„Baby“ ist Vollmitglied in der Familie Engelbrecht in Heithöfen
Ein Herz für alle Vögel

Stemwede (WB). Entspannung und Muße, das gibt die Welt der Vögel und Fische Peter Engelbrecht aus Heithöfen nach einem arbeitssamen Berufsalltag als Mechanikermeister in der Verpackungsbranche. Seit 43 Jahren ist der Heithöfener in einer Verpackungsfirma in Lübbecke beschäftigt, und trotz des Meisters muss in diesem Job auch mal kräftig mitanpackt werden.

Donnerstag, 02.01.2020, 02:00 Uhr aktualisiert: 02.01.2020, 05:02 Uhr
Kanarioenvogel „Baby“ gehört mittlerweile zur Familie Engelbrecht regelrecht dazu.

Umso mehr freut er sich über seine schönen naturnahen Hobbies nach Feierabend, die einen Ausgleich zur täglichen Arbeitswelt schaffen.

Insbesondere ist es „Baby“, ein kleiner weißer sechsjähriger Kanarienvogel, der nicht nur den Lebensraum, Küche und Wohnzimmer, von Peter Engelbrecht und Partnerin Manuela mit in Beschlag hat, sondern insbesondere ihre Herzen erobert hat.

Baby, ein kleiner weißer Kanarienvogel, tippelt auf dem Küchentisch hin und her, nähert sich vertraut dem Besucher, hebt sein Köpfchen schief an und die kleinen Knopfaugen fragen erwartungsvoll: „Gibt es denn hier gar nichts?“ Baby hüpft weiter an den Tischrand und von dort auf die ausgestreckte Hand seines tierlieben Vogelfreundes.

„Baby ist ein Waisenkind und von seinen Eltern, die leider versehentlich Bruder und Schwester waren, verstoßen worden. Drei weitere Geschwister konnten nicht mehr rechtzeitig gerettet werden. Als ich merkte, dass der kleine Kanarienvogel von seinen Eltern abgelehnt wurde und nichts mehr zu essen bekam, habe ich ihn von den ‚falschen Eltern‘ aus dem Vogelkäfig genommen und mit einer Pinzette klitzekleine Futterkörner verabreicht. Aus Züchter-Sicht ist dieses ‚Produkt‘ (Inzucht) nicht lebenswert. Doch ich brachte es nicht über das Herz und konnte den kleinen Vogel nicht töten. Die Handaufzucht war eine schwierige Aufgabe und immer mit dem Gedanken verbunden, dass Baby, so wurde er genannt, es schließlich doch nicht überleben würde“, berichtet Vogelzüchter Peter Engelbrecht.

Das war vor sechs Jahren. Inzwischen ist Baby erwachsen geworden und ein voll integriertes Familienmitglied.

„Man muss schon aufpassen, wenn er hin- und herfliegt und sich irgendwo versteckt, dass er aus Unachtsamkeit nicht verletzt wird. Augenblicklich ist Baby in der Mauser und nicht so fotogen. Aber er macht trotzdem seine lustige Flugakrobatik und ist ständig am Zwitschern,“, sagt Engelrecht. Junge Kanarien-Hähne singen gewöhnlich im Herbst. Da Baby aber ständig im Hause gehalten wird und nicht in einer Außenvoliere, nimmt er die Jahreszeiten nicht so wahr und musiziert immer.

Der kleine weiße Kanare ist aber nicht der einzige gefiederte Freund, an dem sich der Heithöfener erfreut. Im angebauten Wirtschaftsraum sind zwei Volieren mit jeweils acht Hennen und acht Hähne überwiegend der Rasse Deutsche Gelbhauben.

„Die sind zum Vermehren da, noch getrennt, aber die Zucht ist vorbereitet“ erklärt Engelbrecht seine wundervollen gelben und weißen zwitschernden Schönheiten.

Schön sind sie allemal und das zu Recht, denn gerade kommt der Züchter von einem Wettbewerb in Minden mit zwei Medaillen als OWL-Sieger zurück. Einmal gab es Gold für seine Kanaren Deutsche Hauben und dann Silber für Gelbintensiv (Bezeichnung der Zuchtlinie).

