Abruszat schlägt Werbung, finanzielle Förderung und Praxismanager vor Leverner Ärztemangel bereitet Sorgen

Stemwede (WB). Wer sich in diesen Tagen mit Menschen aus dem Bereich Levern unterhält, hört eine oft geäußerte Sorge: Wie geht es im Ort mit der hausärztlichen Versorgung weiter, nachdem die Praxis Bußmann ihren Betrieb eingestellt hat und zu befürchten ist, dass die noch vorhandene zweite Arztpraxis bald aus Altersgründen schließt?

Von Dieter Wehbrink
Bürgermeister Kai Abruszat erwägt, die hausärztliche Versorgung in Stemwede mit Werbemaßnahmen sicherzustellen.
Bürgermeister Kai Abruszat erwägt, die hausärztliche Versorgung in Stemwede mit Werbemaßnahmen sicherzustellen. Foto: dpa

Diese Zeitung fragte bei Bürgermeister Kai Abruszat nach, welche Überlegungen es in der Stemweder Gemeindeverwaltung gibt, um Lösungen für den Bereich Levern zu finden.

Sichere Versorgung

»Die hausärztliche Versorgung ist nach der maßgeblichen Statistik der kassenärztlichen Vereinigung Westfalen-Lippe für den gesamten Raum Stemwede zwar noch sichergestellt«, sagte Abruszat, betonte aber: »Gleichwohl braucht Levern zusammen mit den umliegenden Ortsteilen eine nachhaltige Perspektive. Dies gilt um so mehr, weil auch die noch verbliebene Arztpraxis nicht dauerhaft zur Verfügung stehen dürfte.«

Die hausärztliche Versorgung sei ein wesentlicher Standortfaktor für Stemwede im Allgemeinen und für den Siedlungsschwerpunkt Levern im Besonderen. »Hinzu kommt, dass die angedachte Weiterentwicklung Leverns zum heilklimatischen Luftkurort nur dann nachhaltig ist, wenn auch eine hausärztliche Versorgung inklusive einer badeärztlichen Zusatzkompetenz sichergestellt werden kann«, sagte der Bürgermeister. »Ich weise darauf hin, dass die Gemeinde Stemwede eigentlich keine Zuständigkeiten und keine Finanzbudgets für die Lösung dieses womöglich drohenden Ärztemangels in Levern hat. Dennoch ist es mir als Bürgermeister eine Herzensangelegenheit und sollte für die Gemeinde Stemwede ein wesentlicher Baustein der gemeindlichen Entwicklung sein, dieses Thema nicht nur der kassenärztlichen Vereinigung zu überlassen.«

Anzeigen aufgeben

Die Gemeinde werde deshalb kurzfristig ihr kommunales Profil in Fachzeitschriften per Anzeigen bewerben. So sei beispielsweise das Ärzteblatt hierfür ein geeignetes Medium. »Eine entsprechende Werbelinie habe ich hierzu bereits in Auftrag gegeben«, sagte Abruszat. »Darüber hinaus ist es aber unerlässlich, ein ganzes Maßnahmenbündel auf den Weg zu bringen. Schließlich stehen wir im Wettbewerb mit anderen Kommunen. Ich lasse derzeit eine Konzeption erarbeiten, die auch aus finanziellen Anreizen bestehen kann. Denkbar ist beispielsweise die Bezuschussung einer Zusatzausbildung als Fachärztin oder Facharzt in Allgemeinmedizin.« Ebenso könne Stemwede möglicherweise Fördergelder des Landes – etwa für den Erwerb badeärztlicher Kompetenzen – in die Gemeinde holen.

Praxismanager denkbar?

