Alter des Wirts und hohe Investitionen vor einer Konzessionsverlängerung sind Gründe
Gasthaus Reddehase schließt Ende Mai

Stemwede (WB). In Stemwede schließt demnächst ein weiteres Gasthaus seine Pforten: Am 31. Mai wird der Schlüssel im traditionsreichen Gasthaus Reddehase an der L 770 in Levern umgedreht. Im Gespräch mit dieser Zeitung erläuterte Betreiber Achim Reddehase die Gründe für diesen Entschluss.

Dienstag, 03.03.2020, 02:00 Uhr aktualisiert: 03.03.2020, 10:10 Uhr
Ein bekanntes Gebäude an der viel befahrenen L 770 und stet ein Ort vieler Veranstaltungen: Das Gasthaus Reddehase hat auch ein Stück der jüngeren Leverer Dorfgeschichte mitgeschrieben. Am 31. Mai wird es geschlossen. Ein Schritt, der Gastwirt Achim Reddehase (62) nicht leicht fällt. Foto: Dieter Wehbrink

„Ich bin schon 62 Jahre alt. Und einen Nachfolger aus der Familie gibt es nicht“, sagte der Gastronom. „Hinzu kommt ein Problem: Nach dem Tod meiner Mutter Hanna, die im vergangenen Jahr starb, wäre eine Konzessionsverlängerung für unseren Betrieb notwendig gewesen. Dafür hätten aber teure Investitionen angestanden. Das habe ich mit Blick auf mein Alter nicht mehr als vernünftig angesehen.“

Betrieb läuft bis 31. Mai weiter

Bis zum 31. Mai läuft der Betrieb des Gasthauses samt Bäckerei und dem Essen-auf-Rädern-Angebot noch uneingeschränkt weiter. „Aber danach ist endgültig Schluss“, sagt Reddehase.

Ihm fällt dieser Schritt trotz aller rationaler Abwägungen sichtlich schwer – das zeigte er im Gespräch mit dieser Zeitung. Kein Wunder, denn die Anfänge des Gasthauses gehen auf das Jahr 1865 zurück. Seit dieser Zeit setzte die Schankwirtschaft immer wieder Akzente in der Region. „Zur Zeit der Königreiche Preußen und Hannover wurden hier, kurz vor der Zollstation in Sundern, die Kutschpferde aus- und eingespannt“, weiß Achim Reddehase. „Hier stand auch lange Zeit die Viehwaage von Levern, und vermutlich gab es bei uns im Haus einen der ersten Telefonanschlüsse im Ort.“

Früher Standort des TÜV

Bis 1973 hatte der TÜV seinen regelmäßigen Standort am Gasthaus. Bis zu diesem Zeitpunkt vergaben die Prüfer hier die Plaketten für Autos. Traktoren nahm der TÜV sogar noch bis in die 80er Jahre hinein ab.

1932 brannte die damalige Gaststätte, seinerzeit noch ein Fachwerkgebäude, ab. Danach entstand das heutige bekannte Klinker-Gebäude, dessen großer Saal viele Veranstaltungen im Ort ermöglichte: von Familienfeiern bis hin zu Vereinsveranstaltungen, Ratssitzungen, „Essen nach Art der alten Ritter“ und auch Rassehunde-Ausstellungen.

Sehr bekannt ist das Haus Reddehase auch durch seine Bäckerei geworden. Achims bereits verstorbener Vater Ewald hatte 1955 die Meisterprüfung im Bäckerhandwerk abgelegt, und auch sein Sohn backt noch bis heute. Achim Reddehase betrachtet die Entwicklung im Bäckerhandwerk allerdings mit Wehmut. „Wir hatten in Stemwede mal 30 Bäckereien. Heute gibt es nur noch zwei.“

Kuchen an den Mühlentagen

Die Backwaren von Reddehase waren auch deshalb weithin bekannt, weil sein Kuchen während der Leverner Mühlentage frisch gebacken wurde und jedes Mal ein Renner bei den vielen tausend Mühlenbesuchern ist.

Eine weitere Spezialität des Hauses ist der Pickert. Sowohl im Saal, aber vor allem während des Leverner Weihnachtsmarktes im Reddehases stets rappelvollen Pickertzelt wurde diese heimische und stark nachgefragte Spezialität angeboten.

Bekannt für Pickert

Seit 30 Jahren war die Gastwirtschaft Reddehase auch jedes Mal mit dem Marktcafé beim Leverner Markt vertreten. Im Wirtshaus an der L 770 saßen derweil die Stammgäste an der Theke, auch wenn die Bedeutung einer so genannten Tages-Kneipe – wie überall in der Region – abgenommen hat.

Das Haus Reddehase war in den vergangenen Jahren auch zum „Stammlokal“ von Sunderner Vereinen geworden. Menschen und Vereine aus dem Leverner Nachbardorf, das selbst seit Jahren kein eigenes Wirtshaus mehr hat, waren hier, unweit der eigenen Ortsgrenze, immer gern zu Gast.

Das alles gibt es im Hause Reddehase aber nur noch bis zum 31. Mai, und dann wird es Achim Reddehase bestimmt sehr schwer fallen, am Abend dieses Tages den Schlüssel endgültig umzudrehen . . .

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