Oppenweher Unternehmen von Entscheidung der Wrede-Holding betroffen
»keeeper« soll verkauft werden

Stemwede-Oppenwehe (WB). Die Oppenweher Firma »keeeper«, vormals OKT, steht zum Verkauf. Die heimische Firma, einst Ableger von »Sulo«, gehört seit 1991 zu 100 Prozent der Wrede Industrieholding in Arnsberg. Nur diese sei auskunftsberechtigt, hieß es gestern von der »keeeper«-Geschäftsführung in Oppenwehe.

Freitag, 05.04.2019, 02:00 Uhr
Eine ältere Luftaufnahme vom Keeeper-Werk in Oppenwehe. Jetzt soll der Betrieb verkauft werden.

Chef der Holding ist seit Februar Michael Sindram, der gemeinsam mit Jens Bauer das Unternehmen im Geschäftsführungsteam leitet. Sindram und sein Kollege Bauer waren gestern nicht für eine Stellungnahme erreichbar. Nach Informationen dieser Zeitung war bei Wrede Anfang des Jahres ein Generationswechsel in der Geschäftsführung vollzogen worden. Sindram folgte dem langjährigen Geschäftsführer Helmut Schmidt, der 34 Jahre in dieser Funktion tätig war.

Ursprünglich sei geplant gewesen, die Holding durch externe Zukäufe und die Stärkung der »keeeper«-Gruppe in die Zukunft zu führen. Jetzt will sich die Wrede-Holding nicht nur von »keeeper«, sondern auch von ihren weiteren Unternehmen »Arcolor« und »Interprint« trennen. Arcolor fertigt Druckfarben, Interprint stellt Spezialpapiere für die Möbel- und Laminatfußbodenindustrie her.

»Davon habe ich zu Beginn des Jahres Kenntnis erhalten«, sagte der Stemweder Bürgermeister Kai Abruszat auf Anfrage dieser Zeitung. Er habe der Holding in Erinnerung gerufen, dass Rat und Verwaltung der Gemeinde die planerischen Voraussetzungen geschaffen haben, um das Unternehmen in Stemwede zu halten, zu stützen und auszubauen. »Ich würde mir wünschen, dass diese Voraussetzungen vom Unternehmen auch genutzt würden«, sagte der Bürgermeister. »Die Entscheidungen trifft aber die Wrede-Holding«, betonte er.

Konkret geht es auch um ein geplantes Hochregallager. 2014 beschloss der Rat, dass die heimische Firma das 30 Meter hohe Gebäude auf dem Gelände bauen dürfe. Bis jetzt hat sich das Unternehmen noch nicht entschlossen, diese Erweiterung vorzunehmen. Es gebe noch keinen Bautermin, hatte »keeeper«-Geschäftsführer Meik Wolf im Juli 2018 erklärt. »Keeeper« habe entsprechende Lagerflächen angemietet, hieß es zu diesem Zeitpunkt.

Für »keeeper« wünsche sich die Wrede-Holding einen Käufer, der »mit Leidenschaft die Weiterentwicklung begleite«. Es gebe bereits Interessenten, hieß es. Die Holding denke daran, in wenigen Wochen eine Lösung präsentieren zu können.

Die Mitglieder der Gewerkschaft hätten – nach Angaben von IG-Metall Sekretär Lutz Schäffer aus Minden – Angst um ihre Zukunft. Mit der Gewerkschaft habe die Geschäftsführung noch nicht gesprochen, hieß es. Die Betriebsratsvorsitzende wollte gestern in Absprache mit der Geschäftsführung keine Stellung beziehen.

Daten und Fakten

»Keeeper« hat neben dem Standort Oppenwehe ein Werk im polnischen Bromberg. Nach eigenen Angaben werden europaweit 500 Mitarbeiter beschäftigt. Die Zahl der Beschäftigten in Oppenwehe wurde 2018 mit 175 angegeben. Die Wrede-Industrieholding beschäftigt an 12 Produktionsstandorten weltweit 1900 Mitarbeiter und erwirtschaftete nach eigenen Angaben einen Gesamtumsatz von 401 Millionen Euro. Die Gründung der Stiftung führte dazu, dass das Kapital der Gesellschaft gebündelt wurde.

Ein KOMMENTAR von Michael Nichau

Es ist nur zu hoffen, dass das traditionsreiche Unternehmen weiterhin in Stemwede erhalten bleibt. Immerhin hängen fast 200 Arbeitsplätze an dem Hersteller von Kunststoff-Haushaltswaren.

Zur Erinnerung: Vor knapp vier Jahren wollte die Gemeindeverwaltung bereits Baurecht für das damals noch dringlich benötigte Hochregallager schaffen und hat dies nach intensiver Beratung auch verwirklicht. Trotzdem wurde das Bauwerk bis heute nicht errichtet. Deutete sich die derzeitige Entwicklung mit der Gründung der Wrede-Stiftung (ebenfalls 2014) bereits an?

Schon damals fürchtete die Belegschaft, dass das Unternehmen, das vormals als »Sulo« und »OKT« in Oppenwehe eine lange Geschichte hat, sich vielleicht ganz aus dem Ort zurückziehen könnte. Diese Angst scheint sich in Oppenwehe gehalten zu haben.

Darf man glauben, dass die Wrede-Holding tatsächlich einen geeigneten Gesellschafter für das heimische Unternehmen findet? Es bleibt zu hoffen, dass dies – im Interesse der Beschäftigten – auch zutreffen wird. Aus Oppenwehe selbst war gestern keine Stellungnahme erfolgt. Ein schlechtes Zeichen?

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