Interview mit Matthias Spreen: „6000 Menschen sind jährlich im Schießsportzentrum“ Nur Dortmund hält mit Oppenwehe mit

Stemwede (WB). Die Entscheidung ist gefallen: Die Gemeinde Stemwede will das in die Jahre gekommene Oppenweher Schießsportzentrum für 285.000 Euro – aufgeteilt auf drei Jahre – sanieren. Am Montag überbrachte die Regierungspräsidentin Judith Pirscher einen Förderbescheid des Landes in Höhe von 184.728 Euro (wir berichteten). Über den Umbau sprach WB-Redakteur Dieter Wehbrink mit Matthias Spreen, dem Vorsitzenden des Schützenvereins Oppenwehe.

Matthias Spreen, hier an einer Anlage im Schießsportzentrum, freut sich als Vorsitzender der Oppenweher Schützen, dass die überregional bedeutsame Einrichtung saniert wird. Die Oppenweher Schützen haben hier ihre Heimstatt.
Matthias Spreen, hier an einer Anlage im Schießsportzentrum, freut sich als Vorsitzender der Oppenweher Schützen, dass die überregional bedeutsame Einrichtung saniert wird. Die Oppenweher Schützen haben hier ihre Heimstatt.

Herr Spreen, der Zuschuss vom Land NRW ist ja nicht ohne Grund gewährt worden. Erklären Sie unseren Lesern doch mal, welche überregionale Bedeutung die Oppenweher Anlage hat.

Matthias Spreen: Gut, dass Sie diese Frage stellen und mir dadurch die Gelegenheit geben, die Öffentlichkeit zu informieren. Man muss wissen, dass die Infrastruktur unserer Einrichtung in Nordrhein-Westfalen nur noch in der Metropole Dortmund vorzufinden ist. Auch wegen des Landesleistungsstützpunktes ist unser Oppenwehe auf der Landkarte kein Kleinkleckersdorf.

Können Sie das auch mit Zahlen untermauern?

Spreen: Unser Stützpunkt wird jährlich im Schnitt etwa 6000 Mal von Menschen aufgesucht, die hier ihren Sport betreiben – sei es als Wettkampfteilnehmer oder auch als Traditionsschützen. Nehmen Sie zudem die Zahl der Stände, die wir anbieten. Hat ein normaler Schützenverein auf seiner Anlage etwa vier bis sechs elektronische Auswertungsanlagen, kann unser Schießsportzentrum mit 21 Bahnen für Luftgewehr und Kleinkaliber aufwarten. Hinzu kommen 20 Pistolen-Stände. Deshalb wird auch jedes Jahr in Oppenwehe der Länder-Wettkampf in der Disziplin Laufende Scheibe ausgetragen – mit Teilnehmern aus Bayern, Thüringen, Hessen und NRW. Außerdem betreibt unser Schützenverein Oppenwehe – er ist einer der mitgliederstärksten in Stemwede – seinen Schießsport auf der Anlage und hat hier seine Heimstatt.

In den Stemweder Fachausschüssen war häufiger die Rede davon, dass der Landesleistungsstützpunkt auch für die Jugendarbeit sehr wichtig sei. Können Sie dies erläutern?

Spreen: Unsere Einrichtung hat den offiziellen Status der Talentinsel. Das bedeutet: Bei uns trainieren jugendliche Schützen, aber auch Kinder (mit dem Lasergewehr), die nicht nur aus Oppenwehe, sondern auch aus den umliegenden Kommunen kommen. Sie bringen ihre erfahrenen Übungsleiter aus den eigenen Vereinen mit. Diese Möglichkeit der Jugendförderung wird von unseren befreundeten Vereinen sehr geschätzt.

Dürfen dort nur Kinder und Jugendliche schießen, die einem Verein angehören?

Spreen: Natürlich nicht. Talentinsel heißt ‚Suchen und fördern‘. Wir laden alle Kinder und Jugendlichen, die sich für den Schießsport interessieren, zum Hereinschnuppern ein. Der nächste Termin ist am 29. Februar. Interessenten können sich bei Eckhard Seeker, Telefon 05776/797, melden. Er gibt weitere Informationen und sorgt für die Verpflegung der Teilnehmer.

