Corona-Fall im Seniorenzentrum Altenbeken – Besuchsstopp verhängt 24 Bewohner in Quarantäne

Altenbeken (WB). Wegen des Coronavirus befinden sich im Seniorenzentrum Altenbeken mehr als 20 Bewohner in Quarantäne, für das ganze Haus gilt ein zweiwöchiges Besuchsverbot für Angehörige, aber auch zum Beispiel für Fußpfleger oder Physiotherapeuten. „Das ist sehr, sehr schade, aber es geht nicht anders“, sagte die Leiterin Renate Rustemeyer am Montag dem WESTFÄLISCHEN VOLKSBLATT.

Von Dietmar Kemper
Für das Seniorenzentrum Altenbeken gilt ein zweiwöchiges Besuchsverbot.
Für das Seniorenzentrum Altenbeken gilt ein zweiwöchiges Besuchsverbot. Foto: Hannemann

Die Kontaktbeschränkungen wurden deshalb notwendig, weil sich eine Mitarbeiterin mit dem Coronavirus angesteckt hat. Renate Rustemeyer erläuterte: „Wir fragen morgens jede Mitarbeiterin und jeden Mitarbeiter, wie sie sich fühlen. Außerdem müssen sie zuhause ihre Temperatur messen. Ist sie erhöht, müssen sie das melden und dürfen nicht zur Arbeit gehen. Die Mitarbeiterin hatte Symptome und erhielt am Samstag ihr Testergebnis.“ Nach dem positiven Befund wurde sie genauso nach Hause geschickt wie eine Kollegin, mit der sie in der vergangenen Woche Spätdienst gemacht hatte. Wo oder bei wem sie sich infiziert hat, wisse die Mitarbeiterin nicht, sagte Renate Rustemeyer.

Die Frau soll aus Hövelhof stammen. Nach Angaben des Kreises stehen insgesamt 24 Bewohner eines Traktes unter Quarantäne. 26 Personen in einem anderen Bereich seien sicherheitshalber zusätzlich getestet worden. Das bestätigte auch die Heimleitung. Offenbar sind Bewohner und Mitarbeiterinnen symptomfrei. Was die infizierte Mitarbeiterin betrifft, gehen die Angaben aber auseinander: Die Kreisverwaltung erklärte, auch diese Person zeige bislang keine Krankheitsanszeichen, das Virus sei bei ihr zufällig entdeckt worden, weil sie Kontakt zu einer Verdachtsperson gehabt habe.

Das Seniorenzentrum am Schützenweg in Altenbeken wird vom Reichsbund freier Schwestern getragen, der sechs weitere Pflegeeinrichtungen in Bergkamen, Gütersloh, Lage, Lüdenscheid, Neustadt und Rinteln betreibt. In Altenbeken stehen 149 Plätze (111 Einzelzimmer und 19 Doppelzimmer) zur Verfügung, die Einrichtung verfügt unter anderem über eine Cafeteria, einen Friseursalon und einen hauseigenen Garten. In dem Gebäudekomplex ist zudem eine Physiotherapiepraxis untergebracht. Deren Mitarbeiter und Patienten sind von dem Besuchsverbot nicht betroffen. „Gäste aus dem Dorf können weiter kommen und über einen Nebeneingang die Praxis erreichen, so dass sie mit unseren Bewohnern nicht in Kontakt kommen“, erläuterte Rustemeyer.

Weitere Tests sind geplant

Im Laufe der Woche sind weitere Tests geplant. „Mitarbeiter könnten das Virus von draußen reintragen“, betonte die Einrichtungsleiterin. Die zunehmende Lockerung der Kontakt- und Zutrittsbeschränkungen in Deutschland sieht sie mit Sorge: „Mir ist das zu viel Lockerung. Nach meinem Eindruck gehen viele Menschen inzwischen wieder zu sorglos mit dem Virus um.“ In den vergangenen Wochen hatte sie noch „eine große Solidarität“ mit den von Covid-19 am meisten gefährdeten Senioren festgestellt.

Altenbeken weiter coronafrei

Die Gemeinde Altenbeken darf sich weiterhin als coronafrei bezeichnen. Die infizierte Altenheimmitarbeiterin wird Hövelhof zugerechnet. „Das ist ganz dünnes Eis. Wir sind glücklich, die Zahl null zu haben, müssen uns aber gleichzeitig Sorgen machen, dass es im Seniorenzentrum weitere Infektionen geben könnte“, sagte Bürgermeister Hans Jürgen Wessels dem WV. In die Leitung der Einrichtung habe er „hohes Vertrauen“, die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter hätten sich in der Vergangenheit sehr engagiert gezeigt. Der Altenbekener Bevölkerung bescheinigt Wessels, dass der allergrößte Teil „sich sehr vernünftig verhält“. Der Wettbewerb bei den Lockerungsmaßnahmen unter den Bundesländern könne aber zu der Meinung verleiten, dass Corona nicht mehr so schlimm sei. Der Bürgermeister: „Bei allen Lockerungen ist es wichtig, die individuelle Vorsorge zu erhöhen und Übertragungswege zu unterbinden.“ Die Gemeinde erlebt übrigens zur Zeit einen Ansturm von Wanderern. Dass die das Virus mitbringen, befürchtet Wessels nicht: „In der Natur kommen sich die Menschen nicht zu nahe.“

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