Wünsche und Fragen der Stemweder Zehntklässler an drei Landratskandidaten
„Subway in Stemwede – das wäre toll“

Stemwede (WB). Ein „Speed-Dating“ der Stemweder Zehntklässler mit politischen Bewerbern, und dies kurz vor einer Wahl: Damit hat das Wehdemer Life House unter der Regie von Lars Schulz viel Erfahrung. Doch am Mittwoch, bei der Vorstellung der Landratskandidaten Anna Katharina Bölling (CDU), Ingo Ellerkamp (SPD) und Siegfried Gutsche (Grüne) war alles anders. Streng achtete Schulz auf Masken- und Hygienepflicht. Ein direkter Kontakt der Politiker mit den Schülern in den Klassenzimmern war – dank der schon weit vorangeschrittenen Digitalisierung der Stemweder-Berg-Schule – gar nicht erforderlich. Lehrer Michael Niehaus von der Schulleitung organisierte die Technik derart, dass per i-Pad Direktübertragungen in die Klassenzimmer der 101 Zehner-Schüler möglich waren und die Jugendlichen den Kandidaten per Mikrofon Fragen stellen konnten.

Donnerstag, 03.09.2020, 02:00 Uhr
Hohe Sicherheitsvorkehrungen: Statt direkt im Klassenzimmer mit den Schülern zu sprechen, wurde das Speed-Dating mit dem Politikern vom Life House aus digital per Kamera und Live-Schaltung organisiert. Lars Schulz (links) und Heike Hachmann (rechts) mit den Landratskandidaten Anna-Katharina Bölling, Siegfried Gutsche (3.v.l) und Ingo Ellerkamp. Foto: Dieter Wehbrink

Zu Beginn stellte Lars Schulz klar, dass der vierte Landratskandidat, Thomas Röckemann von der AfD, nicht eingeladen worden sei. „Unsere Schüler haben sich entschieden, dass ihre Einrichtung eine Schule ohne Rassismus sein soll“, begründete Schulz diesen Schritt.

Schulleiterin Heike Hachmann stellte den Politikern die Stemweder-Berg-Schule vor. Dann begann auch schon die Übertragung der Vorstellungsrunde in die Klassenzimmer, wobei das Trio hier eher Persönliches von sich gab.

Anna Bölling (40) lebt mit ihrem Mann, zwei Kindern und Hund in Minden. Sie hat Politik und Geschichte studiert und ist seit 2017 Sozialdezernentin beim Landkreis Uelzen (Niedersachsen). Von 2011 bis 2017 war sie Referentin für Gesundheit, Soziales, Frauen, Familie und Kinder, Integration und Europa bei der CDU-Bürgerschaftsfraktion Bremen (Landtag und Stadtbürgerschaft). Bölling beschrieb den Schülern ihre Heimatverbundenheit zum Mühlenkreis: „Ohne Blick auf den Kaiser Wilhelm und ohne die Mentalität der Ostwestfalen würde mir etwas fehlen.“

Siegfried Gutsche (67) aus Lübbecke, beruflich Fachlehrer im Gesundheitswesen, verwies auf seine 30-jährige kommunalpolitische Arbeit, unter anderem als langjähriges Mitglied im Stadtrat Lübbecke. Der Vorsitzende des Lübbecker Ortsverbandes von Bündnis 90/Die Grünen ist Kreistagsmitglied und bezeichnete sich als Gesundheitsexperte. Gutsche sitzt seit 2009 im Verwaltungsrat der Mühlenkreiskliniken und hat einen Sitz im Aufsichtsrat der Auguste-Viktoria-Klinik Bad Oeynhausen. „Die Jugend hier bei uns im Kreis ist für mich das wichtigste Thema überhaupt“, sagte der grüne Kandidat. „Ihr seid unsere Zukunft, wir müssen uns daher noch mehr um gute Kindergärten, Schulen und Ausbildung kümmern.“ Es sei wichtig, die jungen Leute später hier vor Ort zu halten und ein Abwandern zu verhindern. Deshalb fordere er unter anderem eine zweite Fachhochschule im Mühlenkreis, sagte Gutsche. „Wir brauchen allerdings Jugendzentren. Eine Einrichtung wie das Life House um Lars Schulz gehört stärker unterstützt.“

Ingo Ellerkamp (46) ist Baudezernatsleiter bei der Stadt Lübbecke, Vater von drei Töchtern und wohnt mit seiner Familie in Petershagen-Ilse. Er ist langjähriges Mitglied im Rat von Petershagen. Seine politischen Schwerpunkte wolle er unter anderem in den Bereichen Mobilität, Digitalisierung und der Hilfe für benachteiligte Menschen setzen, sagte der SPD-Kandidat.

Anna Katharina Bölling ging als erste in die kurze Fragerunde mit dem Schülern. Was sie denn als erstes machen würde, wenn sie Landrätin werde, wurde sie von einem Zehntklässler gefragt. „Den Verwaltungsapparat des Kreises und dessen Mitarbeiter kennenlernen, außerdem mal mit der Polizei mitfahren, ein Praktikum im Krankenhaus machen und die Bürgermeister aus dem Kreis kennenlernen.“ Sie wolle zudem die Digitalisierung vorantreiben: „Warum muss denn eine Stemweder Familie eigens nach Minden fahren, wenn sie Elterngeld beantragen will?“.

„Wie machen Sie Wahlkampf“, lautete eine weitere Schülerfrage: „Ich rede gern mit vielen Menschen, höre ihnen zu. Doch das geht wegen Corona derzeit nicht wie gewünscht. Daher klingele ich auch viel an Haustüren, um Wahlkampf zu machen.“

Einer der Schüler forderte, es müssten mehr Schulbusse fahren: „Die Busse sind voll, die Schüler müssen oft stehen.“ Es könne nicht sein, dass man in der Schule zu Recht auf Masken und andere Vorsichtsmaßnahmen setze und dann in Bussen so eng nebeneinander stehe, sagte Bölling. Das Land NRW stelle Gelder für zusätzliche Busse bereit.

„Wie kann man das Leben auf dem Land für Jugendliche attraktiver machen?“, wurde Bölling gefragt. Mehr Mobilität für junge Menschen, aber vor allem mehr Digitalisierung– Stichwort schnelles Internet – mache das Dorf attraktiver, sagte die CDU-Kandidatin. Und dann wurde sie noch mit einer Frage beziehungsweise einem Schülerwunsch konfrontiert, der sie – und auch andere Zuhörer – ein wenig schmunzeln ließ. „Wir hätten gern ein Schnellrestaurant, etwa Subway, in Stemwede“, sagte ein Schüler. „Da müsste man mal mit dem Bürgermeister sprechen, ob er dafür eine Immobilie hat“, scherzte Bölling.

https://www.anna-boelling.de

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https://ingo-ellerkamp.de

https://grüne-milk.de

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