Seniorenzentrum Altenbeken: Bewohner freuen sich über Normalität
Endlich wieder Familie treffen

Altenbeken (WB). Hinter dem Seniorenzentrum Altenbeken liegen kräftezehrende Wochen. Zuerst gab es ein Besuchsverbot aufgrund der Corona-Pandemie, weshalb viele Senioren auf ihre geliebten Treffen mit ihren Angehörigen verzichten mussten. Als dann erste Besuche hinter Plexiglas wieder stattfinden sollten, gab es ein neues striktes Besuchsverbot. Der Grund: 11 Mitarbeiter und 13 Bewohner hatten sich wie berichtet im Mai mit dem Virus infiziert. Es wurde Quarantäne angeordnet. Zwei infizierte Bewohner sind mittlerweile verstorben, alle weiteren und die betroffenen Mitarbeiter wieder genesen.

Donnerstag, 09.07.2020, 08:46 Uhr aktualisiert: 09.07.2020, 08:48 Uhr
Aufgrund der Corona-Pandemie gab es ein wochenlanges Besuchsverbot im Seniorenzentrum Altenbeken. Dieses hat das Landesministerium zum 1. Juli wieder aufgehoben. Das freut Bewohner und Angehörige sehr. Foto: Oliver Schwabe

„Für uns Bewohner war die Zeit ohne persönlichen Kontakt zu unseren Angehörigen ganz schlimm. Man fühlt sich so verlassen! Viele waren traurig oder depressiv. Einige haben die Situation nicht verkraftet“, schildert Sigrid Becker vom Seniorenbeirat die Gefühlslage der Bewohner. Sie selbst lebt seit sechseinhalb Jahren in der Einrichtung des Reichsbunds freier Schwestern: „Ein guter Kontakt zu den Kindern ist so wichtig. Das gibt Lebensqualität.“

Sie haben nach Kontakt gedürstet.

Renate Rustemeyer

Seit dem 1. Juli dürfen Bewohner von Pflegeeinrichtungen laut Allgemeinverfügung des Landes NRW wieder Besuch empfangen. Sogar Berührungen sind demnach – unter Einhaltung bestimmter Hygienevorschriften – erlaubt. Für die Senioren in Altenbeken ist das seit Wochen die wohl beste Nachricht. „Unsere Bewohner brauchen ihre Angehörigen, auch länger als 30 Minuten am Tag. Sie haben nach dem Kontakt gedürstet“, beschreibt es Einrichtungsleiterin Renate Rustemeyer, die nach der langen Durststrecke endlich wieder eine positive Stimmung wahrnimmt.

Die verpflichtenden Kurz-Screenings, bei denen der Gesundheitszustand festgehalten und die Temperatur der Besucher gemessen wird, nehmen die Gäste gerne in Kauf. „Jeder, der in unser Haus möchte, muss vorab das Screening machen. Und zwar bei jedem einzelnen Besuch. Egal ob Angehöriger, Therapeut oder Handwerker“, beschreibt Renate Rustemeyer die Voraussetzung.

Dafür müssen sich Besucher vorab anmelden. Die Gesundheitsüberprüfung findet am Haupt- oder an den Nebeneingängen durch die Mitarbeiter statt. „Erst danach dürfen sie unser Haus betreten“, betont Rustemeyer. Die Senioren seien überglücklich, dass sie endlich wieder ihre Familien sehen können: „Auch wenn es ein Wagnis ist. Alle atmen auf. Sie haben sich so sehr danach gesehnt“, weiß die Einrichtungsleiterin.

Wir haben unsere Angehörigen sehr vermisst.

Sigrid Becker

Das bestätigt auch Sigrid Becker: „Wir haben unsere Angehörigen sehr vermisst und genießen jetzt jeden Tag, an dem sie uns besuchen können.“ Das Wiedersehen mit ihren Kindern und Enkeln beschreibt sie als „sehr ergreifend“: „Während des Besuchsverbots hatte ich Geburtstag und meine Kinder haben auf dem Gehweg ein Ständchen gesungen. Da sind schon Tränen geflossen.“

Die flossen jetzt auch, als sie ihre Angehörigen endlich wieder treffen durfte: „Ich habe meine Familie ja fast ein Vierteljahr nicht gesehen. Meine Enkelkinder sind vier und zwei Jahre alt. Es ist schon krass zu sehen, wie sehr sie sich weiterentwickelt haben“, berichtet Sigrid Becker. So wie ihr ging es den meisten anderen Bewohnern auch.

Eine große Stütze waren die Mitarbeiter der Einrichtung vom Reichsbund freier Schwestern, wie Renate Rustemeyer betont: „Sie haben gesehen, wie der ein oder andere gelitten hat, und haben versucht, ihn aufzumuntern und Mut zu machen. Jeden Tag.“

Was mein Team geleistet hat, Hut ab!

Sylivia Rüther

Das bestätigt auch Pflegedienstleiterin Sylivia Rüther: „Hinter uns liegen anstrengende Wochen. Was mein Team geleistet hat, Hut ab!“ Die Mitarbeiter hätten Mut gemacht, die Bewohner mit täglichen Gesprächen unterstützt und die Küche habe zum Beispiel liebe Grüße übermittelt. Die Pflegedienstleiterin kann die Gemütslage der Senioren während dieser Zeit nachvollziehen: „Wir konnten ja immer nach der Arbeit nach Hause gehen, aber die Bewohner hatten nur ihre Zimmer. Sie haben toll durchgehalten“, lobt Rüther.

Langsam kommt die Normalität zurück. Für ihr Team heißt das auch, wieder in normaler Alltagskleidung zu arbeiten, und nicht in voller Schutzmontur mit Overall, Schutzbrille, Handschuhen und Kopfhaube. Nur die Maske ist geblieben. „Die Bewohner freuen sich, uns mal wieder normal zu sehen“, erzählt Rüther. Und vor allem freuen sie sich über ihre Sozialkontakte im Haus: „Wir können wieder zusammen in den Speisesaal gehen und uns austauschen“, sagt Sigrid Becker: „Das tut so gut.“

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