Der Rat fällt noch kein eindeutiges Votum – Umweltaspekte spielen eine Rolle
Kunstrasen: TuS Dielingen muss warten

Stemwede-Dielingen (WB). „Ich freue mich über die Initiative des TuS Dielingen, dort einen Kunstrasenplatz zu errichten. Dies wird die Stemweder Sportstätten erheblich aufwerten“, betonte Bürgermeister Kai Abruszat in der jüngsten Ratssitzung.

Mittwoch, 06.05.2020, 07:00 Uhr aktualisiert: 06.05.2020, 10:40 Uhr
Können die Spieler des TuS Dielingen (gelbe Trikots) bald auf einem modernen Kunstrasenplatz dem Ball nachlaufen? Diese Frage ist noch nicht beantwortet. Foto: Hendrik Fahrenwald

Doch musste das Gemeindeoberhaupt schon zu Beginn seiner Ausführungen Gegenwind von Hermann Gesenhues (Bündnis 90/Grüne) entgegennehmen: „Dort ist eine Hecke gerodet worden, nicht nur auf den Stock gesetzt. Das ist meines Wissens so nicht gestattet“, entrüstete sich der Umweltschützer über die Aktivitäten der Vereinsmitglieder. Diese seien erfolgt gewesen, noch bevor ein Entschluss über den Bau des neuen Kunstrasenplatzes gefallen sei.

Ärger um eine Hecke

Aufklärung brachte die Vorstellung des Projektes durch die Vertreter des TuS Dielingen und den Vertreter des Planungsbüros: „Die Maßnahme ist mit der Landschaftsbehörde abgesprochen und man hat uns die Unbedenklichkeit zugesichert“, erklärte der TuS-Vorsitzende Wilhelm Beneker. Die Hecke sei tatsächlich extrem zurückgeschnitten worden. Diese Maßnahme sei aber erforderlich, um einen Zaun um das Gelände setzen zu können. „Egal ob Kunstrasen oder nicht: Der Zaun ist erforderlich, damit eine Sanierung gelingen kann. Der Platz sollte nicht frei zugänglich sein“, stellte Beneker klar.

Vertagung auf den 3. Juni

Trotz aller positiver Darstellung konnten sich die Mitglieder des Rates noch nicht zu einem Entschluss für den Bau des Kunstrasenplatzes durchringen. Die Entscheidung wurde auf den 3. Juni vertagt.

Der TuS Dielingen möchte eigentlich die Baumaßnahme bis Ende des Jahres abschließen. „Der Gemeinde entstehen keinerlei Kosten“, sicherten die Vereinsmitglieder – nach Nachfrage der SPD – zu. Abruszat schilderte zudem die Vorteile des Dielinger Kunstrasen-Projektes: Bespielbarkeit über die gesamte Saison, wegfallende Bewässerung sowie Nutzung für alle Stemweder und auch auswärtigen Vereine.

Auch die Erläuterungen des Planers, es werde kein Plastikgranulat verwendet, sondern ein Quarzsand-/Korkgemisch neuester Generation, konnten einige Ratsmitglieder noch nicht überzeugen, obwohl die Vertreter des TuS Dielingen deutlich machten: „Der jetzige Trainingsplatz ist unbespielbar und für uns nicht mehr nutzbar. Der Rasen hat zwei Dürresommer mitgemacht und ist völlig hinfällig“, hieß es aus den Reihen der Vereins-Repräsentanten, denen Rederecht eingeräumt worden war.

Der Platz würde die Infrastruktur unserer Gemeinde aufwerten und sie ergänzen.

Stemwedes Bürgermeister Kai Abruszat

Der Bürgermeister bekundete nochmals seine Sympathie für das Projekt. „Alle fußballspielenden Vereine der Gemeinde haben sich dafür ausgesprochen, trotz der Randlage in Dielingen. Das ist ein total positives Signal“, erklärte er.

Zudem sei heutzutage ein Kunstrasenplatz pro Kommune Standard. „Er würde die Infrastruktur unserer Gemeinde aufwerten und sie ergänzen“, wollte Abruszat eine Entscheidung herbeiführen.

Doch auch die Zusicherung des Vereins, alle für die Pflege und Wartung des Platzes erforderlichen Gerätschaften würden vom Sportverein selbst angeschafft, führten nicht dazu, dass die Kommunalpolitiker bei der Ratssitzung sofort eine Entscheidung treffen wollten.

 

Kommentar

Bei aller Skepsis: Der vom TuS Dielingen gewollte Kunstrasenplatz ist kostenneutral für die Gemeinde und bringt dieser eigentlich nur Vorteile, auch vom Image her.

Junge Fußballer bevorzugen mittlerweile solche Plätze, die unabhängig von der Witterung zur Verfügung stehen und als Alternative zu dem „alten“ Aschenplatz gelten.

Sicher: Sie entsprechen nicht dem Spielgefühl auf echtem Rasen. Die Bewirtschaftung eines „echten“ Rasenplatzes (Bewässerung) ist vor dem Hintergrund des Klimawandels wohl nicht mehr sinnvoll.

Sicherlich muss man den Umweltschutzgedanken berücksichtigen: Bisher gerate von herkömmlichen Kunstrasenplätzen Mikroplastik in die Umwelt, heißt es.

Das soll – laut Experten – bei der neuesten Generation dieser Bodentechnik nicht mehr der Fall sein. Stattdessen setzt man auf Kork der ebenfalls bedrohten Korkeiche. Die Zusicherung, dass die Mengen des zu verwendenden Granulates gering seien, reichte den Stemweder Kritikern nicht aus.

Jetzt verschiebt sich die Entscheidung. Zu hoffen ist, dass der TuS und seine ehrenamtlichen Mitarbeiter jetzt nicht in Zeitnot geraten, denn sie haben sich ja das Jahresende als Zeitpunkt für die Fertigstellung gesetzt. Der Platz ist für den Sport dringend erforderlich.

Michael Nichau

 

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