Karl-Heinz Kasting (81) aus Stemwede führt Kartoffelhandel in dritter Generation
Ein Leben für „Cilena“ und „Belana“

Stemwede (WB). Kartoffeln, so weit das Auge reicht: Betritt man die Diele von Karl-Heinz Kasting in Haldem, kann man dort unzählige der Erdäpfel sehen. Der Kartoffelverkauf im Bauernhaus, das direkt im Herzen Haldems nahe der Heilig-Kreuz-Kapelle liegt, hat lange Tradition.

Samstag, 07.11.2020, 03:23 Uhr aktualisiert: 07.11.2020, 03:30 Uhr
Kartoffeln sind seit jeher sein Leben: Karl-Heinz Kasting in seiner Kartoffeldiele. Seine Frau Jutta Kasting weiß genau, welche Sorten gut schmecken und wofür sie sich verarbeiten lassen. Sie gibt ihr Wissen gerne an die Kunden weiter. Foto: Heidrun Mühlke

Schon seit nahezu einem Jahrhundert werden hier Früh- sowie Einkellerungskartoffeln verkauft. Kasting selbst macht das in der dritten Generation. „Ich habe den kleinen Landhandel von meinem Vater übernommen, der ihn wiederum von seinem Vater, also meinem Großvater, hat“, erzählt der 81-Jährige. Früher habe man hier auch Schweine und Rinder gezüchtet und gemästet, aber schon immer Kartoffeln verkauft. „Wir setzen seit fast 50 Jahren auf Heidekartoffeln, die wir seither immer von dem gleichen Landwirt aus der Südheide beziehen“, sagt der Haldemer.

Wie in alten Zeiten

Besucher mögen sich im Haldemer Hof zurückversetzt fühlen in frühere Zeiten. An den Wänden hängen von Hand beschriftete Pappen mit Hinweisen, beispielsweise wie die Kartoffeln zu lagern sind: dunkel, kühl, bei etwa sechs bis sieben Grad, dann bekämen sie keine Keime und hielten sich über den ganzen Winter, sagt Karl-Heinz Kasting. „Bloß kein Frost! Bekommen Sie Frost ab, sind sie hin“, erklärt der Fachmann.

Lichtscheu seien die Knollen ebenfalls. „Bekommen sie zu viel, werden sie grün“, sagt er. Aber auch, wenn sie eine grüne Stelle hätten, könne man sie noch verwerten. „Richtig dick schälen“, lautet ein Tipp seiner Frau Jutta Kasting. „Unsere Vorfahren sind fast alle über 90 Jahre geworden. Grüne Kartoffeln haben wir immer dick geschält. Die waren bestimmt nicht giftig, sonst hätten nicht alle Familienmitglieder dieses Alter erreicht.“

Übrigens seien Kartoffeln auch äußerst druckempfindlich. „Man darf sie auf keinen Fall werfen, sonst bekommen sie Druckstellen und beginnen zu faulen. Man muss sie mit zarter Hand vorsichtiger als Äpfel behandeln.“

Vorwiegend festkochende Sorten

Drei verschiedene Sorten hat der Haldemer Händler jährlich im Angebot: die vorwiegend festkochende „Birte“ sowie „Belana“ und „Cilena“, beide festkochende Sorten. „Die Kunden wollen meistens Kartoffeln, in die man mit der Gabel hineinstechen kann und die dann nicht zerfallen“, sagt Jutta Kasting. Bei ihnen kommen die Erdäpfel täglich auf den Tisch. Und da gäbe es große Unterschiede: „Jede Kartoffel schmeckt anders.“

Mit den Jahren habe sich das Kaufverhalten der Menschen verändert, wissen Kastings. „Heute werden Kartoffeln dann gekauft, wenn sie gebraucht werden. Früher war das anders. Im Herbst haben die Leute meist mehrere Säcke gekauft und die Kartoffeln eingekellert.“ Die hätten sich dann bis zum nächsten Sommer gehalten, bis die ersten Frühkartoffeln auf dem Markt waren. Mit dem Pferdefuhrwerk haben Kastings die Säcke damals zu den Kunden gebracht.

Diele bleibt frostfrei

Da Kartoffeln keinen Frost mögen, muss die Diele, wo die Verkaufsware lagert, stets frostfrei gehalten werden – in harten Wintern kein Zuckerschlecken. Die Tore dürfen dann nur ganz kurz geöffnet werden. Und wenn es richtig kalt ist, wird der Raum beheizt. Hitze mögen die Kartoffeln allerdings auch nicht. Ist der Sommer richtig heiß, wird gelüftet. „Spät abends und nachts machen wir dann die Tore auf. An Schlafen ist dann nicht zu denken“, sagt Jutta Kasting.

In diesem Jahr sei die Ernte gut gewesen . „Der Sommer war warm und nicht zu nass. Wenn es viel regnet, gibt es Einbußen,“ erläutert Karl-Heinz Kasting.

Montags, dienstags und mittwochs öffnet er nachmittags den Laden, donnerstags, freitags und samstags immer am Vormittag. Richtige Geschäftszeiten also? „Ach was, wenn ich da bin – und das ist fast immer so – kann man auch Kartoffeln bei mir bekommen“, schmunzelt der 81-Jährige.

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