Wo sind denn im und am Gebäude die größten Schwachstellen, die in Angriff genommen müssen?

Spreen: Nachdem die Mitglieder des Schützenvereins Oppenwehe vor drei Jahren bereits die Toiletten- und Sanitäranlagen in Eigenleistung einschließlich des Einbaus eines Behinderten-WC’s vorgenommen haben, liegt der Schwerpunkt jetzt auf Inklusion. Wir wollen jeden Eingang rollstuhlgerecht gestalten und den Zugang zu den Ständen mit einer so genannten Scherenbühne ausstatten. Dadurch wird ermöglicht, dass Gehbehinderte und Rollstuhlfahrer problemlos Zugang erhalten und weiterhin ihren Sport ausüben können. Gerade sie sind uns sehr willkommen. Zudem muss unbedingt energetisch etwas getan werden. Die Dämmung in dem Gebäude aus 1972, die alten Fenster sowie Tore sind natürlich absolut nicht mehr zeitgemäß. Sie verursachen der Gemeinde Stemwede hohe Energiekosten.

Ihr Verein feiert im Mai sein 100jähriges Jubiläum. Da wird auch das Schießsportzentrum im Mittelpunkt stehen. Können bis zu diesem Zeitpunkt überhaupt noch Arbeiten erfolgen?

Spreen: Wir planen, dass wir zeitnah zumindest die Außenfassade erneuern, an der der Putz bröckelt und aufsteigende Feuchtigkeit Spuren hinterlassen hat. Im Jahr 2022 wird das Schießsportzentrum 50 Jahre alt. Wir hoffen, dass bis dahin alle Maßnahmen durchgeführt werden konnten.

Wird der Schützenverein Oppenwehe wieder Eigenleistung einbringen?

Spreen: Ja, auf jeden Fall. In Abstimmung mit dem Planungsbüro Depenbrock wollen wir festlegen, welche Arbeiten wir in Eigenleistung erledigen dürfen. Hier gibt es Vorschriften: Viele Arbeiten müssen aus haftungsrechtlichen Gründen zwingend von Fachbetrieben ausgeführt werden.

Sind Sie erleichtert über die Entscheidung der Gemeinde, die ja immerhin ein beträchtliches Sümmchen Steuergelder in die Hand nehmen muss?

Spreen: Die Mitglieder unseres Vereins und ich freuen uns sehr über diesen Beschluss und bedanken uns beim Bürgermeister, Rat und Verwaltung dafür. Wir wissen selbstverständlich, dass die Entscheidung, so ein großes Gebäude zu sanieren und weiter zu unterhalten, nicht einfach für die Gemeinde war.

Nicht alle Politiker waren mit der Entscheidung einverstanden. Die Grünen mit Hermannn Gesenhues an der Spitze lehnen das Vorhaben ab. Die Gemeinde solle sich völlig aus dem Schießsport zurückziehen, sagte Gesenhues. Wie haben Sie seine Äußerung empfunden?

Spreen: Ich war auf der Ausschusssitzung anwesend und respektiere seine Meinung. Aber: Die Gemeinde hat sich schon aus dem Schießsport zurückgezogen, weil sie das Eigentum an den Schützenhallen an die Vereine übertragen hat. Übrig geblieben ist nur das Schießsportzentrum in Oppenwehe. Wenn man sieht, welche Bedeutung der Schießsport und das Schützenwesen in Stemwede, im Schützenkreis, Bezirk und Land hat, ist es aus meiner Sicht völlig richtig, dass man zumindest diesen Stützpunkt erhält.

2020 wird für Oppenwehe ein sehr ereignisreiches Jahr. Wie laufen die Vorbereitungen dafür?

Spreen: Da haben sie wirklich recht, es wird sehr ereignisreich: Wir Schützen feiern im Mai unser 100-Jähriges, der Sportverein folgt im September mit dem gleichen Jubiläum. Es wartet also eine Menge Arbeit auf uns. Wir befinden uns schon in der Detailplanung. Ich danke Ihnen für das Interview und nutze dabei die Gelegenheit, alle Bürger für den 17. Mai an die Oppenweher Bockwindmühle einzuladen, um an unseren Jubiläumsfeierlichkeiten teilzunehmen.

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