Hiobsbotschaft für Beschäftigte des Oppenweher Haushaltswaren-Herstellers
70 Keeeper-Mitarbeiter sollen gehen

Stemwede (WB). In einer Betriebsversammlung hat die Geschäftsleitung des Oppenweher Unternehmens Keeeper die Mitarbeiter geschockt: 70 der 160 Stemweder Arbeitsplätze des Haushaltswarenherstellers sollen wegfallen.

Freitag, 27.09.2019, 13:25 Uhr aktualisiert: 27.09.2019, 13:28 Uhr
Ein Blick auf das Keeeper-Gelände, hier eine ältere Aufnahme. Große Unruhe herrscht hier unter den Mitarbeitern, denn die Geschäftsleitung hat angekündigt, 70 Arbeitsplätze abzubauen. Der Betriebsrat will in intensiven Verhandlungen das Beste für die Mitarbeiter herausholen.

»Nach mehr als drei Monaten der umfassenden Bestandsaufnahme und Abwägung diverser Optionen wurde folgende unternehmerische Entscheidung getroffen«, teilt die Keeper-Geschäftsführung dieser Zeitung auf Anfrage mit. »Keeeper plant, in Stemwede 70 Stellen abzubauen. Betroffen sind die Bereiche Produktion, Werkzeugbau und Instandhaltung. Gestärkt werden in Stemwede die Bereiche Vertrieb, Marketing, Produktmanagement und Entwicklung.«

»Unternehmenszentrale bleibt in Stemwede

Aus Stemwede heraus werde weiterhin die Logistik für West- und Mitteleuropa erfolgen, behauptet das Management: »Die Unternehmenszentrale mit den Zentralfunktionen verbleibt in Stemwede.«

Der Zeitpunkt der Verlagerung sei derzeit noch in Planung: »Mit der Arbeitnehmervertretung werden in der kommenden Woche Gespräche aufgenommen, um den Übergang für alle betroffenen Mitarbeiter sozialverträglich zu gestalten. Nach Abschluss der Verhandlungen kann Weiteres kommuniziert werden.«

Erst Ende Mai hatte die Firma, die weltweit 500 Mitarbeiter beschäftigt, den Besitzer gewechselt. Die Wrede Industrieholding aus Arnsberg verkaufte das Unternehmen an die Beteiligungsgesellschaft Mutares AG in München (wir berichteten). Der neue Besitzer verbreitete nach außen hin Optimismus: Keeeper passe gut in sein Portfolio.

Produktion nach Polen?

Jetzt gehen Betriebsrat und Beschäftigte davon aus, dass die Produktion nach Polen verlagert werden soll, denn dort hat Keeeper am Standort Bydgoszcz ein Werk.

Am Tag vor der Betriebsversammlung war bereits der Keeeper-Betriebsrat informiert worden. »Die Stimmung unter den Beschäftigten ist natürlich extrem schlecht«, sagte die Keeeper-Betriebsratsvorsitzende Daniela Timphus. »Manche arbeiten schon seit Jahrzehnten hier am Standort Oppenwehe.« Früher hieß die Firma Sulo, danach OKT und jetzt Keeeper. Immer wurden hier Kunststoffprodukte für den Haushalt produziert.

Betriebsrat: »Wollen das Beste herausholen«

Timphus ist selbst auch bedrückt, will den Mut aber nicht sinken lassen: »Die Ankündigung, 70 Arbeitsplätze streichen zu wollen, heißt noch nicht, dass auch 70 Kollegen gehen werden«, sagte die Betriebsratsvorsitzende. »Unser Ziel ist es natürlich, so viele Arbeitsplätze wie möglich zu retten. Wir als Betriebsrat gehen jedenfalls in die Verhandlungen mit der Geschäftsleitung mit dem Ziel hinein, das Beste für die Mitarbeiter herauszuholen. Dafür haben wir uns auch einen Sachverständigen an unsere Seite geholt.«

Aus den Reihen der IG Metall in Minden kam die grundsätzliche Befürchtung, der neue Investor aus München könnte keinen Wert auf den Standort in Stemwede-Oppenwehe legen. Mutares verspreche sich wohl mehr davon, wenn er die Kunststoff-Haushaltswaren im Ausland produzieren lasse.

Bürgermeister ist besorgt

Stemwedes Bürgermeister Kai Abruszat gab sich am Freitag besorgt. »Die Nachricht aus Oppenwehe bedauere ich außerordentlich. Ich kann nur hoffen, dass für die betroffenen Beschäftigten faire Lösungen gefunden werden. Rat und Verwaltung der Gemeinde Stemwede haben in den vergangenen Jahren sämtliche Anstrengungen unternommen, um den Standort für Keeeper attraktiv zu gestalten. Besonders erinnere ich an dieser Stelle an die kurzfristige Umsetzung der Änderung unseres Bebauungsplans auf Wunsch des Unternehmens vor einiger Zeit, um zur Verbesserung der Logistik ein Hochregallager zu ermöglichen.«

Er selbst habe unmittelbar nach Bekanntwerden eines bevorstehenden Eigentümerwechsels vor einigen Monaten den Bevollmächtigen der Wrede Holding jegliche Unterstützung angeboten. »Jetzt sollten alle Anstrengungen unternommen werden, dass wesentliche Bereiche des Unternehmens auch von Oppenwehe aus weiter bestehen bleiben«, sagte der Bürgermeister.

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