Wechselhaftes vom Oppenweher Betriebsstandort – Keeeper hat noch 100 Mitarbeiter
Sulo und Co: bewegte Firmengeschichte

Stemwede (WB). So richtig ist der Schreck von 2019 in Oppenwehe und Umgebung noch nicht überwunden: Der große Firmenkomplex am Postdamm, von der Firma mit den drei „e”, Keeeper, betrieben, hat die Kunststoff-Haushaltswarenproduktion komplett in das Werk nach Polen verlagert.

Samstag, 05.09.2020, 03:16 Uhr aktualisiert: 05.09.2020, 03:20 Uhr
Hier eine frühere Luftaufnahme vom Werk Sulo/OKT. Heute arbeiten hier noch 100 Beschäftigte in Verwaltung und Logistik bei Keeeper.

Etwa 60 Mitarbeiter mussten gehen , die Verwaltung und Logistik durfte bleiben. Was viele Bürger nicht wissen: Immerhin arbeiten in diesen verbliebenen Abteilungen noch 100 Beschäftigte. Für sie gibt es eine Standortsicherung bis Ende 2023. Mitarbeiter berichteten dieser Zeitung, dass Keeeper in diese Oppenweher Sparten sogar noch investiert. Das mache Hoffnung, hieß es.

Unterschiedliche Besitzer

Die großen Firmenhallen und Büros gehören seit Jahrzehnten zum Dorfbild. Erst Möbel-Möller, dann Sulo und OKT und schließlich Keeeper – vier unterschiedliche Namen und unterschiedliche Besitzer, aber immer ein Ort vieler Arbeitsplätze – das verbanden die Oppenweher mit diesem Betrieb.

Auch Dirk Priesmeier, Ortsheimatpfleger und Vorsitzender des Vereins „WIR in Oppenwehe”, hätte sich gewünscht, dass die Produktion von Keeeper im Ort geblieben wäre. Er hat einen Blick in die Geschichte des Firmensitzes geworfen. Als Quelle diente ihm unter anderem die Schrift „Aufbau und Strukturwandel im Altkreis Lübbecke.“

Demnach beschloss 1954 der Oppenweher Gemeinderat, dass sich im bis dahin eher landwirtschaftlich geprägtem Dorf ein Industriebetrieb ansiedeln solle. Das Gebiet am Postdamm wurde ausgewiesen und dessen Erschließung geplant. Amtsdirektor Pollert erhielt den Auftrag, Interessenten anzusprechen und mit ihnen über Ansiedlungskonditionen zu verhandeln.

Konkurrenzkampf

Doch das Vorhaben gestaltete sich zunächst holprig. Die Kreisverwaltung als Aufsichtsbehörde war der Auffassung, dass der ursprünglich geplante Kaufpreis von 1,50 DM pro Quadratmeter beim Verkauf an den Herforder Möbelfabrikanten Möller keinesfalls gesenkt werden dürfe. Die Gemeinde Oppenwehe hatte dieser Firma für 0,40 DM den Zuschlag erteilt. Grund war in Sachen Gewerbeansiedlungen der – bis heute andauernde – Konkurrenzkampf zur niedersächsischen Nachbarschaft: Dortige Kommunen boten auch damals schon viel niedrigere Grundstückskaufpreise an.

So bestand die Gefahr, dass Oppenwehe leer ausgehen würde – deshalb der großzügige „Preisnachlass“. Der heimische Kreis sah in dem günstigen Grundstücksangebot allerdings eine unzulässige Wettbewerbsverzerrung, um Industriebetriebe anzuwerben. Auch der eingeschaltete Innenminister äußerte Bedenken, gab aber schließlich seine Zustimmung.

Eine weitere Hürde war die vom Kreisbauamt geforderte Rodungserlaubnis für das Gelände. Doch diese umging das Forstamt bei der Landwirtschaftskammer in Lübbecke: Die Behörde stellte fest, es handele sich hierbei „nicht um einen Verstoß gegen die Verordnung zum Schutze des Waldes vom 31. März 1950, sondern um Ödland, das nur teilweise bewaldet ist“.

Möbelproduzent scheitert

Und so durfte die Firma Möller ihre Möbelproduktion in Oppenwehe beginnen. Doch sie scheiterte und musste nach kurzer Zeit aufgeben. Zum Glück konnten die Oppenweher im Jahr 1958 das Eisenwerk Streuber & Lohmann aus Herford anlocken. Es übernahm unter dem Firmennamen „Sulo“ zu günstigen Bedingungen zunächst Teile des Industriegeländes und begann nach dem Umbau 1959 bereits mit der Produktion von Haushaltsartikeln aus Kunststoff. Gearbeitet wurde im Drei-Schicht-Betrieb mit sechs Maschinen in Halle I.

Viele Mitarbeiter kamen damals aus anderen Berufen zu Sulo – wegen guter Bezahlung, geregelter Arbeitszeiten und einem vermeintlich sicheren Arbeitsplatz. Wegen der Schichtarbeit war Sulo auch für Nebenerwerbslandwirte interessant.

Die Weiterentwicklung des Werkes verlief erfolgreich: In den Jahren 1961 bis 1971 wurden die Hallen II bis VIII errichtet und ein umfangreiches Sortiment an Kunststoffartikeln für Industrie, Haushalt, Kanalbedarf sowie Zulieferungen für die Auto- und Rasenmäherindustrie produziert.

Exportschlager

Diese Produkte ließen sich auch im Ausland gut verkaufen. Ein weltweiter Exportschlager war das geschätzte, weil zweckdienliche Mülltonnensortiment mit dem rot-weißen Aufdruck „Sulo“.

1971 sorgte das Unternehmen mit einer großen Anschaffung für Aufsehen: Es baute die damals größte Spritzgussmaschine der Welt im Oppenweher Sulo-Werk auf. Die Anlage stellte insbesondere die 240-Liter-Mülltonnen, aber auch spezielle Artikel in der für Zimmer geeigneten Größe her.

Damals gab es einen eigenen Fuhrpark mit bis zu 15 Lastwagen. Ein eigener Werkzeugbau mit bis zu 20 Mitarbeitern schuf weitere Arbeitsplätze. Sulo war auch Ausbildungsbetrieb. Lehrlinge erlernten hier die Berufe Starkstromelektriker, Werkzeugmacher, Maschinenschlosser und Kaufmann. Die Höchstzahl der bei Sulo Beschäftigten belief sich auf etwa 300 Mitarbeiter.

Es gab auch Bedarf an ausländischen Beschäftigten. Deshalb wurde Anfang der 60er Jahre nahe am Betriebsgelände eine eigene Werkssiedlung mit Ein- und Zwei-Familienhäusern errichtet. Die so genannte „Sulo-Siedlung” ist bis heute Teil des Oppenweher Ortsbildes.

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