Ärger wegen Masterplan: Interview mit dem Gewerbevereinsvorsitzenden Adolf Ey
»Genaue Bestandsaufnahme in Sachen Breitband muss her«

Stemwede (WB). In Stemwede gibt es Ärger wegen des Breitband-Masterplans des Kreises. Bürger, die in ihrem Haushalt nur ein langsames Internet empfangen können, fragen sich, warum der nur wenige Meter entfernt wohnende Nachbar einen Glasfaseranschluss bekommt und sie nicht.

Donnerstag, 07.11.2019, 08:00 Uhr aktualisiert: 07.11.2019, 13:36 Uhr
In Stemwede hat der Glasfasernetz-Ausbau begonnen. Es gibt allerdings Kritik. Foto: dpa

Betroffen vom Nichtanschluss sind auch Stemweder Gewerbebetriebe. Im Interview äußert sich Adolf Ey, Vorsitzender des Gewerbevereins Stemwede, über die aktuellen Probleme. Das Gespräch führte WB-Redakteur Dieter Wehbrink.

Adolf Ey, Vorsitzender des Gewerbevereins Stemwede

Adolf Ey, Vorsitzender des Gewerbevereins Stemwede

Herr Ey, haben Sie Verständnis dafür, dass sich nach dem Beginn der Glasfaser-Verlegearbeiten Bürger und Gewerbetreibende über die Auswahlkriterien beschweren, wer das schnelle Internet bekommt und wer nicht?

Adolf Ey: Selbstverständlich habe ich dafür Verständnis. Die Bürger und Betriebe haben in jener Zeit, als die Häuser für den Glasfaseranschluss ausgewählt wurden, das Thema leider nicht im Fokus gehabt. Sie wurden sicher auch nicht darauf hingewiesen, ob und welche Möglichkeiten es gibt, dieses Auswahlverfahren im Vorfeld zu prüfen. Ich kann sehr gut nachvollziehen, dass jetzt Bürger und Gewerbebetriebe, die im aktuellen Bauabschnitt leer ausgehen, verärgert sind.

 

Was ist denn aus Ihrer Sicht schief gelaufen?

Ey: Ich gehe davon aus, dass die Richtlinien des Bundes, der ein wichtiger Zuschussgeber für den Masterplan des Kreises war, vorgegeben haben, wie die Internet-Geschwindigkeit eines jeden Haushalts zu erfragen beziehungsweise zu bewerten ist. Nach meinen Informationen wird hierzu die Telekom befragt, gegebenenfalls auch andere Anbieter in Stemwede, wie zum Beispiel Innogy. Wer letztendlich die Entscheidung gefällt hat, ob das Beratungsunternehmen Micus oder zum Beispiel die Telekom, weiß ich nicht. Es wäre aber interessant, dies zu wissen. Offenbar ist jedes Haus einzeln geprüft worden. Wünschenswert wäre für mich gewesen, diese Entscheidung allen Hauseigentümern in Stemwede mitzuteilen. Der gegenwärtige Ärger hätte dadurch im Vorfeld vermieden werden können. Aufgrund der Dauer des Antragsverfahrens glaube ich, dass dafür genug Zeit gewesen wäre.

 

Sind Ihnen aktuell besonders krasse Fälle von Fehl-Auswahl bekannt?

Ey: Mir persönlich ist ein Fall im Stadtgebiet Rahden bekannt, wo ein großer Handwerksbetrieb mit mehr als 40 Mitarbeitern und – gelinde gesagt – schwacher Internet-Anbindung, also deutlich unter 30 MBit, nicht angeschlossen wird. Sein Grundstücksnachbar mit Privathaushalt wird hingegen angeschlossen. Ich weiß auch in Stemwede von vielen Betrieben, die weit außerhalb erträglicher Bandbreiten liegen und nicht angeschlossen werden.

 

Für den normalen Internet-Gebrauch eines Privatbürgers reichen ja marktübliche Internet-Geschwindigkeiten bis zu 100 MBit – wenn sie denn in Stemwede überhaupt zu bekommen sind. Können Sie unseren Lesern schildern, warum Stemwedes Gewerbegebiete damit nicht mehr auskommen?

Ey: In Stemwede sind wir von den 100 MBit weit entfernt, auch dort, wo ein Privatanbieter zum Teil schon Breitbandanschlüsse ermöglich hat. Mal angenommen, es gäbe diese Geschwindigkeit: Die Datenmengen, die in Betrieben zu verarbeiten sind, der Austausch mit Geschäftspartnern und die hohen Anforderungen an Reaktionszeiten und Geschwindigkeiten in Geschäftsprozessen allgemein machen eine hohe Bandbreite schlicht und ergreifend erforderlich. Auch die Möglichkeit der Auslagerung von Server-, Backup- und Cloud-Systemen steht ohne höhere Bandbreite nicht zur Verfügung. Das ist für die Stemweder Betriebe, die den Glasfaser-Ausbau jetzt nicht bekommen, ein riesengroßer Wettbewerbsnachteil.

 

Was muss aus Ihrer Sicht getan werden, um das Dilemma zu beseitigen?

Ey: Zunächst brauchen wir eine genaue Bestandsaufnahme des Bedarfs außerhalb des laufenden Ausbaus – und das sowohl im privaten als auch im gewerblichen Bereich. Zu Letzterem werden wir uns seitens des Gewerbevereins Stemwede entsprechend einbringen. Wir setzen uns selbstverständlich für alle Unternehmen in Stemwede ein, auch wenn sie nicht Mitglied unseres Vereins sind. Sie können sich gern unter der E-Mail info@gewerbeverein-stemwede.de bei uns melden. Ich wünsche mir nach der Bestandsaufnahme in enger Kooperation mit der Verwaltung, dem Landkreis und dem ausführenden Unternehmen Internexio, das weitere Vorgehen auf den Weg zu bringen – und dies möglichst schnell. Alles, was wir tun, muss natürlich so ausgelegt werden, dass wir die Förderkriterien der jetzt durchgeführten Bauarbeiten nicht gefährden.

Oft ist es so, dass der Überbringer schlechter Nachrichten gescholten wird. Bürgermeister Kai Abruszat hat in der jüngsten Bauausschusssitzung das Problem eingeräumt und versprochen, so schnell wie möglich eine Lösung zu finden. Machen Sie der Gemeinde Stemwede einen Vorwurf?

Ey: Nach meinem Eindruck hat die Gemeinde Stemwede das Antragsverfahren konstruktiv und im Rahmen ihrer Möglichkeiten sehr gut begleitet. Wir müssen auch bedenken, dass durch die ursprüngliche Entscheidung der kreisweiten Ausschreibung die Gemeinde an das jetzige Verfahren auch strikt gebunden war. Ich habe im Übrigen am Dienstag bei einer Veranstaltung auf der Wilhelmshöhe, die von der Firma Internexio und unserem Gewerbeverein ausgerichtet wurde, mit dem Geschäftsführer von Internexio gesprochen. Er sagte mir, dass er selten so gut vorbereitete Ausschreibungen auf dem Tisch hatte wie die des Kreises Minden-Lübbecke. Hierbei geht es aber ausdrücklich um die Möglichkeit der technischen Umsetzung – nicht um die Auswahl der Grundstücke.

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