Ärger wegen Breitbandausbau: Nicht für Anschluss vorgesehene Haushalte sind sauer »Warum mein Nachbar, aber ich nicht?«

Stemwede (WB). Ein heikles Problem hat Ratsherr Marco Quebe (FDP) während der Sitzung des Stemweder Bau-, Planungs- und Umweltausschusses angesprochen: Es gibt bei etlichen Stemweder Bürgern Unmut wegen des aktuellen Breitbandausbaus im Zuge des Masterplans des Kreises.

Von Dieter Wehbrink
Groß war die Freude, dass der Breitbandausbau der elf Städte und Gemeinden in der Gemeinde Stemwede begann. Doch die Auswahl der Häuser, die nicht angeschlossen werden, löst Kritik aus.
Groß war die Freude, dass der Breitbandausbau der elf Städte und Gemeinden in der Gemeinde Stemwede begann. Doch die Auswahl der Häuser, die nicht angeschlossen werden, löst Kritik aus.

Wie der Haldemer berichtete, zeigten viele Grundstücksbesitzer Unverständnis dafür, dass sie laut Plan nicht für einen Anschluss vorgesehen seien, während ihr nur wenige Meter entfernt wohnender Nachbar Glasfaser bekomme. Sie würden aus dem Masterplan herausfallen, weil sie angeblich nicht unterversorgt seien. Die »Micus Strategieberatung«, ein nach eigenen Angaben deutschlandweit führendes Beratungsunternehmen im Bereich Breitbandausbau, hatte im Zuge des Masterplans die Liste der anzuschließenden Häuser empfohlen.

»Als unterversorgt gelten Haushalte, denen eine Downloadgeschwindigkeit von weniger als 30 Mbit/s zur Verfügung steht«, schreibt die Gemeinde Stemwede auf ihrer Internetseite. »Die angeblich mit ausreichender Internet-Geschwindigkeit versorgten Bürger sagen mir jedoch, dass bei ihnen nur 2 Mbit/s ankommen«, berichtete Marco Quebe. »Sie sind natürlich verärgert und hängen in der Luft«. Der FDP-Ratsherr fragte: »Gibt es dafür Pläne?«

Vorgaben laut Förderkulisse

»Unangenehme Antworten gibt immer der Bürgermeister«, antwortete Kai Abruszat noch scherzend, doch dann wurde er sehr ernst. »Neben der großen Freude, dass Stemwede die erste Kommune im Kreis Minden-Lübbecke ist, in der der Ausbau erfolgt, gibt es auch die von Marco Quebe genannte Kritik von Haushalten, die nicht in die Kulisse des Ausbaus kommen. Sie fragen sich zu Recht, warum wenige Meter von ihrem Grundstück entfernt verlegt wird und bei ihnen nicht. Sie fragen zudem, warum es nicht möglich ist, ›mal eben‹­ einen kleinen Umweg zu legen. Fest steht leider: Das ist im Zusammenhang mit der Förderkulisse des Masterplans nicht möglich.«

Stemwede brauche aber für diese Haushalte eine Lösung. Es müsse kurz- und mittelfristig eine Konzeption her, die exakt diese Haushalte erfasse und sie an das Glasfasernetz anschließe, sagte Abruszat. »Hier ist die Gemeindeverwaltung im Moment in Gesprächen. Ich werde jedoch kein weiteres Ausbaupaket empfehlen, das gemeinsam mit elf Städten und Gemeinden des Kreises erfolgt«, betonte der Verwaltungschef.

»Betroffenen nur schwer zu vermitteln«

Er halte es für zweckmäßiger, mit nur einer oder zwei Kommunen gemeinsam diesen Part abzudecken. »Aber auch dazu brauchen wir aus Berlin Förderkulissen«, sagte der Bürgermeister. Er sei im Gespräch mit der Firma Internexio, die den Ausbau derzeit vornehme, sowie mit anderen Unternehmen. »Die jetzige Situation ist zweifellos ärgerlich«, räumte Abruszat ein. »Es ist den Betroffenen nur schwer zu vermitteln. Auch ich werde ständig auf diesen Sachverhalt angesprochen und kann die Bürger verstehen. Wir wollen auch diese betroffenen Haushalte nicht vergessen.« Es gebe verschiedene Lösungsmodelle. »Wir müssen ausloten, was uns nicht überfordert, aber ein gutes Ergebnis bringt Wir werden eine Lösung finden. Da bin ich zuversichtlich und arbeitete daran.«

Gesenhues rät: »Bei mehreren Anbietern informieren«

Marco Quebe empfahl, dass die Gemeinde auf ihrer Internetseite über die aktuelle Problematik informieren solle. Ausschussvorsitzender Michael Baude riet Bürgern, sich über die Möglichkeiten eines schnelleren Internets zu informieren. »Ich kenne einen Fall, da liegt der Anschluss von Innogy nahe am Haus, aber der Eigentümer wusste nichts davon.« Hermann Gesenhues (Grüne) empfahl, dass sich Haushalte bei mehrern Providern über die mögliche Geschwindigkeit informieren sollten: »Wenn nur 2 Mbit/s ankommen, hat man den falschen Anbieter.«

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