Gemeinde Stemwede warnt: „Rasenbewässerung und Pool-Befüllung einstellen”
Hoher Wasserverbrauch bereitet Sorgen

Stemwede (WB). „Aufgrund der derzeitigen anhaltenden Hitze und Trockenheit besteht die akute Gefahr einer Überlastung unserer Wasserwerke in Destel und Dielingen. Ein Versorgungsengpass kann nicht mehr ausgeschlossen werden“. So heißt es in einer Mitteilung, die die Gemeinde Stemwede am Montagabend veröffentlichte. Weiter heißt es darin: „In den vergangenen Tagen stieg der Verbrauch insbesondere in den Abendstunden drastisch an. Daher gilt es nun, den Wasserverbrauch zu senken.“

Mittwoch, 12.08.2020, 05:00 Uhr
Wasserwerker Meik Schwolow, hier ein Archivbild, zeigt ein Frischwasserbecken in Destel. Die Filter in den Wasserwerken Destel und Dielingen kommen derzeit an ihre Grenzen. Die Gemeinde appelliert, sparsam mit Trinkwasser umzugehen. Foto: Dieter Wehbrink

Die Gemeinde Stemwede selbst habe ihren Verbrauch bereits bis auf das Äußerste gesenkt, heißt es weiter. „Jetzt sind Sie, die Einwohnerinnen und Einwohner, gefragt: Bitte gehen Sie zum Wohle aller sparsam und sorgsam mit dem Trinkwasser um.“

Keine Fahrzeugwäsche

Entnahmen für die nachstehenden Zwecke seien ab sofort und bis auf weiteres nicht mehr möglich: zur Befüllung von Pools, oder Planschbecken, zur Gartenbewässerung, Rasensprengung, zur Fahrzeugwäsche, Arbeit mit dem Hochdruckreiniger und sonstigen Reinigungsarbeiten im Freien. Dasselbe Problem hatte Stemwede schon in den extrem trockenen Jahren 2018 und 2019

Diese Zeitung fragte bei Bürgermeister Kai Abruszat nach der aktuellen Situation am Dienstag. „Unser Appell, mit der wertvollen Ressource Trinkwasser umzugehen, zeigt gute Ergebnisse. Für die Besonnenheit und Mithilfe der Bürger bin ich sehr dankbar“, sagte der Verwaltungschef.

Er schilderte das aktuelle Problem: „Im Wasserwerk Dielingen werden an üblichen Sommertagen 2100 Kubikmeter täglich gefördert. Aktuell sind es aber 2700 Kubikmeter. Beim Wasserwerk in Destel werden täglich 1050 Kubikmeter an normalen Sommertagen gefördert, derzeit pumpen wir aber 1500 Kubikmeter täglich in das Versorgungsnetz. Dieses verdeutlicht die Dimension des Trinkwasserverbrauchs, die insbesondere auf Pool-Befüllungen und Gartenbewässerung zurückzuführen ist.“

Im Einzugsgebiet der Förderbrunnen sei zudem die Grundwasserneubildung aufgrund der fehlenden Niederschläge in den Jahren 2018 und 2019 sehr begrenzt.

Sportplätze nicht bewässert

Auch die Gemeinde Stemwede bewässert aktuell den Sportplatz in Haldem nicht. Die Bewässerung des Platzes in Wehdem wurde ebenfalls eingestellt. „Zur Optimierung der Sportplatz-Bewässerung hatte der Rat bereits beschlossen, Beregnungsanlagen zu installieren, die in den Abend- und Nachstunden effektiv und sparsam arbeiten können“, sagte Abruszat. „Die Sportplätze in Dielingen, Oppenwehe und Oppendorf besitzen eigene Brunnen. Eine Wasserentnahme hat hier keinen Einfluss auf die Förderbrunnen der Gemeinde. Deswegen ist auch eine Bewässerung des eigenen Gartens weiterhin möglich, wenn ein eigener Brunnen vorhanden ist.“

„Rat und Verwaltung haben sich in Zusammenhang mit der Trinkwasserversorgung intensiv um zusätzliche Investitionen gekümmert“, betonte der Bürgermeister. „Im Wirtschaftsplan diesen Jahres ist ein Betrag in Höhe von 150.000 Euro eingestellt. Diese Haushaltsmittel wollen wir für die Ermittlung und Umsetzung eines weiteren Brunnenstandortes für das Wasserwerk in Dielingen nutzen.“

Vorgesehen sei im Wirtschaftsplan eine weitere Summe von 500.000 Euro. „Dieser Betrag soll für die Ertüchtigung des Wasserwerks in Dielingen insgesamt eingesetzt werden“, sagte der Bürgermeister. „Bei Umsetzung dieser Maßnahmen, die bereits in Planung sind, erhoffen wir uns eine deutliche Optimierung der Trinkwasserversorgung. Dennoch bleibt jeder aufgerufen, sorgsam und mit Augenmaß seine eigenen Gewohnheiten beim Verbrauch mit Trinkwasser zu überdenken.“

Bundesweit Probleme

Zahlreiche Kommunen in Deutschland stünden derzeit vor der gleichen Herausforderung wie die Gemeinde Stemwede, sagte Abruszat. „In der Gemeinde Lauenau stand am Wochenende überhaupt kein Wasser zur Verfügung. In Borgholzhausen im Kreis Gütersloh wurde vorübergehend des Freibad geschlossen. In Dortmund wird sogar diskutiert, Kleingartenpools zu verbieten.“

Der Appell des Bürgermeisters ist deutlich: „Trinkwasser ist ein aufwendig aufgearbeitetes Lebensmittel und dient zuerst Mensch und Tier.“

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