Mietvertrag mit Boge Elastmetall läuft Ende 2023 aus – 400 Mitarbeiter betroffen
ZF zieht sich aus Damme zurück

Damme/Stemwede (WB). Spätestens Ende 2023 ist die Produktion von ZF Friedrichshafen am Standort Damme Geschichte. Betroffen von den angekündigten Rückzugsplänen sind etwa 400 Mitarbeiter.

Mittwoch, 06.11.2019, 05:00 Uhr
Hier arbeiten 1400 Menschen: Ein Blick auf das Areal von Boge und ZF. Bis 2023 zieht sich ZF hier zurück. 400 Mitarbeiter sind betroffen.

Nachdem 2014 bereits das ehemalige ZF-Geschäftsfeld Rubber & Plastics (»Boge Elastmetall«) vom chinesischen Unternehmen Zhuzhou Times New Material Technology Co, Ltd. (TMT) übernommen wurde, verlässt auch die letzte verbliebene ZF-Abteilung spätestens in vier Jahren endgültig die südoldenburgische Stadt. Ein Teilabzug soll schon bis zum September 2021 erfolgen, weil Boge Elastmetall einen Teil der Produktionsflächen als Eigenbedarf benötigt. Entsprechende Pläne des Automobilzulieferers bestätigte gestern Jeannine Rapp, Sprecherin der ZF-Dümmerwerke.

Mietvertrag noch einmal verlängert

Als 2014 etwa 1000 Mitarbeiter per Übernahmevertrag vom deutschen zum chinesischen Arbeitgeber wechseln mussten, blieben noch 400 Beschäftigte in der »Division Fahrwerktechnik« der ZF Friedrichshafen AG in Damme. Die Sparte mietete sich beim neuen Gelände-Besitzer Boge ein und fertigte dort Spurstangen sowie Axial- und Winkelgelenke für die Autoindustrie.

»Eigentlich wäre der im Jahr 2014 abgeschlossene Mietvertrag bereits zum September 2021 ausgelaufen, doch ZF und Boge einigten sich nach intensiven Verhandlungen darauf, den Vertrag am Standort Damme bis 2023 zu verlängern«, sagte Jeannine Rapp dieser Zeitung. Der Mietvertrag sieht allerdings einen schrittweisen Auszug von ZF vom Boge-Gelände vor, da Boge ein Teil der Produktionsflächen wegen Eigenbedarfs benötigt.

»Kümmern uns um Mitarbeiter«

»ZF-Mitarbeiter, die von einem Auszug bis Ende 2021 betroffen sind, werden an einem Standort des Multidivisionsstandortes Lemförde rund um den Dümmer weiterbeschäftigt«, sagte Jeannine Rapp. Darüber hinausgehende Zahlen, wie viele ZF-Arbeitsplätze bis Anfang 2024 in Damme erhalten blieben oder ob sie nach Ablauf des Mietvertrages ebenfalls auf die Dümmer-Werke verteilt werden, wollte die Unternehmenssprecherin nicht beantworten. »Wir haben keine Glaskugel, in der wir die weitere Entwicklung bis 2024 voraussehen können«, betonte Rapp. »Die Mietvertragsverlängerung wurde ja erst Ende vergangener Woche unterschrieben. Allerdings ist ZF bekannt dafür, dass bei uns die Mitarbeiter im Fokus stehen. Unser Unternehmen hat häufig bewiesen, dass wir nach den Mitarbeitern schauen. Außerdem haben wir ja weiterhin unsere Kunden, die wir mit den Produkten aus Damme beliefern.«

Diese Zeitung fragte Rapp nach der Entwicklung in den Dümmer-Werken – mit Blick auf konjunkturbedingte schlechte Nachrichten von anderen Mitbewerbern. »Es sind herausfordernde Zeiten für Automobilzulieferer. Das spüren wir«, räumte die ZF-Sprecherin ein. »Bei uns gibt es derzeit keinen Stellenabbau. Wir kommen mit Flexibilisierungsmaßnahmen klar, können auf Arbeitszeitkonten zurückgreifen und sind in der Lage, dass Mitarbeiter am Multidivisionsstandort Lemförde zu anderen Standorten wechseln können. Sie arbeiten schließlich alle an gleichen Techniken.«

Verständnis für Sorgen der Mitarbeiter

Zum Glück müsse sich ZF daher noch nicht in die Problemlage von Wettbewerbern einreihen«, sagte Rapp. »Ich verstehe allerdings, wenn Mitarbeiter verunsichert sind und es für die Dammer Kollegen unbefriedigend ist, wenn sie noch nicht wissen, wie es 2024 weitergeht.« In den ZF-Firmen am Multidivisionsstandort Lemförde, zu denen auch die Werke in Dielingen und Wagenfeld gehören, sind derzeit etwa 3600 Mitarbeiter beschäftigt.

Bei Boge Elastmetall, der Firma im chinesischen Besitz, gilt ein vor kurzem zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmern ausgehandelter Tarifvertrag, der den Beschäftigten zwar einen Verzicht auf betriebsbedingte Kündigungen bis zum 31. Juli 2024 garantiert. Im Gegenzug wurden aber zwecks Verbesserung der Wettbewerbsfähigkeit erhebliche Einsparungen beim Lohn vereinbart.

Dr. Jürgen Ulderup hatte 1964 das Werk in Damme gegründet. Er begann mit 23 Mitarbeitern die Produktion in der »Maschinenbau Damme GmbH« auf 2000 Quadratmetern. Im Laufe der Jahrzehnte wurde das Werk immer größer. Die Zahl der Mitarbeiter wuchs kontinuierlich. Auch nach der Übernahme von Boge durch die Chinesen und der Ankündigung von ZF, spätestens Ende 2023 den Standort zu verlassen, gilt die Produktionsstätte immer noch als einer der bedeutendsten Arbeitgeber in der Region Damme. Viele Stemweder arbeiten dort – nicht zuletzt auch die ursprüngliche Verbindung mit dem Ulderup- beziehungsweise späteren ZF-Werk in Dielingen.

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