Bürgermeister schlägt Werbung, finanzielle Förderungen und „Arztlotsen” vor
Ärztemangel bereitet Stemwede Sorgen

Stemwede (WB). Rein zahlenmäßig müsste sich Stemwede mit Blick auf die hausärztliche Versorgung im Moment noch keine Sorgen machen. Doch schon bald könnte sich ein ganz anderes Bild ergeben – nämlich eine Unterversorgung der Gemeinde. Aus diesem Grund hat Bürgermeister Kai Abruszat für die nächste Gemeinderatssitzung am 19. Februar umfangreiche Zahlen ermittelt.

Donnerstag, 06.02.2020, 06:00 Uhr
51,4 Prozent der Ärzte aus dem Mittelbereich Espelkamp sind älter als 60 Jahre. Deshalb könnte sich das Problem bald verschärfen. Foto: dpa

Zuständig für die Hausarzt-Versorgung sind allerdings nicht die Kommunen, sondern die Kassenärztliche Vereinigung Westfalen-Lippe (KVWL). Trotzdem sehen Kai Abruszat und die Ratsvertreter die mittelfristige Entwicklung in Stemwede mit Sorge. Der Bürgermeister wird dem Rat deshalb einige von ihm ausgearbeitete Vorschläge präsentieren.

„Mittelbereich Espelkamp“

Stemwede bildet nach Einteilung der Kassenärztlichen Vereinigung gemeinsam mit Rahden und Espelkamp den so genannten „Mittelbereich Espelkamp“. Dieser umfasst 53.237 Einwohner. Der Versorgungsgrad beträgt aktuell 105,3 Prozent. Der Mittelbereich Espelkamp verzeichnet 35 Ärzte für die hausärztliche Versorgung. Davon befinden sich 13 in Espelkamp, 11 in Rahden und 11 in Stemwede. Im Jahr 2019 hatte eine Praxis der hausärztlichen Versorgung in Stemwede (Bußmann) geschlossen. Sie wird aber noch mindestens sechs Monate nach Schließung der Praxis als „weitergeführt“ registriert und taucht deshalb in der vorgenannten Ärztezahl „11“ noch auf.

„Die KVWL hat mitgeteilt, dass der Mittelbereich Espelkamp (inklusive Stemwede) aufgrund des Versorgungsgrads von rund 105 Prozent als so genannter ‚überversorgter Planungsbereich‘ anzusehen ist“, schreibt Kai Abruszat in den Erläuterungen zur Ratssitzung. „Der Mittelbereich Espelkamp ist deshalb für zusätzliche Niederlassungen oder Anstellungen nach Mitteilungen der KVWL gesperrt.“

Mittelfristig aktueller Handlungsbedarf

Zum Vergleich die Versorgungsgrade im Kreis Minden-Lübbecke: Mittelbereich Bad Oeynhausen 102 Prozent; Mittelbereich Lübbecke 98,7 Prozent; Mittelbereich Minden 110,7 Prozent, Mittelbereich Porta Westfalica 93,2 Prozente; Mittelbereich Petershagen 82,4 Prozent. „Zwar wird ersichtlich, dass aus Sicht der KVWL für Espelkamp/Rahden/Stemwede eine derzeit hinreichende Versorgung gegeben ist“, sagt Abruszat. Er warnt aber: „51,4 Prozent der Ärzte aus dem Mittelbereich Espelkamp sind älter als 60 Jahre. Dieses zeigt auf, dass mittelfristig aktueller Handlungsbedarf besteht.“

Die Vorschläge des Bürgermeisters:

Der Bürgermeister wird dem Rat am 19. Februar (17 Uhr Beginn im neuen Leverner Feuerwehrgerätehaus) folgende Lösungen präsentieren:

1. Aus Sicht der Verwaltung ist es sinnvoll, den attraktiven Standort Stemwede in wichtigen Fachzeitschriften des Arztberufs vorzustellen und zu bewerben. Eine entsprechende Anzeigenschaltung, die zusätzlich mehrere Wochen im Internet steht, sollte die Vorzüge der Gemeinde als idealer Lebensraum für die Bereiche „Wohnen/Arbeiten/Natur/Freizeit“ beinhalten.

2. Die Verwaltung hat sich die Domain „www.hausarzt-werden-in-stemwede.de“gesichert. Sie will dort Finanzierungs- und Fördermöglichkeiten, Hilfe bei Wohnungssuche und Eigentumserwerb und Kinderbetreuungsmöglichkeiten bewerben sowie Hilfe bei der Jobsuche des jeweiligen Partners integrieren.

3. Ein so genannter „Arztlotse“, angestellt in der Gemeindeverwaltung, könnte bereits ausgebildete medizinische Fachkräfte bei ersten Schritten in die Selbstständigkeit betreuen sowie bei Problemlösungen zur Verfügung stehen. „Dies könnten Probleme sein, die bei der Organisation/Abrechnung von Leistungen sowie bei der Integration eines Praxisbetriebes für gewöhnlich auftreten“, schreibt Abruszat. „Zugleich könnte der Arztlotse als Ansprechpartner für Studierende des Fachs Medizin fungieren und Kontakte zu Studierenden aufnehmen, die sich im Wege des Kooperationsmodells zwischen der Universität Bochum und dem Klinikum Minden bereits in der Region aufhalten.“ Auch weitere Unterstützungen seitens des Arztlotsen seien denkbar.

4. Ein Sonderförderprogramm der Gemeinde zur Niederlassung von Hausärzten sei vorstellbar, beispielsweise mit einer einmaligen Zahlung von 25.000 Euro und einem zinslosen Kredit bis 75.000 Euro – hilfreich etwa bei der Ko-Finanzierung einer Praxiseinrichtung oder eines Fortbildungsprogramms. Einzelheiten einer Förderstruktur seien aber mit den Aufsichtsbehörden und natürlich mit dem Rat abzustimmen, schreibt Abruszat. „Die genannten Initiativen erheben keinen Anspruch auf Vollständigkeit und sind modular erweiterbar“, betont der Bürgermeister.

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