Tolle Runden: »Diacor H« vom Zuchthof Hahler siegt im Parcours von Münster
Westfalen-Champion kommt aus Stemwede

Stemwede/Münster (WB). Schon als Fohlen und Jungpferd ließ »Diacor H« sein Talent erahnen – allerdings anders, als es der Züchterfamilie Hahler aus Destel lieb war.

Donnerstag, 01.08.2019, 06:00 Uhr aktualisiert: 01.08.2019, 09:46 Uhr
Der Westfalen-Champion der vierjährigen Springpferde kommt aus Stemwede-Destel: der braune Wallach »Diacor H« vom Zuchthof Hahler, hier mit seiner Reiterin Ann-Katrin Dettmer, RV Frotheim-Isenstedt, bei der Siegerehrung in Münster. Es gratuliert dem erfolgreichen Paar Dr. Jasmin Wiedemann vom Landwirtschaftsverlag.

»Er sprang einfach über jeden Zaun, wenn dahinter frisches Gras lockte«, erinnert sich Ilka Hahler schmunzelnd. »Mit zunehmendem Alter interessierte er sich für die Pferdemädels auf der Weide nebenan. 1,50 Meter überwand er dann mühelos.«

Die Namensgebung

Bereits früh ahnte der Zuchthof Hahler, dass da auf ihrem Hof im Halingerort ein ganz Besonderer heranwuchs. Die Familie sollte Recht behalten: »Diacor H«, dessen Name nach dem Anfangsbuchstaben seines Vaters »Diarado« ausgewählt wurde und den Zusatz »H« als Hinweis auf den Zuchthof Hahler bekam, ist frischgebackener Westfalen-Champion der vierjährigen Springpferde. Diesen Titel errang der Braune jetzt bei der Westfalen-Woche des Westfälischen Pferdestammbuches in Münster-Handorf.

In Friedewalde erfolgreich

Hahlers ließen ihn dort von Berufsreiterin Ann-Katrin Dettmer (Reiterverein Frotheim-Isenstedt) im Parcours vorstellen. »Diacor H« war zuvor schon beim Freispringwettbewerb (über Hindernisse, aber ohne Reiter) in Friedewalde positiv aufgefallen, aber in Münster zeigte er seine ganze Klasse: Er gewann das Finale fehlerfrei gegen starke Konkurrenz mit der sehr hohen Wertnote 8,8 – ein Top-Ergebnis bei maximal möglichen (aber fast nie erreichten) 10,0. Damit ist er auch für das Bundeschampionat im September in Warendorf qualifiziert.

Davon träumt jeder Züchter

Ilka Hahler (45), von Beruf Polizeihauptkommissarin, sowie ihr Ehemann Jochen (49) und Vater Reinhold (72) stehen noch ganz unter dem Eindruck des Tages in Münster. Zwar wachsen auf ihrem bekannten Zuchthof bei jährlich drei bis vier Fohlen immer wieder gute Pferde heran. Zudem sind Hahlers in der Szene als absolut pferdebegeistert bekannt, denn fast alles dreht sich bei ihnen um das Wohl ihrer Tiere. Doch so ein Erfolg wie in Münster – davon träumt jeder Pferdezüchter. »Wir betreiben unser Hobby ja nicht professionell wie die Berufsreiter«, betont Ilka Hahler. »Das wurde uns wieder mal bewusst, als wir mit ›Diacor H‹ auf dem Gelände in Münster eintrafen. Unser kleiner Pferde-Anhänger stand da neben riesigen hochmodernen Pferdetransporter-Lastwagen mit integriertem Wohnabteilen für die Menschen.«

Einfach nur Gänsehaut

Eine pferdebegeisterte Familie: Jochen und Ilka Hahler sowie Reinhold Hahler zeigen die Mutter ihres Champions »Diacor H«, die Zuchtstute »Crystal Rock«. Ihr diesjähriges Fohlen stammt ab vom Springpferde-Vererber »Stakkato Gold« vom Gestüt Sprehe.

Eine pferdebegeisterte Familie: Jochen und Ilka Hahler sowie Reinhold Hahler zeigen die Mutter ihres Champions »Diacor H«, die Zuchtstute »Crystal Rock«. Ihr diesjähriges Fohlen stammt ab vom Springpferde-Vererber »Stakkato Gold« vom Gestüt Sprehe. Foto: Dieter Wehbrink

Doch ihr Pferd zeigte es allen. »Diacor H« wurde bei der Siegerehrung gefeiert. Er nahm gelassen die Streicheleinheiten von Dr. Jasmin Wiedemann vom Landwirtschaftsverlag entgegen, die das Pferd und die Reiterin ehrte. »Unser Pferd hat uns in Münster einfach nur Gänsehaut beschert. Wir waren ja ohne jede Erwartung zum Wettbewerb gefahren«, schwärmt Ilka Hahler. »Auch Ann-Katrin Dettmer hat ihre Sache ganz toll gemacht.« Der Zuchthof vertraute sein Pferd dem meisterlichen Können von Dettmer an und lag damit genau richtig. Eingeritten wurde Diacor H als dreijähriges Pferd allerdings von Ilka Hahler persönlich.

Verlockende Angebote

Gleich nach dem Sieg, noch auf dem Turnierplatz in Münster, tippten bekannte Kaderreiter auf die Schultern der Züchterin, um verlockende Summen für »Diacor H« zu bieten. Die Familie wies die Kaufangebote erst mal zurück, sie will darüber noch in Ruhe nachdenken. »Als Fohlen wollten wir ›Diacor H‹ über die Auktion in Münster vermarkten«, räumt Ilka Hahler ein. »Doch dort haben wir beschlossen, ihn wieder mit zurück nach Destel zu nehmen. Wir waren einfach zu sehr von seinen Qualitäten überzeugt. Er ist mit einem Stockmaß von nur 1,62 Meter zwar ein bisschen klein für einen Warmblüter, hat aber ein großes Kämpferherz und einen tollen Charakter.«

Das war es mit den Damen

Apropos Charakter: Mag »Diacor H« auch noch so gut springen – vererben kann er sich nicht. Als damals das Interesse des pubertierenden Jungspundes an den Pferdedamen zu groß wurde und selbst höhere Zäune kein wirkliches Hindernis für ein amouröses Abenteuer boten, mussten ihn die Hahlers – wie in Pferdebetrieben üblich – vorsorglich kastrieren lassen.

Erfolgreiche Springpferdezucht mit Super-Abstammungen

Die guten Springpferde-Gene des Champions kommen nicht von ungefähr: Wie es sich für eine traditionsreiche westfälische Züchterfamilie gehört, lebt die Mutter von »Diacor H« weiterhin auf dem Hof und hat mittlerweile ihr viertes Fohlen (abstammend vom Hengst »Stakkato Gold«) bei Fuß. »Crystal Rock«, die Schimmelstute, stammt ab vom NRW-Landgestütshengst »Cornado I« – ein Superstar, der mit seinem Reiter Markus Ehning unter anderem zur deutschen Equipe bei den Olympischen Spielen in Rio gehörte. »Crystal Rocks« Anpaarung an Paul Schockemöhles Hengst »Diarado« war die erste und schlug gleich voll ein. Und auch die Großmutter von »Diacor H«, eine Tochter des legendären NRW-Springpferdevererbers »Pilot«, wurde ebenfalls auf dem Zuchthof Hahler gehalten.

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