Gernot Jacob und Juliane Völkle entscheiden sich für neue Form – Info-Veranstaltung
Hof plant „solidarische Landwirtschaft“

Brockum (WB). Dieser Bauernhof hat wohl eine der schönsten Lagen am Stemweder Berg überhaupt. Wer in Brockum auf der Rahdener Straße abbiegt und den langen, einsamen Weg in Richtung Bergkamm hinauffährt, taucht immer weiter hinein in die Welt der Natur, der Kuhweiden, der Streuobstwiesen – und der wohltuenden Ruhe.

Samstag, 11.01.2020, 07:00 Uhr
Foto: Dieter Wehbrink

Oben angekommen, entdeckt er einen älteren Bauernhof, dessen Gebäude schon beim ersten Blick mit einem auf Hochleistung getrimmten Agrarbetrieb nichts gemein haben. Auf der Hofweide hüpft ein neugeborenes Kälbchen übermütig in der 30-köpfigen Herde der Fleischrind-Rasse Limousin umher. Die Tiere dürfen auch im Januar ihr Leben auf der Weide genießen.

Ebenfalls unter freiem Himmel, lediglich mit einer Teilüberdachung vor Regen geschützt, entdeckt der Besucher bunte Bentheimer Schweine, eine vom Aussterben bedrohte Haustierrasse. Die Borstentiere wühlen und schnüffeln sichtlich fasziniert in einem riesigen Berg von frischem Stroh, in dem sie fast völlig versinken. Wen wundert es da, dass auch freilaufende, prächtig aussehende Hühner im Garten neben den ältlichen Gebäuden scharren? Die Idylle hat etwas von „Opas gutem alten Bauernhof“, obwohl von diesem Betrieb Menschen ihr Einkommen erwirtschaften. Hier, am „Schwacken Hagen“ in Brockum, hat der bekannte „Bicks Hof“ sein Domizil – ein Betrieb, der nach den Öko-Richtlinien des Demeter-Verbandes arbeitet und Direktvermarktung betreibt.

Doch jetzt hat das 40 Hektar große Anwesen – unweit der Stemweder Grenze und in Sichtweite von Lemförde gelegen – einen neuen Namen bekommen: „Hof Tomte“. Gernot Jacob und Juliane Völkle, Eltern von vier kleinen Kindern, haben 2013 den elterlichen Betrieb von den Senioren Irmela und Gerhard Jacob übernommen. Gernot, der früher Lehrer an der Waldorfschule in Evinghausen war, und seine Partnerin wollten gern hauptberuflich Landwirte werden. Und jetzt, zum Frühjahr 2020, wagen sie eine erneute Umstrukturierung ihres Hofes, nachdem die Eltern bereits 1978 auf biologische Produktion umgestiegen waren: Die Öko-Bauern beginnen im Frühjahr mit einer so genannte „solidarischen Landwirtschaft“ („Solawi“) – ein Modell, das in Niedersachsen erfolgreich praktiziert wird. Interessenten, zumeist Verbraucher mit Vorliebe für biologisch erzeugte Produkte, können Mitglieder dieser „Solawi“ werden. Sie zahlen einen monatlichen Beitrag und bekommen im Gegenzug die aktuellen Produkte der Saison – natürlich streng nach Demeter-Richtlinien erzeugt.

Gemüse, Rindfleisch (hier soll schrittweise von Limousin auf die milchbetonte Zweinutzungsrasse Angler Rotvieh umgestellt werden), Schweinefleisch, Eier und später noch Ackerbau-Getreide, das zum Brotbacken dienen soll, sind dann im Angebot.

Auf den Streuobstwiesen rund um Tomtes Hof gibt es etwa 200 Obstbäume, teilweise von der heimischen Arbeitsgemeinschaft Eule auf angepachteten Flächen gepflanzt. Die Bäume dienen nicht nur den Vögeln und Insekten als Lebensraum: „2019 hatten wir eine Rekordernte an Obst“, freut sich Gernot Jacob. „Natürlich alles biologisch erzeugt.“ Die Produktpalette des Hofes Tomte sei allerdings auf Vielfalt ausgerichtet – nicht auf Masse, betont das Ehepaar.

Wer als Mitwirkender der „Solawi“ gern selbst mit anpacken würde, darf unter anderem beim Pflanzen, Säen und Ernten mithelfen. „Das würden wir sogar toll finden“, sagt Juliane Völkle. „Wir möchten ja, dass unser Hof belebt wird und freuen uns über neue Ideen.“

Auf der Internetseite des Hofes heißt es: „Die Verbraucher ermöglichen dem Landwirt oder Gärtner durch Abnahmegarantien für Ernteteile, durch zinsgünstige Darlehen, durch Mitarbeit oder andere Formen der Unterstützung eine nachhaltige, von Marktzwängen weitgehend befreite Bewirtschaftung seiner Flächen.“ Dafür hat sich das Paar ganz bewusst entschieden – und nicht für die lukrative Verpachtung ihrer Fläche.

Gernot Jacob und Juliane Völkle laden für den 26. Januar zu einer ersten öffentlichen Informationsveranstaltung zur Gründung ihrer solidarischen Landwirtschaft ein. Sie beginnt um 15 Uhr im Kino in Quernheim, Unter den Eichen 19. Alle Interessenten sind dazu willkommen. Infos erteilen Gernot Jacob und Juliane Völkle vorab auch unter Telefon 05443/360 und unter E-Mail post@bickshof.de. Weitere Infos gibt es unter www.hof-tomte.de

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