Ex-Ministerpräsidentin zeichnet Gabriele Detert für 50-jährige SPD-Mitgliedschaft aus
Hannelore Kraft ehrt Urlaubsfreundin in Stemwede

Stemwede (WB). Öffentliche Auftritte von Hannelore Kraft (58) sind selten geworden. Am Freitagabend aber nimmt die ehemalige NRW-Ministerpräsidentin doch noch einmal einen Termin für ihre Partei wahr. Und dafür nimmt die Mülheimerin eine weiten Weg in Kauf. Nach Stemwede im Kreis Minden-Lübbecke ist sie gekommen, ganz im Norden von NRW. Der Termin ist eine Herzensangelegenheit: Kraft ehrt ihre Urlaubsfreundin Gabriela Detert für 50 Jahre Mitgliedschaft in der SPD.

Montag, 03.02.2020, 02:32 Uhr aktualisiert: 03.02.2020, 07:16 Uhr
Hannelore Kraft (rechts) mit Jubilarin Gabriela Detert, die sie im Urlaub im Sauerland kennengelernt hat. Auch Jonas Schröder, Vorsitzender der SPD in Stemwede, freute sich über den Besuch der ehemaligen NRW-Ministerpräsidentin. Foto: Michael Nichau

„Mir geht’s gut“, sagt Kraft. Seit ihrem Rücktritt aus fast allen politischen Ämtern im Jahr 2017 hat sich die ehemalige SPD-Landesvorsitzende und stellvertretende Bundesvorsitzende in der Öffentlichkeit rar gemacht. „Ich bin aber noch nicht im Ruhestand“, sagt die 1961 geborene Sozialdemokratin. „Ich bin nach wie vor in meinen Wahlkreis tätig und das macht mir auch Spaß, wie auch mein NRW-Landtagsmandat, das ich bisher nicht abgegeben habe“, sagt sie im Gespräch mit dem WESTFALEN-BLATT. „Ich habe jetzt mehr Zeit für meine Familie und mache gern Rundgänge mit meinem Hund.“

Doch der Ruhestand rückt näher: „Am Ende dieser Legislaturperiode ist Schluss. Dann trete ich nicht wieder zur Landtagswahl an“, sagt die aus Mühlheim an der Ruhr stammende Politikerin. Sie wolle sich aber weiter nicht zur aktuellen politischen Situation, zur Nachfolgeregierung in Düsseldorf oder zur neuen SPD-Doppelspitze äußern. „Das macht man nicht. Man lässt seine Nachfolger gewähren, ohne zu kritisieren“, sagt sie in lockerem Ton.

„Ich halte mich aus der Öffentlichkeit raus“

Sieben Jahre lang, von Juli 2010 bis Juni 2017, war Kraft Ministerpräsidentin des Landes Nordrhein-Westfalen. Auf dem Höhepunkt ihrer Beliebtheit wurde sie gar als mögliche Kanzlerkandidatin ihrer Partei gehandelt, bis sie selbst im Jahr 2013 alle Spekulationen beendete: Sie werde „nie, nie als Kanzlerkandidatin antreten.” Am 14. Mai 2017 dann folgte die unerwartete Wahlniederlage: Mit 31,2 Prozent musste sich die SPD der CDU des heutigen Ministerpräsidenten Armin Laschet geschlagen geben. Im Landtag ist Kraft noch immer vertreten. Im Sportausschuss ist sie ordentliches Mitglied, als stellvertretendes Mitglied gehört sie der Kommission zur Wahrnehmung der Belange der Kinder an.

In der politischen Diskussion meldete sie sich kaum mehr zu Wort. Sie habe ihre Konten bei Facebook und Twitter gekündigt. „Das bereue ich nicht. Ich muss mich über solche Kanäle nicht beleidigen lassen, wie das geschehen ist”, berichtete Kraft. „Ich halte mich aus der Öffentlichkeit raus, mache aber gern Jubilarehrungen wie diese in Stemwede.“

Nach Ostwestfalen sei sie wegen ihrer Freundin Gabriela Detert aus Stemwede gekommen. Diese hatte die Ministerpräsidentin („im Trainingsanzug“) kennengelernt. die sie vor etwa acht Jahren im Urlaub im Sauerland in der Nähe des Sorpesees kennengelernt habe. Seither treffen sie sich dort jedes Jahr. Im Sauerland macht auch Hannelore Kraft seit 18 Jahren Sommerurlaub.

„Wir müssen wieder mehr Stimmen holen“

Klar, dass die beiden Sozialdemokratinnen dort auch immer politische Diskussionen führten „Diskussionen sind auch Teil der Sozialdemokratie, seit sie Volkspartei geworden ist“, sagte Kraft in ihrer Ehrungsrede. Und dies sei auch der Grund, warum die Partei immer wieder Meinungsverschiedenheiten zwischen linkem und rechtem Flügel austrage. Mit dieser Aussage war aber schon Schluss mit Äußerungen über den Zustand ihrer Partei.

„Ich habe eine Wahl verloren und die Konsequenzen daraus gezogen“, erklärte sie über ihren Rückzug aus der großen Politik. „Es war für mich eine großartige Zeit“, sagte sie über ihr Amt als Ministerpräsidentin. Sie stimmte den kleinen Stemweder SPD-Ortsverein auf die Wahl ein: „Wir müssen wieder mehr Stimmen holen. Wir müssen junge Mitglieder werben und dafür sorgen, das es gerechter für die Menschen zugeht.“

Klar bezog sie Stellung gegen die AfD: „In dieser Zeit, in der sich die AfD breit macht, müssen wir kämpfen, da muss die SPD da sein. Da sind Menschen, die wollen das demokratische System mit demokratischen Mittel aushebeln.“

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