Warum Peter K. (71) aus Altenbeken zur Corona-Demonstration nach Berlin fuhr
Einer von 38.000

Altenbeken (WB). Peter K. aus Altenbeken ist 71. Vor eineinhalb Jahren habe er eine schwere Lungenentzündung überstanden, sagt er, aber Angst vor Corona habe er nicht. „Ich lebe gesund, esse Bio-Fleisch und habe gute Abwehrkräfte. Und wenn mich Corona erwischen sollte, würde ich hochdosiertes Vitamin C nehmen.”

Mittwoch, 02.09.2020, 03:00 Uhr aktualisiert: 04.09.2020, 18:52 Uhr
Dieses Foto hat die Tochter von Peter K. am Samstag in Berlin gemacht. Im Hintergrund ist das Brandenburger Tor zu sehen.

Peter K. ist einer der geschätzt 38.000 Menschen , die am Samstag an der Corona-Demonstration in Berlin teilnahmen. Und einer der wenigen, die sich öffentlich zu ihren Beweggründen äußern und Einblicke in das Spektrum der Demonstranten geben.

Der 71-Jährige möchte seinen Nachnamen nicht in der Zeitung lesen, weil er Repressalien für seine berufstätigen Kinder fürchtet. „Denn wer in Berlin war, wird mit Esoterikern, Reichsbürgern und Neonazis in einen Topf geworfen. Dabei waren da tausende normaler Menschen wie ich, die Zweifel an der Corona-Politik haben. Aber da wird ja leider nicht differenziert. Es war ja auch nicht nur eine Demo, es waren mehrere.”

Peter K. wollte sich selbst ein Bild machen

Der Altenbekener ist Soziologe und hat, wie er sagt, vor Jahrzehnten an so mancher Großdemonstration teilgenommen. „Gegen den Vietnamkrieg, gegen die Erhöhung der Busfahrpreise, für den Frieden.” Als ihn seine Töchter kürzlich gefragt hätten, ob er mit nach Berlin komme, habe er gleich zugesagt. „Mich stören schon lange mehrere Dinge. Selbst das Bundesinstitut für Medizinprodukte hat im Juni veröffentlicht, dass selbstgenähte Masken keine Wirkung haben. Trotzdem zwingt uns der Staat, diese Dinger zu tragen. Wenn ich nur an die armen Schulkinder denke... Ich könnte mich vielleicht wegen Asthmas mit einem Attest befreien lassen, aber ich habe ehrlich gesagt Angst vor den Diskussionen im Supermarkt.”

Private Masken

Das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte schreibt zu selbstgenähten Masken, eine Schutzwirkung sei nicht nachgewiesen. Durch das Tragen könnten aber die Geschwindigkeit des Atemstroms und des Tröpchenauswurfs reduziert werden. Die Masken sollten nur für den privaten Gebrauch genutzt und täglich gewaschen werden. Auch mit diesen Masken solle der Sicherheitsabstand eingehalten werden. teilt das Institut mit.

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Punkt zwei: „Das Robert-Koch-Institut schätzt, dass pro Jahr 10.000 bis 20.000 Menschen an Krankenhauskeimen sterben. Warum verwendet Herr Spahn seinen Elan nicht auf dieses Problem statt auf Corona? das wäre viel nachhaltiger.“ Und die dritte Sache, die Peter K. nach Berlin hat aufbrechen lassen: „Die meisten Medien berichten nicht über die Reden, die auf diesen Demonstrationen gehalten werden. Deshalb wollte ich mir selbst mal ein Bild machen.”

Es sei die friedlichste Demonstration gewesen, die er erlebt habe, sagt der 71-Jährige. „Wir haben zwar mitbekommen, dass jemand von der Antifa eine Bierflasche in Richtung Polizei geworfen hat, aber das war es dann auch.“ Die Veranstalter hätten immer wieder darauf hingewiesen, dass die Demonstranten Rechts- und Linksradikale, die sich strafbar machten, einkreisen und die Polizei rufen sollten. „Das haben wir auch bei einem getan, der eine Reichskriegsflagge hatte. Aber die Polizisten haben sie ihm nicht abgenommen.“

„Da standen einfach zu wenig Beamte”

Der Veranstalter habe auch darauf hingewiesen, dass Menschen, die Masken tragen, nicht ausgebuht werden sollten. „Und wir wurden immer wieder aufgefordert, den Sicherheitsabstand einzuhalten. Ich habe auch versucht, das zu tun.“ Das sei aber nicht immer möglich gewesen, weil der Demonstrationsweg zum Teil mit Bauzäunen eingeengt gewesen sei.

Dass Rechtsradikale dann zum Schluss bis vor den Reichstag gelangt seien, sagt Peter K., finde er schlimm, aber das sei der Einsatzleitung der Polizei anzulasten. „Da standen einfach zu wenig Beamte.” Im Internet hätten die Rechten schon Tage vorher zu einem Sturm auf Berlin aufgerufen. „Da hätte die Polizei doch besser vorbereitet sein können.“

Vitamin C bei Corona?

Bisher gibt es keine Studie, die eine Wirksamkeit von Vitamin C gegen das Corona-Virus belegt. Weil Vitamin C aber bei Laborversuchen im Zusammenspiel mit anderen Stoffen einen antiviralen Effekt gezeigt hat, bekamen Corona-Patienten in China per Tropf 15 Gramm Vitamin C pro Tag. Im Frühjahr wurden Studien zur Vitamin-C-Infusion in China, Kanada, Italien und den USA begonnen. Erste Ergebnissen könnten noch 2020 vorliegen.

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An einer Demonstration nicht teilzunehmen, weil vielleicht auch Rechtsradikale dabei seien, sei für ihn keine Option: „Dann darf man auch nicht mehr ins Fußballstadion. Wir können denen doch nicht die Straße überlassen.“

Der emotionale Höhepunkt für ihn sei die Rede Robert Kennedys gewesen, eines Neffen des ermordeten US-Präsidenten John F. Kennedy. „Das war ein bewegender Moment.“ Er habe zwar wegen der großen Entfernung zum Podium nicht alles verstehen können, sagt Peter K., aber er habe sich die Rede später noch einmal bei You-Tube angehört. „Ich gehe nicht mit allem mit, was Kennedy gesagt hat, aber es war wichtig, dass er die Einschränkung der Freiheitsrechte thematisiert hat. Ich habe immer die alten Menschen vor Augen, die in den Heimen eingesperrt waren und wegen ihrer Krankheiten oft nicht wussten, warum sie keinen Besuch mehr bekommen. Was das mit der Psyche der Menschen gemacht hat, möchte ich mir nicht vorstellen.“

Kommentare

Martin  wrote: 06.09.2020 13:37
Dem Dank von Astrid kann ich mich nur anschließen. Ich wünschte mir mehr ehrliche, authentische, diskriminierungsfreie, investigative, hinterfragende Berichterstattung. Ich lese nur noch sehr wenig Tageszeitungen, eben nur, wenn Bekannte mich, wie in diesem Fall, darauf aufmerksam machen, da ich in den letzten Jahren zu oft enttäuscht worden bin. Aber vielleicht ist da ja eine Wende in Sicht, denn die Anzahl der unzufriedenen Bürger wächst ja enorm und einige Zeitungen scheinen das langsam zu bemerken.
Astrid  wrote: 04.09.2020 19:05
Danke
Danke liebes, mutiges Westfalen Blatt für die sachliche Darstellung der Beweggründe eines Demonstrationsteilnehmers.
Total 2 comments
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