Internexio bedient 21.500 Adressen – Interview mit Geschäftsführer Paul Gummert
Breitband-Ausbau geht flott voran

Stemwede (WB). Das Unternehmen Internexio verlegt Glasfaserkabel im Mühlenkreis, um jene Haushalte mit schnellem Internet zu versorgen, die im Zuge des Masterplans des Kreises Minden-Lübbecke als „unterversorgt” gelten. Über das Projekt wird in Stemwede, wo die Arbeiten begannen, zurzeit viel diskutiert. WB-Redakteur Dieter Wehbrink sprach mit Internexio-Geschäftsführer Paul Gummert.

Freitag, 06.03.2020, 03:00 Uhr aktualisiert: 06.03.2020, 11:04 Uhr
In Stemwede und danach in Rahden haben die Arbeiten von Internexio zur Verlegung der Breitbandkabel begonnen – mit unerwartet schnellem Baufortschritt.

Herr Gummert, Ihre Firma stemmt ein großes Projekt. Die Menschen sehen in Stemwede und in den Nachbarkommunen überall die orangen Kabel aus der Erde kommen. Können Sie uns dazu ein paar Zahlen nennen?

Paul Gummert: In der Tat setzen wir eines der größten Breitbandförderprojekte bundesweit um. Unser Auftrag umfasst die Erschließung von etwa 21.500 Adressen im gesamten Kreisgebiet. Hierfür sind in etwa 1600 Kilometer Trassenbau erforderlich. Die Anzahl der auf der Baustelle Tätigen bewegt sich zwischen 100 und 130 Mitarbeitern. Hinzu kommen im Schnitt acht Mitarbeiter des beauftragten Planungsbüros sowie seit dieser Woche bis zu sieben Glasfasermonteure aus unserem Haus.

Wie läuft es aktuell mit Ihrem angestrebten Zeitplan?

Gummert: Wir liegen aktuell sehr gut in der Zeit. Die Fertigstellung war zum Baubeginn für Juni 2023 geplant. Derzeit gehen wir von einer Fertigstellung im 1. Quartal 2023 aus. Dieses Zwischenergebnis ist einerseits auf einen sehr effizienten Tiefbaufortschritt sowie die sehr partnerschaftliche Zusammenarbeit mit den Bauämtern, Rathäusern sowie dem Kreishaus zurückzuführen. So soll es gerne weitergehen.

In Stemwede war der Beginn der Arbeiten. Wie steht es mit den Hausanschlüssen? Ich hörte, die ersten Kabel liegen schon in den Stemweder Häusern. Können die ersten Kunden bereits mit dem schnellen Internet von Internexio surfen?

Gummert: Die ersten Häuser werden in diesen Tagen an das Leerrohrnetz angebunden. Parallel beginnen unsere Glasfasermonteure mit dem Einbringen der Hauptkabel und Verbindungstrassen. Hieran schließen sich die Arbeiten zur Anbindung der Häuser an das Glasfasernetz an. Sobald diese Verbindungen hergestellt und unsere Netzknoten in Preußisch Oldendorf und Minden-Todtenhausen „erleuchtet“ sind, können die angeschlossenen Kunden über das Gigabitnetz surfen, telefonieren und Fernsehen über eine Internet-IP-Adresse nutzen. Momentan planen wir die Inbetriebnahme des Netzes für April und die Testphase für Mai. In Kürze stehen die ersten Netzkopplungen an das Internet an.

 

Viele Menschen staunen darüber, wie schnell die Verlegung der Kabel selbst zu den abgelegensten Häusern verlief. Wieso ging das bei Ihnen so schnell?

Gummert: Es kommen mehrere Faktoren zusammen. Zum einen erbringt das Planungsbüro einen sehr guten Job bei der Ausführung- und Genehmigungsplanung. Zum anderen arbeitet das Tiefbauunternehmen schlicht und ergreifend sehr zügig und hochwertig. Ideal ist es für uns, wenn die Rohrverbände mit einem Pflug eingebracht werden können. Dies war insbesondere in Stemwede häufig möglich. So können lange Strecken schnell und für den Laien kaum sichtbar realisiert werden. Kann der Pflug nicht benutzt werden, erfolgen in Arbeiten in Handschachtungen oder mit einem Kleinbagger. Die Hausanbindungen von der Grundstücksgrenze bis zur Hauswand werden im Regelfall mit einer so genannten hydraulischen Erdrakete hergestellt – die Oberfläche im (Vor-)Garten wird dadurch nicht beeinträchtigt.

Man hört von den Bürgern, die Arbeiter, die die Kabel verlegen, kämen aus dem Ausland?

Gummert: Das Tiefbauunternehmen ist eine deutsche GmbH, wobei die Verantwortlichen und weite Teile der Belegschaft aus Dänemark stammen. Einzelne Tätigkeiten werden auch an Nachunternehmer aus anderen europäischen Mitgliedsstaaten vergeben – aber auch an deutsche Firmen. Wir sind sehr zufrieden mit der Qualität unseres Auftragnehmers. Wir kennen das Unternehmen bereits aus anderen Bauvorhaben und freuen uns, diese Kompetenz und Qualität in Minden-Lübbecke binden zu können. Gerade in den skandinavischen Länder sowie im Baltikum sind die Glasfaserausbauten im Prinzip abgeschlossen – gleiches gilt zum Beispiel auch für die Niederlande und Bulgarien. Die dort gewonnen Erfahrungen der Unternehmen können wir in Deutschland bei dem gewaltigen Investitionsstau in Sachen Breitband sehr gut gebrauchen.

