Matthias Möllers (CDU) und Ingo Stucke (SPD) bewerben sich um das Bürgermeisteramt
Wachablösung in Altenbeken

Altenbeken (WB). In Altenbeken gibt es einen Zweikampf um das Bürgermeisteramt. Klar ist bereits vor der Wahl: Es wird einen neuen Verwaltungschef in der Eggegemeinde geben, da Amtsinhaber Hans Jürgen Wessels (SPD) nach 21 Jahren in den Ruhestand geht. Seine Nachfolge antreten wollen Matthias Möllers (41/CDU) und Ingo Stucke (48/SPD). Zu ihren Zielen hat die beiden Kandidaten WV-Redakteur Per Lütje befragt. Dabei durften beide Bewerber ihre Antworten (schriftlich) mit maximal jeweils 900 Zeichen formulieren.

Mittwoch, 02.09.2020, 12:42 Uhr aktualisiert: 02.09.2020, 12:44 Uhr
Matthias Möllers (rechts) ist Kämmerer der Stadt Herford und ist CDU-Kandidat für das Bürgermeisteramt. Ingo Stucke ist derzeit Pfarrer in Bielefeld-Brackwede und von der SPD als Bürgermeisterkandidat aufgestellt worden.

Wo sehen Sie dringenden Handlungsbedarf?

Matthias Möllers: Ich nenne vier Stichpunkte. Mobilität: Wir brauchen bessere Radwegeverbindungen innerorts und außerorts. Ebenso bessere Busverbindungen, insbesondere zwischen Altenbeken und Paderborn bzw. Schwaney und Dahl. Wir brauchen eine bessere Taktung und weniger Umstiege. Betreutes Wohnen: Das Projekt auf Mertens‘ Wiese muss wieder aufgenommen werden. Feuerwehr: Die Gerätehäuser in Buke und Schwaney sind abgängig. Verwaltung: Der so genannte ‚Briefeskandal‘ hat organisatorische Defizite aufgezeigt, die es zu beseitigen gilt. Außerdem muss auch unsere Verwaltung Schritt für Schritt digitalisiert werden. Umwelt: Viele Menschen wünschen sich, dass Grünanlagen besser bzw. öfter gepflegt und gesäubert werden. Außerdem stimme ich mit den Grünen überein, dass wir Hundekottütenspender und weitere Mülleimer aufstellen sollten.

Ingo Stucke: Schließung der Versorgungslücke von barrierefreien, altersgerechten Wohnen, Baulandgewinnung für junge Familien, Ausbau und Erhalt der öffentlichen Infrastruktur.

Wie stehen Sie zum (weiteren) Ausbau der Windkraft auf dem Gebiet der Gemeinde Altenbeken?

Möllers: Eine Ausweitung der Windvorrangzonen lehne ich ab. Wir haben eine Ökostromquote von über 300 Prozent erreicht, das kann sich wirklich sehen lassen. Jetzt geht es eher darum, diesen Strom vor Ort bestmöglich zu nutzen, zum Beispiel durch Speichertechnologie und intelligente Steuerung. Ebenso schwebt mir vor, dass unsere Bürgerinnen und Bürger stärker an der Wertschöpfung durch die Windenergie beteiligt werden, zum Beispiel durch spezielle Windstromtarife. Wir brauchen einen fairen Ausgleich zwischen Belastung und Nutzen.

Stucke: Die Folgen der Corona-Krise müssen vordringlich angegangen werden: Förderung der Schulkinder, die unter dem Lockdown nicht mitgekommen sind; Stärkung der Vereine und Zivilgesellschaft.

Wie gut oder schlecht sehen Sie die drei Ortsteile in Sachen Kitas und Schulen aufgestellt?

