine gemütliche Sitzecke. „Der Garten ist meine Aufgabe“, erzählt der 41-Jährige und greift beherzt zum Rasenmäher. „Familienzeit ist für mich Entspannung pur“, verrät der zukünftige Chef im Rathaus, der für die CDU Altenbeken angetreten ist und 67,7 Prozent der Stimmen holte. Ob das Anfeuern seiner Söhne Clemens und Linus beim Fußballspielen ist, das Kicken im Garten mit seinen Zwillingen Henri und Oskar oder Reisen mit der ganzen Familie.

Hier im Dorf grüßt man sich.

Matthias Möllers

Für den gebürtigen Telgter ist Altenbeken längst seine Heimat geworden: „Mit der Familie bist du sofort mitten drin“, sagt er lachend. Sportverein, Kita, Schule – als Familienvater sei man direkt vernetzt. Ihm gefalle die Übersichtlichkeit, das Ländliche: „Hier im Dorf grüßt man sich. Das ist auch meiner Mutter Gerda direkt aufgefallen: ‚Altenbeken ist so schön. Da grüßen alle‘, hat sie mal nach einer Spazierfahrt mit dem Kinderwagen gesagt.“ In seiner Geburtsstadt Telgte mit 20.000 Einwohnern sei das anders, anonymer.

Auch das starke, ehrenamtliche Engagement im Ort wie zum Beispiel das Schützenwesen weiß der CDU-Mann zu schätzen: „Alle Vereine sind untereinander verbunden. Das macht Altenbeken aus.“ Matthias Möllers ist selbst Mitglied im Schützenverein Altenbeken und im TuS Altenbeken. „Bis zum Saisonwechsel war ich beim TuS als Trainer aktiv und habe immer freitags um 16 Uhr die Minikickers trainiert. Das war der einzige Termin, der sich mit meiner Arbeit vereinbaren ließ“, erzählt der Kämmerer und Beigeordnete der Stadt Herford. Den Trainerposten hat er mit Blick auf seine zukünftige Aufgabe abgegeben, aber seine ehemaligen Schützlinge aus vier Jahren kennen ihn immer noch. Neulich sagte ein Mitschüler seines Sohnes zu ihm: „Du Matthi, mein Traum ist ein eigener Eiswagen. Wenn Du Bürgermeister bist, dann geht das doch klar, oder?“ Matthias Möllers schmunzelt: „Alle Wünsche werde ich nicht erfüllen können. Aber ich tue mein Möglichstes.“

Matthias Möllers wohnt mit seiner Frau und vier Kindern in einem Einfamilienhaus mitten in Altenbeken.

Matthias Möllers wohnt mit seiner Frau und vier Kindern in einem Einfamilienhaus mitten in Altenbeken. Foto: Oliver Schwabe

Zwei Themen liegen ihm besonders am Herzen: „Früher war Altenbeken ein kultureller Hotspot mit Auftritten von Herbert Grönemeyer und BAP und Kabarettpremieren im ehemaligen Ofenmuseum. Davon möchte ich ein Stück wiederbeleben. Rockkonzerte in der Eggelandhalle werden aus Lärmschutzgründen vielleicht schwierig, aber zum Beispiel Kabarett im Eggemuseum ist möglich.“ Zudem möchte Matthias Möllers den Freizeitwert für die Kinder und Jugendlichen in den drei Ortsteilen steigern, zum Beispiel mit einem BMX- oder Mountainbike-Trail.

Drängende Themen für die Gemeinde sind aus seiner Sicht zudem die Verfügbarkeit von Bauland, die Erweiterung der Kita-Plätze in Schwaney („Da müssen wir die Plätze an die gestiegenen Bedarfe anpassen“) und die Windkraft: „Hier gibt es verschieden Interessen, die Gemeinde steht dazwischen. Die Bürger sollten in irgendeiner Form von der Windenergie in den Vorrangzonen profitieren, ob mit einem Bürgerwindrad oder über günstigeren Strom. Derzeit läuft das noch nicht“, schildert Möllers, der „massiven Handlungsbedarf“ bei den Feuerwehrgerätehäusern in allen drei Ortsteilen sieht.

Ich kann auch gut mit Menschen umgehen.

Matthias Möllers

Für seinen neuen Lebensabschnitt sieht sich der 42-Jährige gut gerüstet: „Während meiner Zeit als Kämmerer habe ich mit vielen Bürgermeistern zusammen gearbeitet und viel von ihnen gelernt.“ So hat er zum Beispiel ein Zitat von Verls Ex-Bürgermeister Paul Hermreck nie vergessen: „‚Ich sag’ Ihnen eins: Man kommt nicht umhin, man muss sich entscheiden. Sonst bewegt sich nichts.‘ Das ist mir im Gedächtnis geblieben“, erzählt Matthias Möllers, der sich selbst als sehr entscheidungsfreudig bezeichnet: „Ich kann auch gut mit Menschen umgehen und verschiedene Positionen ausgleichen. Das habe ich in meiner Zeit in Herford ganz gut gelernt.“ Dort habe es interessante Themen, keine klaren Mehrheiten im Rat und einem ambitionierten Bürgermeister gegeben.

Treffen mit dem Vorgänger

Auch mit Altenbekens Amtsinhaber Hans Jürgen Wessels hat sich Möllers bereits getroffen und weitere Treffen könnten folgen, um detaillierter in die Themen einzusteigen. Wessels habe bereits signalisiert, auch nach seinem Ausscheiden mit Hintergrundwissen und Erfahrung zur Seite zu stehen – falls das nötig sei. „Das ist für mich sehr wertvoll. Auch wenn ich natürlich nicht alles genauso mache wie er“, sagt Möllers. Er arbeite sehr kooperativ und schreibe Eigenverantwortung groß: „Ich werde mir erstmal einen Überblick verschaffen und ein Gefühl dafür entwickeln, welche Prozesse laufen und dann gebe ich sie weitgehend in die Verantwortung der Mitarbeiter“, beschreibt er seine Arbeitsweise.

Seinen Arbeitsweg behält er bei, zumindest den ersten Teil. Da bringt Matthias Möllers seine Zwillinge immer zur Kita St. Helena. Sohn Linus (6) begleitet die Drei und geht dann weiter zur Grundschule. „Das wird genauso bleiben“, sagt der zukünftige Bürgermeister. Nur statt in den Zug nach Herford zu steigen, geht er die paar Schritte bis ins Altenbekener Rathaus direkt.

Bereit für den neuen Posten

Der 42-Jährige fühlt sich bereit für seinen neuen Posten. Nur seine Mutter Gerda machte sich im Vorfeld der Wahl erst Sorgen, dass sich ihr Sohn mit Beruf und Familie übernehmen könnte. „Aber da konnte ich sie beruhigen. Wir tarieren das als Familie alle zusammen aus“, ist Matthias Möllers überzeugt. Sein Vater Ernst war politisch sehr interessiert und stand der CDU nahe. Er hätte die nun anstehende Zeit mit Freude verfolgt, ist der Sohn überzeugt: „Mein Sieg bei der Kommunalwahl hätte ihn sehr gefreut. Schade, dass er es nicht selbst miterlebt. Mein Vater ist vor vier Jahren gestorben.“

Wagt Matthias Möllers einen Blick in die Zukunft, sieht er Altenbeken in fünf Jahren immer noch gut aufgestellt: „Wir starten ja nicht bei Null. Der Freizeitwert für Jugendliche hat sich dann aber erhöht, die Einwohnerzahl ist stabil geblieben und wir haben dafür die Infrastruktur mit Baugrundstücken und Kindertagesstätten geschaffen.“

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