ZWAR-Gruppe hat viel Spaß bei „Erste Hilfe“ mit Susanne Altvater
„Der Nagel bleibt drin“

Stemwede (WB). Winterpause? Nicht für die Stemweder ZWAR Gruppe („Zwischen Arbeit und Ruhestand“). Die Mitglieder – besonders der Radfahr_Gruppe – wollten ihr Wissen auffrischen. Gemeinsam mit Susanne Altvater vom DRK Wehdem haben sie einen Termin für ein „Erste-Hilfe-Samstag-Nachmittag-Intensiv-Seminar“ ausgemacht. „Unsere Fahrrad-Gruppe muss fit sein, wenn mal ein Unfall passiert“, sagen die Mitglieder „Und 60+ sind wir auch alle.“

Montag, 09.03.2020, 10:03 Uhr aktualisiert: 09.03.2020, 10:06 Uhr
Ernstes Thema, aber mit viel Spaß: Die Mitgluieder der Stemweder ZWAR-Gruppe haben einen Erste-Hilfe-Lehrgang absolviert.

Bei der ersten Frage bleibt Susanne Altvater bereits die Luft weg. Bei fast allen Teilnehmern lag der Termin der letzten Schulung im vergangenen Jahrtausend.

Los ging es mit der Vermittlung von Informationen: „Bei Unfällen auf der Straße muss als erstes die Unfallstelle gesichert werden. Dabei steht die eigene Sicherheit an erster Stelle. Also einen guten Halteplatz suchen. Warnblinke einschalten. Noch im Auto die Warnwesten anziehen. Dann das Warndreieck holen. (Liegt es im Kofferraum unter allen Einkaufskisten?)“, erläuterte Altvater.

Im Ort muss es 50 Meter vor der Unfallstelle aufgestellt werden – nach Möglichkeit aus allen Richtungen. Auf der Autobahn sogar 200 Meter. Dabei geht man hinter der Leitplanke entlang. Dann erst wird der Notruf unter der Nummer 112 abgesetzt, erklärte die DRK-Ausbilderin.

Im Telefongespräch mit der Leitstelle komme als erstes die Frage nach dem Ort. WO? „In der Fremde hilft vielleicht auch das Handy mit dem Standort weiter“, hieß es. „Beim nächsten Stammtisch oder Kaffeetrinken werden wir das üben“, meinte Claudia Schaaf-Gendig.

„Wie viele Personen sind betroffen? Wie schwer sind sie betroffen?“, laute die nächste Frage am Telefon. „Wir gehen tatsächlich nach draußen und bergen Kalle aus dem Auto und lagern ihn auf der Erde. Dabei tut die Rettungsdecke Wunder gegen die Kälte und eine Wolldecke lässt ein wohliges Gefühl aufkommen. Das ist Gold wert“, erläuterte Altvater.

Jeder kam dran, wenn die „Stabile Seitenlage“ für Ohnmächtige und „Schonlagerung mit Beine hoch“ für unsere Bleichgesichter geübt wurde. „Für uns Radler ist es wichtig, einen Helm entfernen zu können. Man kann nur hoffen, dass man dabei nicht allein ist, weil es schwierig ist, den Helm wegzuziehen und den Kopf dabei nicht auf die Erde knallen zu lassen“, erkannten die Teilnehmer der Fahrrad-Gruppe. Bei Motorradhelmen sei das sogar richtig schwierig

Der nächste Punkt war: „Wie gehen wir mit Verletzungen um? Kleine Verbrennungen werden wohldosiert gekühlt. Verätzungen mit Säuren oder Laugen mit viel Wasser körperfern gespült. Bei Augenverletzungen ist der Patient natürlich ‚Blinde Kuh‘ und kein ‚Pirat‘. Das heiß´ es werden dann immer beide Augen verbunden.

Susanne Altvater hatte für viele Situationen herrlich lustige Ausdrücke, deren Bilder den Teilnehmern manches deutlich machten: Bei Verletzungen am Kinn werde etwa der Patient zum Hasen. „Es gibt eine sterile Kompresse auf die Wunde und diese wird dann mit einer Binde fixiert und am Hinterkopf geknotet. Was für herrliche Öhrchen.“ Und ein fieser Gegenstand in Hand oder Fuß? Der Nagel bleibt drin! Nicht wie bei Loriot, wo die Ente draußen bleibt.

„Vati verleiht Flügel!“ sagte Susanne, denn: 90Prozent der Personen, denen man helfen muss, sind Verwandte, Freunde und Kollegen. Selten sind es fremde Personen. Und dann braucht man wirklich diesen Zusatzschub Energie. Denn was folgt, ist Schwerstarbeit:

Wenn etwa der Vater – oder wer auch immer – nicht mehr ansprechbar auf dem Sofa zusammengesackt ist, dann muss er runter auf die harte Erde. „Und dann wird er angesprochen und auf die Atmung gehört. Ist sie nicht regelmäßig, dann ist es höchste Alarmstufe. Es wird kein Puls gesucht und unter diesem Stress auch nicht gefunden. Allein die Atmung reicht, wenn sie unregelmäßig ist oder ganz weg ist. Dann wird um Hilfe gerufen, Haus und Wohnungstür geöffnet und der Notruf 112 abgesetzt“, erläuterte die DRK-Ausbilderin.

Und dann fliegen die Knöpfe von Vaters Hemd – der Oberkörper muss frei sein, „denn bei der Herzdruckmassage muss man das Herz so stark wie eine Zitrone drücken, um das Blut am Zirkulieren zu halten“. „Dazu ‚Atemlos durch die Nacht‘ von Helene Fischer mitsummen, denn so schnell muss der Takt sein, meinte Susanne Altvater.

„Sie hat diese tolle Sprache und intensiven Bilder für uns gehabt. Humorvoll, kraftvoll, herzlich“, lobte Schaaf-Gendig. „Bis der Rettungsdienst kommt, muss man drücken und abwechselnd beatmen. Das ist ganz harte Arbeit. Aber vielleicht ist es auch der wichtigste Tag in unserem Leben: Leben retten“, erläuterte Altvater.

Das DRK Stemwede hat Ende März in Dielingen und Levern Blutspendetermine. Dabei werden alle kulinarisch verpflegt und für die Ersthelfer gibt es Extra-Überraschungen. „Jeder sollte auch einen Organspendeausweis besitzen. Wer sagt: Ich mag das nicht, der kann gern auch Gewebespender sein. Dafür gibt es dann ein Zeitfenster von 72 Stunden. Und es existiert großer Bedarf – etwa an Hornhaut für die Augen – auch für Kinder, die ihr Augenlicht verloren haben“, erläuterte die Expertin..

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