Der Bürgermeister verfolgt noch einen weiteren Ansatz, um Levern für Ärzte attraktiv zu machen. Ein wesentlicher Faktor werde im Gesundheitswesen durch die überbordende Bürokratie bestimmt, sagte Abruszat. »Zahlreiche potenziell interessierte mögliche Hausärzte wollen kurativ am Patienten arbeiten und nicht von Verwaltungslasten von ihrer eigentlichen Arbeit abgehalten werden. Für mich ist es deshalb vorstellbar, so genannte Praxismanager mit interessierten potenziellen Hausärzten zusammenzubringen.«

Zudem werde er den Gremien des Gemeinderates den Vorschlag unterbreiten, ein spezielles Förderprogramm für künftige Hausärzte zu diskutieren. »So stelle ich mir zur Unterstützung von Praxisgründungen einen zinslosen Kredit als Investitionsförderung vor. Auch finanzielle Anreize sind nämlich für die Standortentscheidung von Bedeutung.«

Es gebe bereits Kommunen, die diesen Weg gehen würden: »Im Kreis Herford sind Summen von bis zu 75.000 Euro möglich. Das sollte auch bei uns eine Richtschnur sein.«

Ärztehaus nicht die Lösung

Und wie beurteilt der Bürgermeister die Option, mit Gemeinschaftseinrichtungen, die mehrere Praxen beherbergen, Mediziner anzulocken? »Ich bleibe dabei, dass ein zentrales Ärztehaus für Stemwede nicht die optimale Lösung darstellt«, sagte Abruszat. »Ich möchte die hausärztliche Versorgung in unserer Flächengemeinde ortsnah angesiedelt wissen. Dies gilt auch für Dienstleitungen der Apotheken. Zentrale Ärztehäuser führen eher zu einer Verlagerung und lassen Probleme an anderer Stelle entstehen.«

Für Anfang 2020 beabsichtigt Abruszat, dass sich der Gemeinderat mit den genannten Ideen und Vorschlägen beschäftigen soll. Letzteres begrüßt Frank Schröder, CDU-Ratsherr aus Levern ganz ausdrücklich. Auch er sorgt sich um die Hausärzteversorgung in seinem Heimatort.

»Die kassenärztliche Vereinigung lässt uns speziell in Levern im Regen stehen«, übt Schröder Kritik. »Ich würde mir wünschen, dass sie für unseren Ort zu einer differenzierten Betrachtung kommt.

Zwar sind wir in Stemwede rechnerisch mit Arztpraxen versorgt. Allerdings wird außer Acht gelassen, dass es sich um eine große Flächengemeinde handelt – mit teilweise weiten Wegen bis zur nächsten Praxis.«

Die Versorgung mit Hausarztpraxen sei in Levern auch mit Blick auf die Infrastruktur ein bedeutendes Thema, betonte Schröder. »Levern zählt zu den größeren Orten in unserer Gemeinde. Zusammen mit Grundschule und Kindergarten sowie bestehenden und noch geplanten Wohngebieten ist der Ort ein Siedlungsschwerpunkt.«

»Reizvolle Arbeit«

Deshalb sei er überzeugt davon, dass Levern für Mediziner, die gern auf dem Land arbeiten möchten, außerordentlich reizvoll sein könne, sagte Schröder. »Ich begrüße es außerordentlich, wenn sich die Stemweder Lokalpolitik intensiv mit diesem Thema beschäftigt und gemeinsam mit unserem Bürgermeister nach Lösungen sucht.«

Ein KOMMENTAR von Dieter Wehbrink

Berechnungen hin, Berechnungen her: Natürlich kann man als Kassenärztliche Vereinigung zum Taschenrechner greifen, um die Zahl der Einwohner im »Mittelbereich Espelkamp/Rahden/Stemwede« durch die Zahl der vorhandenen Praxen zu teilen. Und dann »Bedarf gedeckt, wenn nicht sogar überversorgt« vermelden.

Gefühlt und realistisch betrachtet stellt sich das Problem in Stemwede gravierender dar. Wer etwa auf Facebook die Fragen besorgter Patienten nach anderen Hausarzt-Standorten verfolgt hat, als Alfred Bußmann den Schlüssel seiner Praxistür umdrehte, bekam diesen Eindruck. Es ist gut, dass Kai Abruszat dieses Problem gemeinsam mit den Kommunalpolitikern angehen will. Lösungen, die hier Erfolg bringen, sind ohnehin schwierig genug.

Und, liebe Ratsherren: Dieses ernste Thema taugt nicht zum Missbrauch im Wahlkampf, auch wenn dieser bald bevorsteht.

Das würden die Stemweder Bürger durchschauen. Sucht alle gemeinsam nach Lösungen und setzt sie um! Eure Widersacher sitzen nicht in Stemwede, sondern bei der Kassenärztlichen Vereinigung. Das sind die mit dem Taschenrechner . . .

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