Möllers: Was die Kindertagesbetreuung angeht, sehen wir schon jetzt, dass wir zusätzlichen Bedarf an Kitaplätzen haben werden. Dem möchte ich umgehend nachkommen. Im Bereich Schule sind wir gut aufgestellt. Die Gebäude sind allesamt in gutem Zustand bzw. werden kurzfristig saniert (Schwaney). In Altenbeken haben wir uns schon lange für eine bessere Zuwegung zum Schulgebäude stark gemacht, das Thema Schulwegsicherheit würde ich gerne nach der Wahl wieder aufnehmen. Die private Realschule hat jetzt ihren zweiten Jahrgang in Betrieb, wir werden diese Schule weiter fördern, damit sie stabil wachsen kann und wir 2025 unseren ersten Abschlussjahrgang feiern können. Für alle Schulkinder möchte ich zukünftig eine verbesserte Ferienbetreuung anbieten. Wenn man schaut, was in anderen Kommunen an Ferienspielen angeboten wird, haben wir noch Luft nach oben. Wenn man die örtlichen Vereine mit ins Boot holt, kann sicher ein attraktiveres Programm geschnürt werden.

Stucke: Die Grundschule ist inzwischen in allen drei Ortsteilen gut aufgestellt, Buke braucht mittelfristig eine Turnhalle. Die Realschule ist als weiterführende Schule vor Ort unverzichtbar.

Wohnraum ist begehrt und knapp. Was gedenken Sie zu tun, um weiteren Wohnraum zu schaffen?

Möllers: Es sind intensive Gespräche mit den privaten Grundstückseigentümern zu führen, um vorhandenes Bauland verfügbar zu machen. Hier habe ich bereits erste positive Signale empfangen, die mich zuversichtlich stimmen, dass wir etwas Bewegung in den Markt bekommen. Parallel müssen alle Wege ausgereizt werden, damit wir von der Bezirksregierung zusätzliches Bauland genehmigt bekommen. Die Gemeinde selbst hat praktisch keine Flächen mehr. Außerdem gibt es einige leer stehende Bestandsgebäude. Hier müssen wir Anreize schaffen, dass diese an den Markt kommen bzw. abgerissen werden. Grundsätzlich sehe ich die Gemeinde aber nicht in der Pflicht, selbst Wohnhäuser zu bauen. Soweit Flächen verfügbar sind, werden diese auch ohne Zutun der Gemeinde bebaut. Die Gemeinde sollte sich darauf konzentrieren, die notwendigen Voraussetzungen zu schaffen.

Stucke: Bebauung der gemeindlichen Grundstücke, aktive Bodenpolitik, geduldige Gespräche mit Eigentümern zur Mobilisierung der innerörtlichen Baulandreserve, intensive Investorensuche.

Die Wirtschaft leidet derzeit enorm unter der Corona-Krise. Welche Möglichkeiten sehen Sie, Einzelhandel und Unternehmen in dieser besonderen Zeit zu unterstützen? Haben Sie ein Rezept gegen Leerstand?

Möllers: Die Gemeinde unterstützt die Wirtschaft, indem sie die bestmöglichen Rahmenbedingungen schafft. Dazu gehört zum Beispiel, dass wir demnächst flächendeckend Glasfaserversorgung bekommen, wofür ich mich auch selbst stark gemacht habe. Wichtig ist, dass man mit der Wirtschaft im Gespräch bleibt und so möglichst frühzeitig Handlungsbedarfe erkennt. Daher möchte ich zukünftig die Vernetzung der Verwaltung mit der Wirtschaft intensivieren. Der Erfolg des Einzelhandels hängt stark von der Attraktivität des Umfelds ab. Wir müssen mehr Aufenthaltsqualität im Ortskern schaffen. Mir schwebt eine bessere Verbindung von Arkadenumfeld, Gastronomie und Kinderspielplatz vor. Auch ein Drogeriemarkt würde den Ort zusätzlich beleben.

Stucke: Dank der Konjunkturpakete des Bundes bleibt der Mittelstand mit seinen gesunden Kernen erhalten. Gastronomie, Tourismus und Einzelhandel werde ich zum regelmäßigen Gedankenaustausch einladen, um die Aufenthaltsqualität für Einwohner wie Besucher zu erhöhen.

