„Pandemie zeigte, dass Lebensmittel nicht wie selbstverständlich verfügbar sind”
Erntedankfest 2020 macht nachdenklich

Stemwede (hm/weh/RE). In der Dielinger St. Marienkirche wird an diesem Sonntag von 10 Uhr an der Erntedankgottesdienst gefeiert. Eigens für diesen feierlichen Anlass haben die Landwirtschaftlichen Ortsverbände Dielingen und Drohne das Binden einer schönen Erntekrone organisiert. Auf dem Hof von Marc Gülker in Drohne fanden sich dafür 25 Mitstreiter in der Scheune ein, um beim Binden zu helfen.

Samstag, 03.10.2020, 05:00 Uhr
Auch bei diesem Anlass wurde der Corona-Sicherheitsabstand eingehalten: Dielingens Pfarrer Michael Beening (rechts) freute sich über die prächtige Erntekrone. Organisiert hatten das Binden die Landwirtschaftlichen Ortsverbände Dielingen und Drohne. Ungeachtet dieser schönen Aktion haben die Landwirte im Kreis Minden-Lübbecke und darüber hinaus derzeit große Sorgen. Foto: Heidrun Mühlke

Für das Material hatten die Dielinger und Drohner Junglandwirte gesorgt. Und damit niemand hungrig oder durstig die Binde-Aktion wieder verlassen musste gab es Kaltgetränke. Peter Stockmann grillte dazu Würstchen. Die Erntekrone brachten Helfer per Traktor zum Dielinger Gotteshaus, wo sie zum Erntedankgottesdienst den Altarraum ziert.

„Das Erntedankfest ist Gelegenheit für die Bauernfamilien, Dank zu sagen und die Ernte rückblickend zu betrachten“, betont der Vorsitzende des Landwirtschaftlichen Kreisverbandes Minden-Lübbecke, Rainer Meyer, in einer Pressemitteilung des Westfälisch-Lippischen Landwirtschaftsverbandes (WLV).

Hamsterkäufe

„Vielen Menschen wurde in der Pandemie bewusst, dass immer verfügbare Lebensmittel keine Selbstverständlichkeit sind.“ Die Hamsterkäufe im Corona-Lockdown seien allen noch gut im Gedächtnis. Trotz des Pandemiegeschehens hätte aber keiner Sorge haben müssen, nicht satt zu werden, sagt Meyer.

Der WLV zieht die erste Erntebilanz 2020. Demnach haben die Bauern eine Getreide- und Rapsernte eingefahren, die so unterschiedlich ausgefallen sei wie selten. Die Bandbreite wäre sehr groß, je nach den Bodenverhältnissen und örtlichen Niederschlägen. Die Preise seien nicht zufriedenstellend. In der Hauptwachstumszeit, sei es zu trocken gewesen. „Gott sei Dank hatten wir kein drittes Dürrejahr“, sagt Rainer Meyer.

Der Grasaufwuchs fiel nicht so ertragreich aus, da Gras auf Regen angewiesen ist. Meyer: „Die Futtersituation sieht für die Rinder, Schafe und Pferde in vielen Regionen weiter angespannt aus. Das Grundfutter bleibt knapp und teuer, da die Bauern keine Futterreserven mehr hatten. Hinzu kommt, dass die Milchpreise zu niedrig und keineswegs kostendeckend sind.“

Niedrige Kartoffelpreise

Bei den Kartoffeln gehen die Landwirte von einer durchschnittlichen Ernte mit guten Qualitäten aus. Durch die Trockenheit und große Sonneneinstrahlung gab es viele grüne Kartoffeln. Zudem liegen die Preise deutlich niedriger als im Vorjahr.

„Die Maiserträge fallen ganz unterschiedlich aus, abhängig von der Bodengüte und dem Regen“, schildert der Vorsitzende „Ein großes Sorgenkind sei nach wie vor der Wald. Hitze, Trockenheit und Borkenkäferfraß hätten ihm wieder zugesetzt.

Neben Corona macht den Landwirten jetzt auch noch die Afrikanische Schweinepest (ASP) schwer zu schaffen. Diese trifft die Bauern hart, da auch schon vor dem Auftreten von ASP in Deutschland der Schweinepreis zu niedrig gewesen sei. „Hier muss alles getan werden, um das Seuchengeschehen einzudämmen und den Schaden für die Landwirtschaft möglichst gering zu halten“, untermauert Meyer.

Produkte aus dem Ausland?

Die hiesigen Bauern durften in der Pandemie immerhin Wertschätzung erfahren, erzählt der Vorsitzende und erinnert daran, wie unerlässlich eine heimische, flächendeckende Landwirtschaft als hohes Gut der Lebensmittelsicherheit vor Ort sei. Diese müssten gewahrt und agrarpolitische Prioritäten überdacht werden. Wenn der Großteil der Lebensmittel künftig nicht aus dem Ausland kommen solle, müssten die Preise für Milch, Fleisch, Getreide oder Kartoffeln zum Aufwand passen, den die hiesigen Landwirte bei der Erzeugung haben, fordert Meyer.

Der Aufwand werde allerdings durch ständig neue Gesetze, Verordnungen und Regelungen immer größer. „Einseitige Auflagen für die deutschen Landwirte helfen nicht weiter“, erläutert Meyer. „Sie führen zu Wettbewerbsverzerrungen, der Lebensmittelhandel kauft weltweit ein und die Kunden werden nach wie vor hauptsächlich auf den Preis schauen.“ Erforderlich seien deshalb Zukunftskonzepte mit langfristiger Planungs- und Rechtssicherheit, die den Landwirten, vor allem aber der nächsten Generation, Mut machten.

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