Sprechstunde am Info-Mobil der Polizei – Lutz Kollmeyer weiß: „So ticken die Täter“
Haldemer Einbrüche: Bürger suchen Rat

Stemwede (WB). Die drei Beamten der Kreispolizeibehörde waren sichtlich überrascht: „Wir hätten nicht gedacht, dass die Präsenz unseres Info-Mobils zum Thema Einbruchsschutz auf so viel Resonanz stößt.“ Tatsächlich: Schon kurz nach dem Abstellen des Fahrzeugs auf dem Parkplatz Schumacher in Haldem kamen die ersten Interessen. Die Einbruchsserie der vergangenen Wochen in Haldem (allein drei Taten kurz nach Jahresbeginn) lässt die Bürger alles andere als kalt.

Samstag, 18.01.2020, 07:00 Uhr
Die Kriminalhauptkommissare Michael Wehrmann (von links) und Lutz Kollmeyer haben die Bürger am Infomobil auf dem Parkplatz Schuhmacher in Haldem über Einbruchsschutz beraten. Mit dabei war auch der Bezirksbeamte der Polizei für die Gemeinde Stemwede, Hauptkommissar Thomas Müller, der wegen der Einbrüche in diesen Tagen speziell auf Haldem sein Augenmerk richtet und das Gespräch mit den Bürgern suchte. Derzeit gibt es keine neuen Einbrüche. Foto: Dieter Wehbrink

Einer der ersten Haldemer am Mobil war Wilhelm Reesing. Auch bei ihm war vor kurzem eingebrochen worden. Die Täter erbeuteten Geld und eine Armbanduhr. Zwar informierte sich der Betroffene bei Kriminalhauptkommissar Lutz Kollmeyer über technische Möglichkeiten, wie Türen und Fenster besser vor Kriminellen geschützt werden können. Allerdings übte Wilhelm Reesing auch Kritik an der Polizei, wie es schon andere Opfer aus Haldem getan hatten (wir berichteten). „Ich hätte mir wegen der Taten der vergangenen drei Monate eine deutlich stärkere Präsenz von sichtbaren Polizeistreifen gewünscht“, sagte Reesing. Auch jetzt, Tage nach dem Geschehen, belastet ihn die Tat noch immer: „Als Einbruchsopfer stellt man fest, dass es ein schlimmes Gefühl ist, wenn die äußere Haut des so sicher geglaubten Heims durchbrochen wurde und Kriminelle im Haus waren.“

Polizei führte Dämmerungstreffen durch

Thomas Müller, der neue Bezirksbeamte der Polizei für die Gemeinde Stemwede, stand in Haldem ebenfalls für Fragen zur Verfügung. Er hatte vollstes Verständnis für Wilhelm Reesings Kummer. Der Hauptkommissar widersprach aber der Annahme, dass die Polizei die Einbrüche in Haldem ignoriert habe. „Streifenwagen aus Minden, Espelkamp und Lübbecke haben hier regelmäßig so genannte Dämmerungstreffen durchgeführt, die der Bürger nicht unbedingt bemerkt“, erklärte Müller. „Ich selbst konnte diese Präsenz über Funk mitverfolgen.“

Ziel solcher Aktionen sei es gewesen, dass die Polizei bei Hinweisen von Bürgern in der klassischen Einbruchszeit – der Dämmerung – schnell hätte zugreifen können, sagte Müller. Und Lutz Kollmeyer deutete an: „Man darf auch nicht die Zivilstreifen vergessen, die unterwegs sind.“

Kollmeyer gab den Bürgern Tipps zur Häusersicherung und verteilte Info-Material. Der Profi konnte den Bürgern Interessantes berichten. Er weiß aufgrund seiner langen Laufbahn, wie Einbrecher „ticken“. Seine wohl wichtigste Botschaft an die Bürger: „Wenn Sie Ihr Haus verlassen, sollten Sie Anwesenheit vortäuschen.“ Ein unbeleuchtetes Haus lade Täter geradezu ein. Angst, dass trotz der Dunkelheit doch jemand im Gebäude ist, hätten die Kriminellen nicht: „Sie brechen ein Fenster oder eine Tür auf und warten ab, ob der Lärm einen Bewohner aufmerksam gemacht hat. Geht trotz des Lärms im Haus kein Licht an und ist nichts im Inneren zu hören, steigen die Einbrecher ein. Falls sich etwas im Haus geregt hätte, wären sie schnell verschwunden.“

Präferenzen bei Beute

Auch bei der Beute haben die Täter klare Präferenzen, weiß Kollmeyer. „Es soll schnell gehen. Deshalb sind sie vor allem auf Geld aus, eventuell noch auf Schmuck“, erzählte Kollmeyer. „Ein teures Tablet lassen sie liegen – es ist ihnen zu gefährlich, denn das Gerät könnte ja geortet werden. Ein Thermomix hingegen, der neu 1400 Euro kostet, ist da schon interessanter: Den können sie für 400 Euro auf dem Trödelmarkt verkaufen.“

Sind Fenster und Türen optimal mechanisch gesichert, kommen die Täter nicht ins Haus – es sei denn, sie schlagen die Scheibe ein. „Das kommt allerdings selten vor, schon gar nicht im Sommer, wenn viele Nachbarn wegen der Wärme ihre Fenster geöffnet haben oder auf der Terrasse sitzen. Das Klirren einer zerbrechenden Scheibe ist dann sehr weit zu hören“; sagte Kollmeyer. „Anders ist dies im Winter, wenn alle Nachbarn wegen der Kälte die Fenster geschlossen haben und sich im warmen Haus aufhalten. Dann kann schon mal der Einbruch durch eine zerschlagene Scheibe erfolgen.“

Kollmeyer räumt ein, dass die nachträgliche Einbruchssicherung eines durchschnittlichen Einfamilienhauses durch Fachbetriebe zwischen 4000 und 8000 Euro kosten kann. „Der Arbeitslohn ist sehr hoch, weil das Auswechseln der Gestänge und der Technik viel Zeit kostet.“ Aus diesem Grund rät der Experte mit Blick auf die derzeitige Bautätigkeit allen Bauherren, neue Fenster gleich mit fertigem Einbruchsschutz zu bestellen. „Dann wird das Fenster nur etwa um 25 Euro teurer, während für das Nachrüsten bis zu 400 Euro fällig werden.“

Polizei berät Bürger in deren Zuhause

Das wohl wichtigste Beratungsangebot der Experten vom Minden-Lübbecker Kriminalkommissariat Kriminalprävention und Opferschutz ist die individuelle und kostenlose Beratung der Bürger in deren eigenem Heim. Die Bewohner erfahren, wie sie sich mit einbruchhemmender Technik schützen können. Ansprechpartner für den Hausbesuch ist Lutz Kollmeyer. Er ist telefonisch erreichbar unter 0571/88664705 oder unter E-Mail lutz.kollmeyer@polizei.nrw.de. Bei ihm gibt es auch Hinweise, welche Qualitätsanforderungen (Zertifizierungen, DIN-Normen) hier unbedingt empfehlenswert sind und wie man Fachbetriebe findet, die diese Arbeiten ausführen können. Der Kriminalhauptkommissar ist als Präventionsexperte ein viel gefragter und viel beschäftigter Mann: „Ich habe etwa 200 Beratungstermine im Jahr. 2015 war mit 480 Hausbesuchen sogar ein absoluter Rekord.“

Viele Tipps zur Einbruchssicherung gibt es auch im Internet unter www.zuhause-sicher.de.

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