Wie wollen Sie den Tourismus in Altenbeken weiter voranbringen?

Möllers: Im Bereich Wandertourismus sehe ich Altenbeken sehr gut aufgestellt. Ich möchte mehr Freizeitangebote insbesondere für Kinder und Jugendliche schaffen. Von besseren Radwegeverbindungen in unsere Nachbargemeinden, der Schaffung von Mountainbike-Trails und attraktiven Ortskernen würde selbstverständlich auch der Tourismus profitieren. Wir werden ja noch ein paar Highlights bekommen, wie zum Beispiel die neugestaltete Teichanlage am Springe in Buke. Unsere Jugend wünscht sich einen Pumptrack, also eine Fahrstrecke speziell für Mountainbikes. Dafür suchen wir schon jetzt nach einem passenden Grundstück.

Stucke: Das Viaduktfest ist ein Highlight für Gäste und etwas, was alle drei Ortsteile verbindet. In Kooperation mit der Gastronomie wären Solartankstellen für E-Biker sinnvoll. Bei den vielen tollen Musikzügen kann ich mir eine Reihe sommerlicher Platzkonzerte vorstellen. Um die Marke Viadukt zu stärken, werde ich eine Europäische Viadukt-Route anstoßen und mich um EU-Förderung bemühen.

Wenn Sie Bürgermeister von Altenbeken werden, was wollen Sie bis zum Ende der Legislaturperiode erreicht haben?

Möllers: Ich möchte vor allem bei den oben genannten Schwerpunkten sichtbare Fortschritte gemacht haben, damit unsere drei Orte lebenswert bleiben und junge Familien eine gute Perspektive haben, sich in ihrem Heimatort niederlassen zu können. Wir müssen unsere Hausaufgaben machen, damit die Einwohnerzahl nicht schrumpft. Denn nur so können wir die notwendige Infrastruktur erhalten und unsere Zukunft sichern.

Stucke: Einen Busverkehr, der auf die Bedürfnisse der Kunden abgestimmt ist; ausreichend passender Wohnraum für Jung und Alt; eine solide öffentliche Infrastruktur; ein Wir-Gefühl, das offen ist für Neue und für Neues.

Abschließend können Sie sich selbst eine Frage stellen, die Ihnen wichtig ist, und diese natürlich auch beantworten.

Möllers: Warum sind Sie der richtige Mann für das Altenbekener Rathaus? Antwort: Im Wahlkampf kann jeder alles versprechen. Einmal im Amt, braucht man aber Fachkompetenz, Erfahrung im Umgang mit Gesetzen, Finanzen und Personal. Denn anders als in größeren Kommunen, wo es Beigeordnete und mehrere Hierarchieebenen gibt, ist der Bürgermeister in Altenbeken auch selbst im Tagesgeschäft gefragt. Ein Bürgermeister ist handlungsfähig, wenn er eine starke Ratsfraktion hinter sich weiß. Mein Team besteht aus einer guten Mischung aus Jung und Alt, mit Kompetenzen aus ganz verschiedenen Bereichen, aber vor allem auch im Bereich Verwaltung. Wir haben viele frische Kräfte. Alle sind hoch motiviert, zusammen mit mir die Gemeinde voranzubringen. Außerdem ist es für die Amtsführung von Vorteil, vor Ort zu wohnen und in alle Ortsteile vernetzt zu sein. So fällt es leichter, Probleme und Bedarfe zu erkennen und frühzeitig Abhilfe zu schaffen.

Stucke: Ist es ein Nachteil oder Vorteil, wenn man von außen kommt? Antwort: Eindeutig ein Vorteil, denn ich bin unabhängig und niemandem zu etwas aus der Vergangenheit verpflichtet. Alle drei Ortsteile sind mir gleich sympathisch. Ich bringe kommunalpolitische Erfahrung und einen frischen Blick mit. Zudem kann ich jederzeit zu meinem bisherigen Beruf zurück. Daher habe ich die Freiheit, das öffentliche Amt des Bürgermeisters souverän auszuführen.

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