Orkane und der Borkenkäfer haben den Wald bei Altenbeken stark verändert
Vom Paradies zum Baumfriedhof

Altenbeken (WB). Das klingt verrückt, aber es ist so. Wo man noch im vergangenen Jahr auf dem Egge- oder Grünen Weg zwischen Altenbeken und Kempen vornehmlich durch teils hohe schattige Nadelwälder wandern konnte, bietet sich hier nach den Baumfällaktionen im Winter ein Bild der Apokalypse.

Mittwoch, 01.04.2020, 02:15 Uhr aktualisiert: 01.04.2020, 05:03 Uhr
Zu seinem Namen passend, präsentierte sich der Grüne Weg in der Vergangenheit als grünes Paradies. Wanderer und Radfahrer nutzten ihn für entspannende Ausflüge in der Natur. Das Foto stammt aus dem Jahr 2006.

Nachdem unter anderem die Orkane „Lothar“, „Kyrill“, „Friederike“, „Eberhard“ und zuletzt „Sabine“ große Areale mit hohen Fichten-Monokulturen besonders in den West-Ost-Tälern flachgelegt hatten, genügten zwei extrem heiße und trockene Sommer, um die standortfremden Flachwurzler so nachhaltig zu schwächen, dass sie eine leichte Beute der Borkenkäfer wurden und von den Erntemaschinen (Harvestern) im letzten Winter entfernt wurden.

Egge-Kamm für längere Zeit entwaldet

Der zuständige Förster Andreas Bathe gibt auch den Restbeständen, die bereits deutlich gezeichnet sind, wenig Überlebenschancen. Und so wird der Egge-Kamm bis auf vereinzelte Buchenbestände für längere Zeit entwaldet sein.

Schon zur Römerzeit griff der Mensch massiv in die Natur ein. So wurden die Wälder, die nach der letzten Eiszeit einst etwa zwei Drittel der Fläche Mitteleuropas bedeckten, auch schon mal auf 20 Prozent dezimiert. Bäume, vornehmlich Buchen und Eichen, wurden als Bau-, Brenn- und Grubenholz sowie in Glas- und Eisenhütten in Unmengen verbraucht. Und Acker- und Weideland verdrängten ganze Waldlandschaften. Andere wurden durch intensive Waldbeweidung geschwächt. Was nachwuchs, war bis vor einigen hundert Jahren weitestgehend Naturwald, überwiegend gesund und widerstandsfähig und beherbergte eine große Artenvielfalt.

Der Eggeweg im Bereich Dübelsnacken ist kein schöner Anblick mehr.

Der Eggeweg im Bereich Dübelsnacken ist kein schöner Anblick mehr. Foto: Kurt Blaschke

Mit der Industrialisierung im 19. Jahrhundert und auch während und nach den Weltkriegen setzte ein fast völliger Kahlschlag ein. Aber die Nachfrage nach Bauholz war ungebremst, und so kamen unsere Vorfahren auf die damals nachvollziehbare Idee, schnell wachsende Fichten ins Land zu holen, die sich eigentlich in kälteren Zonen wohlfühlen. Heute ist ein Drittel der Landfläche Deutschlands wieder mit Wäldern bedeckt, auf mehr als der Hälfte sind Fichten. Diese produzieren in kurzer Zeit kerzengerades Bauholz. Man bezeichnete sie als den „Brotbaum der Waldbauern“.

Leider hat man jedoch erst vor wenigen Jahrzehnten erkannt, dass das wohl ein großer Fehler sein könnte und begann nach und nach in einigen Beständen mit der Umgestaltung zum standortgerechten Laubwald. Besonders eindrucksvoll sind diese Bemühungen beiderseits des besonders bei Joggern beliebten Grünen Wegs in Altenbeken zu sehen. Auf großen Flächen wurden die Fichtenbestände besonders mit Buchen unterpflanzt. Obwohl immer mehr Laubwälder aus der Nutzung genommen werden, werden in Deutschland immer noch 97 Prozent bewirtschaftet und sind der Selbstregulierung weitestgehend entzogen.

Höhepunkt der Borkenkäferkalamität steht noch bevor

Das Ergebnis hat man nun deutlich vor Augen. Unter anderem „Kyrill“ legte große Flächen von besonders hohen Fichten-Monokulturen flach. Zwei extrem heiße und trockene Sommer schwächten die standortfremden Flachwurzler so nachhaltig, dass sie laut Förster Andreas Bathe zu einer leichten Beute für die Borkenkäfer wurden. Ein Nationalpark Senne-Egge könnte zumindest einen kleinen Teil der Natur in ihrer Ursprünglichkeit erhalten. Nach der Überzeugung von Förstern steht der Höhepunkt der Borkenkäferkalamität in diesem oder im nächsten Jahr erst noch bevor. Viele Fichten, die im Moment noch grün sind und gesund erscheinen, würden dann zusätzlich verschwinden.

Fichten können Gefahr für Wanderer werden

In vielen Forstrevieren werden seit langer Zeit in große ältere Fichtenkomplexe andere Baumarten im sogenannten „Voranbau“ eingebracht. Ziel ist es, die Strukturen einer Monokultur aufzubrechen und schon die nächste Waldgeneration vorzubereiten. Im Naturschutzgebiet Egge-Nord wurde damit intensiv vor knapp 30 Jahren begonnen. Als Premium-Naturschutzgebiet gilt hier das besondere Augenmerk dem Erhalt und der Vermehrung von Buchenwaldgesellschaften. Das Land hat über den Eigenbetrieb Wald und Holz NRW im Laufe der letzten 25 bis 30 Jahre viel Geld in die Hand genommen, um die Fichtenbestände im Naturschutzgebiet, insbesondere im Bereich der Egge (Grüner Weg bis Velmerstot), aber auch im Bereich der fehlbestockten Standorte der Eggevorberge umzuwandeln. Gepflanzt wurden Rotbuchen, Stiel- und Traubeneichen sowie Roterlen.

Im Naturschutzgebiet ist etwa die Hälfte der Fichten dabei zu sterben oder bereits abgestorben und geerntet. Sie können zu einer Gefahr für Wanderer werden, weil Fichten spätestens zwei Jahre nach dem Absterben auseinanderzubrechen drohen.

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