Gab es bisher auch unerwartete Hindernisse? Im zuständigen Fachausschuss der Gemeinde Stemwede hieß es, Internexio könne an den Bundes- und Landesstraßen nicht weitermachen, weil die zuständigen Behörden nicht schnell genug mit Plänen und Genehmigungen herüber kommen würden. Trifft das zu?

Gummert: Richtig ist, dass wir an der einen oder anderen Stelle auf Genehmigungen an Landes- oder Bundesstraßen warten mussten. Dies stellte aber kein unerwartetes Hindernis dar. Wir haben schließlich drei Tage nach Zugang des finalen Förderbescheids begonnen zu bauen – zügiger geht es nicht. Dass dann Wegerechte und Genehmigungen von Landes- und Bundesbehörden nicht vollständig ereilt sind, liegt in der Natur der Sache. Unerwartete Hindernisse sind uns bisher aber nicht begegnet.

Es hieß außerdem in der Sitzung, viele Bürger hätten die Info-Post von Internexio fälschlicherweise als Werbung abgetan und sie versehentlich entsorgt. Stimmt das?

Gummert: Ich kann dies nicht ausschließen. Wir haben uns bewusst für eine Postkarte als Informationsmedium entschieden, um die „Wegwerfgefahr“ so gering wie möglich zu halten. Wir nehmen diese Erfahrung aber auf und diskutieren gerade mit den Kommunen Verbesserungsmöglichkeiten. An diejenigen, die die Postkarte entsorgt haben, darf ich appellieren, sich möglichst schnell bei uns zu melden. Noch können wir in Stemwede reagieren, da die Tiefbauer noch in der Nähe sind.

Welche Maßnahmen haben Sie ergriffen, um die Bürger doch zu informieren?

Gummert: Die Information per Postkarte ist ein Kompromiss aus einer ziemlich merkwürdigen Ausgangslage. Uns sind die Adressen der unterversorgten Haushalte bekannt – aus Gründen des Datenschutzes jedoch nicht die Namen der dort gemeldeten Bürgerinnen und Bürger. Eine persönliche Ansprache entfällt somit wegen tatsächlicher Unmöglichkeit. Eine flächendeckende Bewerbung unseres Netzes führt aber auch nicht zum Ziel, da bedauerlicherweise nur ein Bruchteil der Haushalte durch uns angebunden werden darf. Was wir nach dem Ablauf der Vermarktungszeit sehr aktiv unternehmen, ist eine Nachverdichtung durch das persönliche Besuchen derjenigen Haushalte, von denen wir keine Rückmeldung erhalten haben. Daneben bereiten wir eine Informationsseite auf www.internexio.de vor, bei der wir die Vermarktungszeiträume veröffentlichen werden. Wir haben außerdem Vorschläge zur Optimierung der Kundenansprache erarbeitet, die wir mit den Kommunen im Kreis Minden Lübbecke besprechen.

Ein heikles Thema ist die Unzufriedenheit vieler Bürger darüber, dass ihr Haus laut Untersuchung angeblich mit guten Internetgeschwindigkeiten versorgt sei und sie deshalb nicht im Masterplan berücksichtigt wurden. Der Nachbar bekommt Glasfaser und das nur wenige Meter entfernte eigene Haus nicht. Können Sie den nicht berücksichtigten Haushalten nachträglich ein Anschluss-Angebot machen?

Gummert: Diese Unzufriedenheit teile ich vollumfänglich! Zur Entstehung des Masterplans kann ich nichts sagen – gleichwohl erleben meine Mitarbeiter täglich dutzendfach die angesprochene Situation. Das Ergebnis des Masterplans entspricht zumindest an den Grenzen des Fördergebiets nicht den realen Gegebenheiten. Festzuhalten ist aber auch, dass in dieser Fördermaßnahme keine grundlegende Änderung des Gebietszuschnitts möglich ist. Dies ist weder eine Entscheidung von Internexio noch des Kreises oder der Kommunen. Allein entscheidend sind die Vorgaben des Fördermittelgebers. Internexio hat gegenüber den kreisangehörigen Kommunen und der Kreisverwaltung konzeptionelle Ansätze für eine Vollversorgung des Kreisgebiets vorgelegt. Unser Fokus liegt derzeit ganz klar zunächst auf der Erfüllung des uns erteilten Auftrages für die unterversorgten Haushalte. Wenn sich eine Option zum weiteren Ausbau ergibt, bringen wir unsere Kompetenzen ein.

Das wird dann aber erheblich teurer für nachträglich anzuschließende Haushalte, oder?

Gummert: Das weiß ich nicht. Es kommt natürlich elementar auf den gewählten Lösungsweg an. Mein Ziel wäre immer eine Gleichbehandlung aller Haushalte. Ob dies umsetzbar ist, wird sich zeigen – ich kann es mir aber grundsätzlich vorstellen.

Wann wird Ihr Unternehmen spätestens den letzten Haushalt im Zuge des Masterplans angeschlossen haben?

Gummert: Dies wird spätestens im März 2023 der Fall sein.

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