Durch Corona Verschiebung nach hinten: Endlich kann Konfirmation gefeiert werden
„Mit Zittern auf den Termin geschaut“

Stemwede (WB/weh). „Jetzt hat der Konfirmations-Express Dielingen doch noch sein Ziel erreicht – mit so großer Verspätung“, sagte Michael Beening in seiner Predigt. Der Seelsorger hat in der St. Marien-Kirche in Dielingen sechs Konfirmandinnen und zwölf Konfirmanden des Pfarrbezirks I (Dielingen, Drohne, Stemshorn) konfirmiert.

Freitag, 06.11.2020, 04:18 Uhr aktualisiert: 06.11.2020, 04:20 Uhr
Diese Jugendlichen sind von Pfarrer Micheal Beening in Dielingen konfirmiert worden,. Vorne links Eduard Abrams, ehrenamtlicher Helfer im kirchlichen Unterricht. Foto: Pescht

„Ich habe gerade in der vergangenen Woche mit Zittern und Zagen auf den 1. November geschaut und gehofft und gebetet, dass dieser Konfirmationsgottesdienst gefeiert werden kann. Denn ihr habt lange genug warten müssen“, sagte er den Jugendlichen. In seiner viel beachteten Predigt ging Bee­ning auch sehr nachdenklich auf die Corona-Krise ein.

„Seit dem 19. März waren alle Kirchen geschlossen, alle Gottesdienste wurden abgesagt, Ostern konnte nicht gefeiert werden, die Bollerwagentour unserer Konfirmanden am 1. Mai ist ausgefallen. Umarmungen sind nicht erlaubt, Urlaubspläne haben sich erledigt. Für euch und eure Familien hieß es warten, warten, warten“, umriss der Pfarrer die vergangenen Monate.

„Mieses Virus”

„Wir leben nun mal mit einer Bedrohung, die man weder sehen noch anfassen, weder riechen noch schmecken kann und die trotzdem real ist. Mit Blick auf Gott sagen manche Menschen: ‚Ich kann nur an etwas glauben, was ich sehen und anfassen kann‘. Aber an dieses miese kleine unsichtbare Virus glauben wir trotzdem. Da seht ihr mal, wie viel unsere Glaubensaussagen manchmal wert sind.“

Es sei mit Blick auf die Konfirmation Warten angesagt gewesen, sagte Beening. „Dabei ist es manchen Menschen im Warten der Corona-Zeit viel, viel schlimmer ergangen als euch Konfis mit euren Familien. Die haben nämlich mit großen Belastungen warten müssen: auf die Wiedereröffnung des Kindergartens, der Schule, der Geschäfte, der Restaurants, der Arbeitsstätten, der Grenzen. Warten auf ein Medikament, einen Impfstoff, eine Genesung. Warten auf einen Besuch im Seniorenheim“, betonte der Seelsorger. „Auch Warten darauf, dass wieder Gottesdienste gefeiert würden, dass unsere Orgel wieder spielt, dass Chöre wieder musizieren dürfen, dass die Kinderkirche wieder stattfindet, dass Frauenhilfe und Altenkreis sich wieder treffen dürfen, dass in der Kirche das Singen wieder erlaubt ist und – natürlich – dass wir endlich Konfirmation feiern.“

Frischer Wind

Gott sei Dank sei die Konfirmation noch einen Tag vor den nächsten strengen Hygienebestimmungen möglich gewesen. „Vielleicht ist dieser Tag für euch sogar noch viel wertvoller, weil ihr so lange darauf warten musstet. Denn eins steht doch wohl fest: Euer Warten, mein Warten und das Warten unserer Kirchengemeinde hat sich gelohnt.“

Die Kirchengemeinde Dielingen freue sich auf den frischen Wind, der hier durch die Konfirmanden in Zukunft wehen werde. „Laue Glaubenslüftchen und wenig Begeisterung gibt es schon lange genug“, sagte Beening. „Das kann und soll durch euch anders werden. Ihr seid wichtig – für uns alle, für unsere Gesellschaft, für diese Erde, für Gott und seine Kirche und natürlich auch für eure Eltern und Familien.“

Ehrenamtlicher Unterstützer

Letztere müssten wahrscheinlich so manchen Kloß im Hals herunterschlucken, wenn sie ihre Kinder in schöner Festtagskleidung sähen, die einige sogar zum zweiten Mal kaufen mussten, weil das Outfit vom April schon nicht mehr gepasst habe, sagte der Pfarrer. „Für eure Familien ist dies ein sehr stolzer Augenblick und eine Stunde, in der sie erkennen, dass ihr erwachsener geworden seid und dass sie euch nun immer mehr loslassen und freigeben müssen.“

Ihm gehe es ähnlich, räumte Michael Beening ein: „Edi (ehrenamtlicher Unterstützer beim kirchlichen Unterricht, Anm. der Red.) und ich sind gerührt und auch ein bisschen traurig, weil unsere Konfi-Stunden nun beendet sind. Vor allem aber auch deshalb, weil wir uns über viele Wochen und Monate nicht treffen durften. Und ich hätten so gerne noch ein bisschen mehr Zeit mit euch gehabt. Viele Themen sind noch gar nicht angesprochen worden, viele Fragen noch nicht beantwortet, viele Unklarheiten noch nicht beseitigt.“

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