Viele schöne Erinnerungen: Marianne Griepenstroh schließt nach 40 Jahren ihren Salon Schere, Kamm und Fön ruhen bald

Wehdem (WB). Geht diese Frau wirklich schon in Rente? Wer die Friseurmeisterin Marianne Griepenstroh als Stammkunde kennt und weiß, wie agil, dynamisch und zielstrebig sie selbst nach 40 Jahren noch ihren Salon führt, kann sich mit dem Gedanken an den Ruhestand der Wehdemerin nur schwer anfreunden.

Von Dieter Wehbrink
Marinne Hoffmann aus Westrup ist eine der vielen Kundinnen, die sich seit Jahrzehnten von Marianne Griepenstroh frisieren lassen. Der Friseurmeisterin und ihren Kunden wird die Schließung des Salons am 22. Dezember nicht leichtfallen. Die 40 Jahre waren auch ein Stück Wehdemer Dorfgeschichte.
Marinne Hoffmann aus Westrup ist eine der vielen Kundinnen, die sich seit Jahrzehnten von Marianne Griepenstroh frisieren lassen. Der Friseurmeisterin und ihren Kunden wird die Schließung des Salons am 22. Dezember nicht leichtfallen. Die 40 Jahre waren auch ein Stück Wehdemer Dorfgeschichte. Foto: Dieter Wehbrink

Die 65-Jährige lässt auch heute nicht eine Minute lang Zweifel daran, dass sie ihren Beruf liebt und ihn stets mit viel Herzblut ausgeübt hat. „Doch am 21. Dezember ist Schluss“, sagt sie. „Ich habe mich dazu entschieden, obwohl mir der Schritt nicht leicht fällt. Ich hatte eine schöne Zeit, doch jetzt freue ich mich auf den neuen Lebensabschnitt. Mein Spruch lautet immer: Verantwortung ist auf Zeit verliehen. Wir wollen sie wahrnehmen, aber auch abgeben können.“

In Bielefeld viel gelernt

Als Marianne Griepenstroh 1969 bei Otto Klanke in Wehdem eine Friseurlehre antrat, ahnte man in Stemwede noch nicht, welchen Verlauf die Karriere des jungen Mädchens aus Westrup (geborene Varenkamp) nehmen würde. Vier Gesellenjahre verbrachte sie bei Klanke, doch dann entstand zufällig der Kontakt zu einem Friseurmeister aus der Bielefelder Innenstadt, der am Dümmer ein Ferienhaus besaß. Er war auf der Suche nach einer neuen Angestellten für seinen Bielefelder Salon. „Er bevorzugte Mitarbeiterinnen vom Lande, weil die seiner Meinung nach zuverlässiger waren als die städtischen“, erinnert sich Marianne Griepenstroh.

Man wurde sich einig, und der Stellen- sowie Wohnortwechsel nach Bielefeld war perfekt. „Ein Glücksfall für mich“, sagt die Wehdemerin. „Dort habe ich fachlich unglaublich viel gelernt.“ Der Rest des beruflichen Lebenslaufs ist schnell erzählt. Nach vier Jahren in der ostwestfälischen Metropole und der Meisterprüfung in 1978 überzeugten Mariannes Eltern ihre Tochter, doch den Salon Niemann an der Stemwederberg-Straße in Wehdem zu übernehmen.

Durch Dick und Dünn gegangen

1993 folgte der Umzug an die Wehdemer Bergstraße – mit Ehemann Klaus ins eigene Wohn- und Geschäftshaus. Dort befindet sich der Salon heute noch, und mit ihren langjährigsten Mitarbeiterinnen Annegret Möller (35 Jahre, dann ausgeschieden), Annegret Wessel (27 Jahre), Olga Wedel (14 Jahre), Anke Wehbrink (10 Jahre, dann ausgeschieden) und Silvia Baude (10 Jahre, dann ausgeschieden) stand hier Waschen, Schneiden, Föhnen, Färben und Legen auf dem Programm. „Die Drei haben zum Erfolg unseres Salons beigetragen. Sie sind mit mir durch Dick und Dünn gegangen“, lobt Marianne Griepenstroh ihr Team. Ein Nachfolger für den Wehdemer Salon steht zur Zeit noch nicht fest.

In diesen Tagen erinnert sich die Friseurmeisterin an viele Begebenheiten aus ihrem langen Berufsleben. Etwa an den unvergessenen Besuch einer Haarschneideschule in London. „Das war im Dezember 1979. Mal eben kurz nach London fliegen? Das ist heute eine Selbstverständlichkeit, war aber damals noch ein kleines Abenteuer für mich.“

Natürlich haben so viele Jahrzehnte im Friseurberuf auch fachliche Änderungen mit sich gebracht. „In den Anfängen war die Dauerwelle Trumpf. Die Frauen saßen vor Schützenfesten Platz an Platz mit Lockenwicklern vor dem Frisiertisch – mit Trockenhauben auf dem Kopf. Als der Lockentrend abebbte, blühte die Fön-Technik auf, mit klaren Schnitten.

„Wir sind oft als Psychologen gefragt“

Apropos Schützenfeste: Weil die Wehdemerin ihrer Heimat sehr verbunden ist, war es für Marianne Griepenstroh eine Selbstverständlichkeit, spontan und unbürokratisch jene Damen zu frisieren, deren Männer kurz vorher unerwartet Schützenkönig geworden waren. Das musste dann schnell gehen. „Geschimpft über die ‚Tat‘ ihres Mannes hat übrigens nie eine Königin“, erzählt Griepenstroh schmunzelnd. „Sie haben die Majestätenwürde achselzuckend angenommen, weil sie es ja eh nicht mehr ändern konnten“.

All das hat Marianne Griepen­stroh mit Freude begleitet – wie auch der persönlich enge Kontakt mit den Kunden, zu denen hier im Salon auch Herren gehören. „Wir hören als Friseure viel über Freude, Kummer und Sorgen. In bedrückender Erinnerung werden mir insbesondere die Gespräche mit Trauernden bleiben. Wir sind oft als Psychologen gefragt. Selbstverständlich war es ein eisernes Gesetz, dass nichts von dem, was die Kunden uns anvertrauten, je diesen Salon verlassen durfte.“

Sichtlich bewegt ergänzt die sonst so zielstrebig-sachliche Friseurmeisterin: „Ich danke allen Kunden für ihre langjährige Treue, sehr viele Herausforderungen, nette Begegnungen und gute Gespräche. Und natürlich meinem Mann Klaus, der mich stets unterstützt hat – vor allem bei der kaufmännischen Arbeit.“

Jetzt freut sich die Wehdemerin auf ihren Ruhestand. „Mein Mann, meine Kinder und mein Enkelkind sowie Haus, Garten und die Acrylmalerei – die ich sehr liebe – werden künftig mein Leben bestimmen.“

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