Kreienbrock berichtet über frühere politische Probleme – Rathausstreit wirkt nach
Von Kraftakten, Gegenwind und Streit

Stemwede (WB). »Nach vorne schauen« – das ist das erklärte Ziel der CDU-Ratsvertreter aus dem Bezirk Levern bei »Politik kompakt« gewesen (wir berichteten). Dennoch gab es ganz bewusst einen spannenden Vortrag über Stemweder Probleme in der Vergangenheit.

Dienstag, 15.01.2019, 08:26 Uhr aktualisiert: 15.01.2019, 08:30 Uhr
Soll die Verwaltung das ehemalige Schulgebäude in Levern für Kindergarten-Gruppen räumen und als Ersatz einen Neubau am Alten Amtshaus bekommen? Darum dreht sich zurzeit die aktuelle Diskussion in der Stemweder Lokalpolitik.

Ewald Kreienbrock aus Sundern, 3. stellvertretender Bürgermeister der Gemeinde Stemwede und seit Ende der 70er Jahre kommunalpolitisch aktiv, berichtete den zumeist jüngeren Zuhörern, dass die früheren Ämter und später erst recht die Gemeinde so manche Schwierigkeit meistern mussten. Nicht nur für Ewald Kreienbrock bleibt hier die Kommunale Neuordnung in 1973 in unguter Erinnerung. »Die 13 Ortschaften wurden zu einer Großgemeinde Stemwede zusammengelegt. Niemand wollte das damals«, erinnerte sich der Sunderner.

Gereizte Stimmung

Der Zwangszusammenschluss brachte prompt einen Riesenstreit mit sich, der wegen des geplanten Rathaus-Neubaus in Levern besonders heftig ausgetragen wurde. 200.000 Mark waren damals bereits ausgegeben worden – für den Kauf des Grundstücks und die Bauplanung. Ein Zuschuss-Scheck des Landes NRW von stolzen 2,4 Millionen Mark lag bereit. Alles deutete auf eine Verwirklichung der Pläne hin, doch bei der entscheidenden Abstimmung im Gemeinderat wurde das ganze Projekt aufgrund nur einer knappen Mehrheit von nur einer Stimme gekippt.

Über Jahrzehnte hinweg war die Stimmung in Stemwede gereizt, wenn es um das Thema Rathaus ging. Selbst, als 2014 das Ende der Verwaltungsstelle Dielingen eingeläutet wurde und die Verwaltung dank der Sanierung des Alten Amtshauses endgültig nach Levern zog, gab es Gemurre in den früheren Ämtern Dielingen und Wehdem. Und ganz aktuell bahnen sich womöglich wieder kon­troverse Diskussionen an (siehe Info-Kasten). Bürgermeister Kai Abruszat hatte vor kurzem vorgeschlagen, den Alt-Trakt der Verwaltung in Levern zu räumen, ihn dann zu sanieren und zwei Gruppen der Leverner Kita einziehen zu lassen.

Neuer Streitpunkt oder Harmonie?

Die Gemeindeverwaltung, so regte Abruszat an, solle einen Neubau erhalten, der an das Alte Amtshaus angedockt werden könne. Ewald Kreienbrock begrüßte bei »Politik kompakt« diesen Vorschlag: »Wir schlagen zwei Fliegen mit einer Klappe. Wir schaffen dringend benötigten Platz für zwei Kindergartengruppen und legen die Gemeindeverwaltung endgültig an nur einem einzigen Ort zusammen. Das wäre eine gute Lösung für ganz Stemwede.«

Ratsherr Ewald Kreienbrock

Ratsherr Ewald Kreienbrock

Der Sunderner berichtete in seinem kommunalpolitischen Rückblick auch über heutige Selbstverständlichkeiten, die jedoch seinerzeit eine enorme Kraftanstrengung und viel Überzeugungsarbeit bedeuteten. Beispielsweise die Trinkwasserversorgungsanschlüsse, die Ende der 60er verlegt wurden und sich weit bis in die 70er hinein erstreckten. »Es gab zunächst Gegenwind gegen die öffentliche Trinkwasserversorgung. Sie sei nicht bezahlbar, hieß es«, sagte Kreienbrock. »Damals hatte ja jeder Haushalt einen eigenen Brunnen auf seinem Grundstück, aus dem er sein Trinkwasser pumpte. Über dessen Qualität und die Gefahren für die Gesundheit machte man sich seinerzeit noch nicht so viele Gedanken.«

Finanzielle Herausforderung

Etwa 15 Millionen Mark gab die Politik damals für das 370 Kilometer lange Hauptleitungsnetz aus. Weitere 250 Kilometer für Hausanschlüsse kamen hinzu. Erst seit vier Jahren schreibt die Stemweder Trinkwasserversorgung schwarze Zahlen. Heute gibt es in Stemwede einen Anschlussgrad der Haushalte von 99,5 Prozent.

Eine nicht minder große finanzielle Herausforderung war die Abwasserentsorgung, 1993 vorangetrieben durch den Bau der Zentralen Kläranlage in Wehdem. »Sie kostete 14.5 Millionen Mark. Weitere 23 Millionen kamen für Abwasserleitungen hinzu«, sagte Kreienbrock. »Heute sind 80 Prozent der Stemweder Haushalte an die Kanalisation angeschlossen.«

Noch habe die Gemeinde wegen dieser Investitionen 10 Millionen Euro Schulden. »Wir sind aber auf einem guten Weg, in spätestens 10 Jahren schwarze Zahlen zu schreiben«, betonte der Sunderner.

Für ihn steht fest: »Jeder Haushalt, der die Möglichkeit hat, sollte sich anschließen lassen. Private Kleinkläranlagen kosten die Bürger ebenfalls Geld. Sie müssen gewartet und kontrolliert werden.«

 

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