Mit seinem Nachbarn Martin, ebenfalls Züchter, hatte Peter an dem Wettbewerb teilgenommen. „Da ich erst zwei Jahre Züchter bin, also gerade die sogenannte Lernphase beendet habe, war die Freude umso größer, denn ausgerechnet hatte ich mir diesen schnellen Erfolg nicht. Um Züchter zu sein, werden bestimmte Anforderungen gestellt, die dann nach der Lernphase berechtigen, die Vögel mit eigenen Nummern zu beringen. Das ist wichtig, damit man belegen kann, aus welchen Jahr und woher die Nachzucht stammt, um nicht nur an Wettbewerben sondern auch an Vogelschauen und Ausstellungen teilzunehmen zu können“.

„Angefangen hat alles ganz in Kleinen im Jahr 2006. Seit 2005 lebe ich mit meiner Partnerin in Heithöfen in einem Haus mit großem Garten. Durch Zufall bin in Lübbecke während eines Stadtbummels auf ein Zoogeschäft gestoßen, das gerade einen Ausverkauf vornahm. Da schoss es mir durch den Kopf, du hast ein großes Haus und Garten, da könnten sich Vögel wohlfühlen. Spontan kaufte ich zwei Kanaren, sozusagen als Mitbringsel vom Stadtbummel. Meine Partnerin Manuela war überrascht, gab mir aber dann den Anstoß eine helle Außenvoliere zu bauen“. Es wurden mehr und mehr Kanaren und auch auf dem Gelände wurden weitere Volieren gebaut und auch Nistkästen angebracht.

„Inzwischen stehen Vogelzucht und Vogelschutz im Mittelpunkt meiner Freizeitbeschäftigung. Anfangs war ich Mitglied einer Band namens ‚2 Busy‘ (ausgesprochen ‚Two busy‘) im Westfälischen und es existiert auch noch ein eigenes Tonstudio im Haus unter dem Dach. Meine Leidenschaft für die gefiederten Exoten hat jedoch im Laufe der Jahre den Platz ‚Eins‘ übernommen, obwohl es sich nicht nur um eine entspannende, sondern auch um eine arbeitsintensive Freizeitaktivität handelt“, erläutert er.

Auch der Vogelschutz im Allgemeinen und die Arterhaltung habe einen großen Stellenwert bekommen. Zwischenzeitlich befinden sich im Garten dreißig Nistkästen für die heimischen Singvögel, Meisen und Stare. Mit Bedauern musste Vogelfreund Engelbrecht im letzten Frühjahr feststellen, dass ein in Heithöfen angesiedelter Pirol durch Waldabholzung verschwunden war.

Peter Engelbrecht füttert auch im Sommer die Wildvögel in seinem Garten und im Winter gibt es dann zusätzlich Fettfutter. Durch die Verringerung von Insekten hat sich die Natur und insbesondere haben sich auch die Nahrungsquellen für die heimische Vogelwelt sehr verändert. Nisthilfen und auch Fütterung von Garten- und Wildvögeln sind die ersten Voraussetzungen, um die Artenvielfalt so zu erhalten wie es bislang der Fall war.

Die Vogelwelt gibt es Peter Engelbrecht mit großer Dankbarkeit zurück. „Im Frühling das Gezwitscher der Jungvögel zu hören oder am Winterende das trällernde Anwerben der Männchen um die Weibchen aus der nahen Hecke als erste Frühlingsboten, da vergisst man den zeitintensiven Aufwand, wie die zahlreichen Nistkästen reinigen, der in jedem Jahr immer wieder ansteht“.

Und wenn der passionierte Vogelzüchter dann die vollkommene Entspannung sucht, dann geht es zum Angeln an den heimischen Mittellandkanal, denn Engelbrecht besitzt nicht nur über Jahrzehnte einen Angelschein, sondern ist auch Vorstandsmitglied im Verein. Die Fische, die der Naturliebhaber jedoch nicht aus Flüssen und Gewässern an die Angel bekommt, die schaut er sich zu Hause in Form von Zierfischen an. Denn wenn seine farbenfrohen großen Diskus- Buntbarsche ruhig zwischen grünen Farnen und Wasserpflanzen ihre Runden im geräumigen Aquarium ziehen, dann ist das die Erholung pur vom täglichen Berufsleben.

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