Jörg Bartel empfiehlt Entzerrung der Schulanfangszeiten
Volle Schulbusse bereiten Sorgen

Stemwede (WB). Das neue Schuljahr hat begonnen – und mit ihm im ländlichen Stemwede auch die Beförderung vieler Schüler per Bus. Was sonst von Eltern und Kindern zwar skeptisch, aber mehr oder weniger stillschweigend hingenommen wird, sorgt wegen des Abstandsgebots in Corona-Zeiten für Ärger: volle Busse. Unter anderem hatten dies betroffene Stemweder Zehntklässler während der Landratskandidaten-Vorstellung am Mittwoch kritisiert (wir berichteten). Entsprechend beunruhigt sind Eltern und auch die Kinder.

Freitag, 04.09.2020, 03:00 Uhr
Volle Schulbusse sind in NRW derzeit die Regel. Die Sorge vor Ansteckung mit dem Corona-Virus ist groß. Foto: dpa

Während der Sitzung des Stemweder Ausschusses für Bildung, Generationen, Sport und Kultur in der Wehdemer Begegnungsstätte machte Jörg Bartel, Fachbereichsleiter in der Gemeindeverwaltung, am Mittwochabend wenig Hoffnung auf eine Verbesserung der Situation. Es sei zwar normal, dass es sich in der Schülerbeförderung zu Schuljahresbeginn immer etwas „knubbele“, sagte Bartel. „Bislang halten sich auch jene Beschwerden, die direkt bei uns in der Gemeindeverwaltung eingehen, noch in Grenzen. Da hatten wir coronabedingt mit mehr gerechnet.“

„1000 zusätzliche Busse“ helfen nicht

Der Fachbereichsleiter wies darauf hin, dass das Land mit Blick auf die Corona-Situation das Finanzierungsprogramm „1000 zusätzliche Schulbusse für NRW“ ins Leben gerufen habe. Dass damit beispielsweise in Stemwede Abhilfe zu schaffen sei, bezweifelte Jörg Bartel erheblich. Der Fachbereichsleiter hatte sich dazu Zahlen besorgt. „Etwa 200 bis 300 Schulbusse fahren derzeit an jedem Schultag im Kreis Minden-Lübbecke. Rechnet man die 1000 zusätzlichen Busse für NRW auf den Mühlenkreis um, würde es in Minden-Lübbecke ganze 18 Fahrzeuge mehr geben. Das entspräche einer Erhöhung von nur 5 Prozent.“ Für Stemwede bedeute dies, dass die Kommune nur 0,7 Busse mehr im morgendlichen Schulbussverkehr zur ersten Stunde bekäme. Da kann sich jeder ausrechnen, dass dieses Förderprogramm das Thema Schulbusse nicht wirklich entspannt“, sagte Bartel. Er sieht noch weitere Hürden. „Für 18 zusätzliche Busse im Mühlenkreis benötigt man mindestens 22 weitere Fahrer. Doch die sind wegen des Mangels an Busfahrern überhaupt nicht vorhanden. Da soll man sich keinen Illusionen hingeben.“

Geld reicht nicht lange

Abgesehen davon hätten neue Busse eine Lieferzeit von etwa anderthalb Jahren, so dass auch deshalb nicht mit einer schnellen Abhilfe zu rechnen sei. Die Mittel des Landes würden für die Einsätze von 1000 Schulbussen ohnehin nur bis nach den Herbstferien reichen.“ Möglichkeiten, um das Problem der übervollen Busse abzumildern, wären – so weit dies möglich sei – das Befördern der Kinder durch Eltern oder die Anreise per Rad.

„Effektiver ist aber die Möglichkeit, dass Schulen darüber nachdenken, die Anfangszeiten zu entzerren“, sagte Bartel. Das Problem sei, dass die Busse alle zur ersten Stunde fahren müssten. Wenn Schulen sich entscheiden könnten, die Anfangszeiten organisatorisch zu strecken, sei eine Entspannung im Schulbusverkehr möglich. „Beispielsweise könnte die Hälfte der Schüler zur ersten und die andere Hälfte zur dritten Stunde anfangen“, sagte Bartel auf Nachfrage des CDU-Ratsherrn Frank Schröder.

Er, Bartel, habe leider auch keine konkrete Lösung parat: „Eine solche kann nur mit allen Beteiligten gemeinsam erarbeitet werden.“

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