Seniorenzentrum Altenbeken druckt E-Mails von Angehörigen aus und liest sie vor
Briefe spenden Senioren Hoffnung

Altenbeken (WB). Wer im Seniorenheim lebt, leidet derzeit besonders unter den Folgen der Corona-Krise und den damit verbundenen sozialen Einschränkungen. Besuch von den Kindern oder Enkeln ist untersagt, um soziale Kontakte auf ein Minimum zu reduzieren. Damit sich die Bewohner nicht einsam fühlen, hat das Seniorenzentrum Altenbeken einen Aufruf per Facebook gestartet: „Derzeit ist es zum Schutz unserer Gesundheit und der Gesundheit unserer Mitmenschen dringend erforderlich, jegliche sozialen Kontakte auf ein absolutes Minimum zu beschränken. Das trifft auch auf Besuche unserer Bewohner zu“, schreibt Einrichtungsleiterin Renate Rustemeyer.

Freitag, 27.03.2020, 12:59 Uhr aktualisiert: 27.03.2020, 13:04 Uhr
Diesen Brief hat eine Enkelin an ihre Oma geschrieben, die im Seniorenzentrum Altenbeken lebt.

Damit Angehörige trotzdem Kontakt zu den Lieben halten können, bietet der Soziale Dienst den digitalen Weg an. „Wer möchte, kann uns eine persönliche Nachricht oder einen Brief per E-Mail schicken, die wir dann ausdrucken und an die Bewohner übergeben. Wir lesen diese Briefe auf Wunsch auch vor“, erzählt Rustemeyer. So hätten die Männer und Frauen etwas in der Hand, dass sie sich immer wieder anschauen können.

„Wir bekommen unheimlich viel Unterstützung von Angehörigen“

Die Reaktion ließ nicht lange auf sich warten: „Wir bekommen unheimlich viel Unterstützung von Angehörigen. Ein Bewohner hat ein iPad, das andere jetzt auch zum Nachrichten lesen nutzen dürfen. Eine Frau hat sich herzlich bedankt, dass wir für ihre Mutter da sind“, zählt Renate Rustemeyer auf.

Und die ersten Briefe und E-Mails sind auch schon da – sehr zur Freude der Bewohner. So hat zum Beispiel Mathilde Bannenberg einen Brief von ihrer Enkelin bekommen – per Post. „Liebe Oma, vielleicht hast Du schon gehört, dass wegen dem Coronavirus die Schulen geschlossen werden. Deshalb sind Max und ich jetzt zuhause. Aber auch, wenn Du nicht bei uns bist, haben wir Dich lieb.“ Der Brief ist mit Herzchen verziert und zaubert der Seniorin ein Lächeln ins Gesicht. Auch umgekehrt ist der Kontakt übrigens möglich, berichtet Rustemeyer: „Der Soziale Dienst verschickt auf Wunsch Fotos und kleine Whats­App-Videos.“

„Danke, dass ihr für uns da seid“

„Viele unserer Bewohner und viele Mitarbeiter kommen aus Altenbeken. Wir haben immer einen guten Kontakt, doch jetzt sind alle noch mehr zusammengerückt“, berichtet Renate Rustemeyer von der Stimmung unter den 149 Männern und Frauen. Es sei ein Auf und Ab zwischen Akzeptanz, Sorge und Angst. Auch so manche Träne fließe, aber gleichzeitig sei auch eine große Dankbarkeit unter den Bewohnern zu spüren: „Danke, dass ihr für uns da seid“, hören die Mitarbeiter öfter.

Auch Renate Rustemeyer ist überwältigt vom Zusammenhalt in ihrem Team: „Wir bedanken uns bei all unseren Mitarbeitern, die trotz der Corona-Krise arbeiten und dafür sorgen, dass unsere Bewohner weiter gut versorgt sind. Teilweise haben sie ja selbst Kinder, die betreut werden müssen, aber sie bekommen das immer hin. Wir sind dankbar für den Zusammenhalt und auch für die Unterstützung der Angehörigen.“

Mitarbeiter und Ehrenamtliche nähen Kittel und Mundschutz

Neben Süßigkeiten und viel Lob erreicht auch selbst genähter Mundschutz das Seniorenzentrum. „Wir haben vor einigen Tagen einen Aufruf bei Facebook gestartet. Wer Lust am Nähen hat und uns unterstützen will, findet dort eine Anleitung für einen Mundschutz“, erzählt die Leiterin. Eine Frau hat in einer Nachtschicht aus bunten Stoffen eigene Exemplare designt und angeboten, auch Wünsche anzunehmen. Rustemeyer: „Mitarbeiter und viele ehrenamtliche Helfer nähen zurzeit Kittel und Mundschutz. Das ist einfach klasse!“

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