Familie, Freunde und Weggefährten trauern um Wilhelm Dullweber »Uns bleibt nur, ihm nachzublicken«

Stemwede-Levern (WB). »Keine leichte Aufgabe an so einem sonnigen Tag.« – So hat Pfarrer Ralf Finkeldey aus Levern den Abschied von Pastor Wilhelm Dullweber beschrieben. Am Mittwoch haben Familienmitglieder, Freunde und Weggefährten in der voll besetzten Stiftskirche bei der Trauerfeier das gemeinsamen Zeit gedacht.

Von Michael Nichau
Der letzte Weg: Die »Gilde der Türmer und Nachtwächter«, der Wilhelm Dullweber angehörte, hat den Trauerzug von der Stiftskirche zum Friedhof Levern angeführt. Am Grab wurde das Vaterunser gebeten – natürlich auf Plattdeutsch.
Der letzte Weg: Die »Gilde der Türmer und Nachtwächter«, der Wilhelm Dullweber angehörte, hat den Trauerzug von der Stiftskirche zum Friedhof Levern angeführt. Am Grab wurde das Vaterunser gebeten – natürlich auf Plattdeutsch. Foto: Michael Nichau

Mit dabei waren die Amtskollegen aus Stemwede und Umgebung, um dem beliebten Diakon, Pastor und plattdeutsch-Experten das letzte Geleit zu geben. Auf Wunsch der Familie wurden die Ansprachen – auch aus der Politik – in der Kirche gehalten. »Dann ist er noch dabei«, hieß es. Finkeldey, wie auch die ehemalige Plattdeutsch-Beauftragte der Hannoverschen Landeskirche, Anita Christians-Albrecht, ließen Leben und Wirken von »Dulli«, wie alle Wilhelm Dullweber liebevoll nannten, Revue passieren. Landrat Dr. Ralf Niermann würdigte die politischen und gesellschaftlichen Verdienste des Pfarrers i.R.. »in Rufweite«, wie Dullweber seinen Ruhestand in Levern immer bezeichnete.

Unter dem Wappen der Familie Dullweber, das mit einem aus Nadel und Faden stilisierten »D« auf die berufliche Herkunft des gelernten Schneiders aus Frotheim hindeutet, der einen ungewöhnlichen Weg bis zum Pastorenberuf zurücklegte, war der Sarg aufgebahrt. Ein Foto erinnerte an den Verstorbenen, der auch lange Zeit in der Jugendarbeit tätig war.

»Der Herr hat’s gegeben, der Herr hat’s genommen«

Und so war es kein Zufall, dass das moderne Lied »Ins Wasser fällt ein Stein« den Auftakt zur Trauerfeier bildete. Mitgewirkt haben der Kirchenchor Levern und der Posaunenchor.

»Der Herr hat’s gegeben, der Herr hat’s genommen«, so lautete die kirchliche Tageslosung am Todestag von Wilhelm Dullweber. Zufall? »Es hat alles seine Zeit gehabt«, tröstete Pfarrer Ralf Finkeldey die zahlreichen Gäste. »Uns bleibt nur, ihm nachzublicken.«

Seit dem 19. März sei klar gewesen, dass Wilhelm Dullweber, der im Alter von 83 Jahren starb, schwer erkrankt war, »obwohl er immer als unverwüstlich galt«, sagte Finkeldey. Und auch Pfarrerin Anita Christians-Albrecht, die Dullweber lange Zeit als Mitglied des Arbeitskreises »Plattdeutsch in der Kirche« begleitete, zog Bilanz eines Lebens in dem er »jedem Menschen das Gefühl gegeben hatte: Unser Wilhelm ist ein Stück weit wie wir.«

Geholfen habe ihm dabei oft das Plattdeutsche, das ihm mit einfachen Worten den Zugang zu den unterschiedlichen Menschen verschafft hatte. »Er war immer stolz darauf, etwas erreicht zu haben, aber er verwies immer auf andere, die ihm geholfen haben, allen ­voran seine Ehefrau Christine.

»Pastor mit Leib und Seele«

»Christ, Kirchenmann, Diakon, Pastor mit Leib und Seele«, beschrieb Christians-Albrecht Dullweber, der nach seiner Zeit als Pfarrer in Haldem seit 1997 im Ruhestand in Levern lebte. »Sein Glaube hat sich in seinem Herzen abgespielt und deswegen konnte er ihn auch gut weitergeben«, sagte die frühere Radio-Pfarrerin aus Hannover.

»Es war eine Bereicherung, ihn gekannt zu haben«, würdigte Landrat Dr. Ralf Niermann den Verstorbenen. Dullweber sei jedem mit Respekt und viel Humor begegnet. »Er sah eher Lösungen als Hindernisse«, sagte Niermann. Und so habe Wilhelm Dullweber auch seine Anliegen im weltlichen Bereich »mit entschiedener Freundlichkeit« vertreten.

»Er hat ein herausragendes Engagement für den Glauben und die plattdeutsche Sprache gezeigt und ›den Leuten aufs Maul geschaut‹, wie es Luther einst ausdrückte.«

Und so werde auch der plattdeutsche Aktionstag an diesem Samstag in der Begegnungsstätte Wehdem ganz im Zeichen der Erinnerung an »Dulli« stehen. »Es ist ein Trost, dass Wilhelm Dullweber schon zu Lebzeiten für seine Leistungen ausgezeichnet wurde. Ihm war das aber nie wichtig«, sagte der Landrat. »Bewahren wir uns unsere Erinnerungen.«

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