Akuter Bedarf in Levern: Gemeinderat erwägt provisorische Abhilfe für 2019/2020
Kitaplatz-Notstand spitzt sich zu

Stemwede (WB). Der Druck aus der Elternschaft ist derart stark, dass die Gemeinde Stemwede rechtzeitig zum neuen Kindergartenjahr 2019/2020 reagieren will. Der Gemeinderat lässt durchblicken, dass er in Levern schon zum neuen Kindergartenjahr 2019/2020 eine provisorische Kita-Betreuung erwägt.

Freitag, 08.03.2019, 05:00 Uhr
Wie kann man in Levern möglichst schnell weitere Kita-Plätze schaffen? Diese Frage beschäftigt die Stemweder Lokalpolitik. Foto: dpa

Immer wieder hatten sich Eltern in den vergangenen Wochen bei Bürgermeister Kai Abruszat gemeldet und das Problem erläutert: Es fehlen speziell in Levern Plätze für die Betreuung von Kindern – besonders für jene unter drei Jahren. Die Gemeinde hat das Problem erkannt und dafür auch vom Kreisjugendamt Unterstützung signalisiert bekommen. Insgesamt wurde der Bedarf für 50 neue Plätze in Stemwede vom Jugendhilfehausschuss des Kreises per Beschluss festgestellt.

Neue Räume müssen schnell her

Für Levern ist klar: Neben dem möglichen Provisorium im Herbst müssen so schnell wie möglich neue Kita-Räume her, denn die jetzige AWO-Einrichtung platzt aus allen Nähten und kann an ihrem Standort nicht mehr erweitert werden. Favorit des Bürgermeisters für einen dauerhaften Kita-Standort ist die Sanierung und der Umbau des jetzigen Gemeindeverwaltungstraktes in der früheren Schule. Dort könnten zwei neue Kita-Gruppen – eine für U3- und eine für Ü3-Kinder – untergebracht werden. Die Verwaltung solle im Gegenzug einen Anbau an das Alte Amtshaus erhalten, regt Kai Abruszat an (siehe Bericht unten).

Über die Bürgermeister-Vorschläge und deren erhebliche finanzielle Auswirkungen diskutiert derzeit die Lokalpolitik. Wegen der Eile in Sachen Kindergartenplätze ließ Kai Abruszat dem Rat am Mittwoch im Gasthaus Wilhelmshöhe ein unverbindliches Machbarkeitsmodell für beide Vorhaben präsentieren. Fachbereichsleiter Jörg Bartel trug die wichtigsten Fakten vor.

Zuschuss von 250.000 Euro winkt

Im Falle des Verwaltungstrakt-Umbaus zu Kita-Räumen, die zusätzlich auch von der OGS der Grundschule genutzt werden könnten, bekäme die Gemeinde vom Land NRW einen Zuschuss von 250.000 Euro. Bedingung dafür wäre mindestens ein Eigenanteil der Gemeinde von 150.000 Euro. Allerdings würden 400.000 Euro nicht für einen Kita-Umbau reichen. Kai Abruszat gab jedoch zu bedenken, dass ein Kita-Komplettneubau für zwei Gruppen auf der »grünen Wiese« mindestens 1,2 Millionen kosten würde.

Bei der Umbaulösung stünden verlässliche Mieteinnahmen – gezahlt vom potenziellen Kita-Träger AWO – in Höhe von jährlich 25.000 bis 30.000 Euro zur Verfügung, und dies über 20 Jahre. Am Rande erwähnte Kai Abruszat – er ist auch DRK-Vorsitzender im Altkreis Minden –, dass das DRK überlege, später parallel zur Kita in dem »Noch-Verwaltungstrakt« einen sozialen Dienst einzurichten. In der Diskussion ist eine Ambulanz für Menschen, die an Autismus leiden. Dies würde den Standort in Levern zusätzlich aufwerten und auch Arbeitsplätze schaffen, sagte Abruszat.

Unverbindliche Machbarkeitstheorie

Ein Verwaltungsneubau, mit einem Korridor an das Alte Amtshaus gekoppelt, bringe im Vergleich zum jetzigen Verwaltungstrakt eine Flächeneinsparung von 30 Prozent und eine deutlich verbesserte Kundenfreundlichkeit, sagte Jörg Bartel. Auch für dieses Vorhaben legte er eine unverbindliche Machbarkeitstheorie vor.

Auf Wunsch der SPD-Fraktion nannte Bartel auch die benötigte künftige Gesamtzahl der Verwaltungsmitarbeiter. 49 Beschäftigte habe diese derzeit. Bei seinem Vorschlag habe er vorsorglich vorgesehen, bis zu 57 Arbeitsplätze unterbringen zu können, ohne zu wissen, ob man diese Zahl je benötigen werde, räumte Bartel ein: »Ich habe ja keine Glaskugel.«

Nur grobe Zahlenangaben möglich

Die Ratsmitglieder wollten auch für einen Rathaus-Neubau Kostenschätzungen hören. Auch hier seien nur grobe Zahlenangaben möglich, sagten Bartel und Abruszat. Bei 623 Quadratmetern müsse man mit bis zu 2800 Euro pro Quadratmeter rechnen, also etwa 1,8 Millionen Euro.

»Würde man diese Summe mit einem Kommunalkredit finanzieren, wären 20 Jahre lang jeweils 100.000 Euro fällig. Dann wäre das Objekt abbezahlt«, sagte der Bürgermeister.

Wegen der Eile in Sachen Kindergarten-Plätze versuchte der Bürgermeister, dem Rat bereits einen Beschlussvorschlag zu unterbreiten, der die Planung beider Großprojekte einschließlich eines Architektenwettbewerbs für die Rathaus-Planungen enthielt. Doch hier traten die Fraktionen auf die Bremse. Der Anregung von Abruszat, im September notfalls ein vorläufiges Kita-Provisorium zu etablieren, folgten sie zwar. Doch bei den beiden Bauvorhaben sahen sie nach Bartels Vortrag noch internen Beratungsbedarf.

Grüne schlagen Kita-Neubau im Kalberkamp vor

Andrea Hermann (Grüne) überraschte den Rat zudem: Ihre Fraktion schlug einen Kita-Neubau im künftigen Wohngebiet »Historischer Ortskern« (Kalberkamp) vor. Dies habe ja auch Kai Abruszat in einer ersten Diskussion in Sachen Kita-Notstand erwogen, fügte Grünen-Fraktionskollege Hermann Gesenhues hinzu.

»Den Vorschlag der Grünen muss auch unsere Fraktion erst mal beraten«, sagte Wilhelm Riesmeier (SPD). Michael Baude (CDU) warnte jedoch davor, das künftige Leverner Wohngebiet vorschnell mit einer Kita zu bebauen. »Dort wollen wir doch ein ganz besonderes Wohnen ermöglichen, das sich von anderen Siedlungen abhebt. Die Planungen dafür haben gerade erst begonnen. Natürlich könnten wir dort relativ schnell einen Kindergarten bauen, aber dann wäre die weitere Planung des Wohngebietes schwierig. Dann könnten wir alle Bauplätze wie sonst auch gleich mit vermarkten.«

Ewald Kreienbrock (CDU) ermahnte seine Ratskollegen: »Wir müssen in Sachen Kita in die Pötte kommen. Das Problem drängt.« Schon am 3. April will der Stemweder Rat das weitere Vorgehen in einer eigens anberaumten Sondersitzung erörtern.

 

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