»Politiker sind nicht im Thema«: Musikschulleiter reagiert auf Vorwürfe Willi Hartmann wehrt sich gegen Kritik

Stemwede (WB). Sinkende Schülerzahlen, hohe Kosten und steigende Verbandsumlagen – heftiger Kritik sieht sich Willi Hartmann, Leiter des Musikschulverbandes Espelkamp-Rahden-Stemwede, ausgesetzt. Zuletzt gab es für ihn im Stemweder Bauausschuss Schelte.

Ärgert sich sehr über die Kritik: Willi Hartmann.
Ärgert sich sehr über die Kritik: Willi Hartmann. Foto: Dieter Wehbrink

Unter anderen beklagte Ratsherr Jürgen Lückermann (FWG) ein fehlendes Konzept von Hartmann, um die Lage zu entschärfen. Im Interview weist Will Hartmann die Vorwürfe entschieden zurück. Mit dem Musikschulleiter sprach WB-Redakteur Dieter Wehbrink.

Herr Hartmann, in der jüngsten Verbandsversammlung ging Rahdens Bürgermeister Bert Honsel öffentlich mit Ihnen hart ins Gericht, und auch im Stemweder Bildungsausschuss wurden deutliche Worte gefunden. In beiden Sitzungen waren Sie nicht zugegen. Wie fühlt es sich an, wenn man diese doch recht scharfe Kritik über sich in der Zeitung lesen muss?

Willi Hartmann: Es fühlt sich nicht gut an. Insbesondere, weil die Herren zeigen, wie wenig sie im Thema sind. Sie sind offenbar außerstande, die Intention der Gründerväter der Musikschule mit deren Kenntnis und Wertschätzung in Bezug auf Musik und musikalische Ausbildung nachzuvollziehen. Aus dieser Warte, ohne jegliche Ambitionen, ist natürlich jeder Euro in die Musikschule fehlinvestiert.

Es entstand aber in keiner der beiden Sitzungen der Eindruck, dass die Qualität des musikalischen Unterrichts kritisiert werden sollte. Im Gegenteil: Sie wurde häufig sehr gelobt. Es geht den Kritikern ausdrücklich um die Zahlen. Haben Sie dafür Verständnis?

Hartmann: Ich verstehe natürlich, dass man Zahlen hinterfragt, sowohl was die finanzielle Situation betrifft als auch die Schülerzahlen.

Was antworten Sie denn den Kritikerin, wenn sie Ihnen unbefriedigende Zahlen vorwerfen?

Hartmann: Sie haben sich nicht intensiv genug mit dem gesamten Zahlenwerk beschäftigt. Viel schlimmer noch: Ich werfe diesen Leuten vor, dass sie das Zahlenwerk nicht richtig beurteilen.

Können Sie dafür mal Beispiele nennen?

Hartmann: Ja, selbstverständlich. Nehmen Sie mal den diffusen Vorwurf, unsere Kosten wären zu hoch. Nehmen wir mal den wichtigsten und gleichzeitig unverrückbaren Kostenpunkt – das Gehalt für unsere tariflich beschäftigen Lehrkräfte. An dieser Summe lässt sich schlichtweg nichts ändern. Ein Beispiel: Wir lagen im Jahr 2008 bei 481.876 Euro und sind im Jahr 2017 immerhin bei 401.488 Euro. Die Minderung ist jedoch keineswegs ein Verdienst irgendeiner Person, sondern dem Umstand zu verdanken, dass zwei Kollegen in den Ruhestand gegangen sind. Darüber hinaus haben wir fünf Honorarkräfte beschäftigt, die ausschließlich nach Arbeitsaufwand bezahlt werden. Das heißt: Wenig Schüler, wenig Honorar! Letztendlich ist dies für die Kasse der Musikschule ein Nullsummenspiel. Wer also der Meinung ist, man könne mit der Musikschule über das derzeitige Maß hinaus in nennenswerter Weise einen höheren Deckungsgrad erzielen, hat das System nicht verstanden.

Sind denn die tariflich beschäftigen Lehrkräfte auch ausgelastet? Theoretisch könnte man ja angesichts der schwierigen Situation in Versuchung geraten, sich von einigen dieser Mitarbeiter zu trennen, um die Kostenseite zu entlasten?

Hartmann: Diese Möglichkeit besteht überhaupt nicht, weil sie durch den garantierten Kündigungsschutz dieser Mitarbeiter so gut wie nicht in Frage kommt. Käme man auf diese Idee, die ich persönlich nicht verfolge, würden sich diese Mitarbeiter vor dem Arbeitsgericht wieder in das Beschäftigungsverhältnis einklagen.

Sehen Sie für sich persönlich überhaupt Einflussmöglichkeiten, um die Zahlen zu verbessern?

Hartmann: Ich habe keinerlei Einfluss auf finanzielle Entwicklungen. Meine Aufgabe ist es, mich um das musikalische Angebot zu kümmern. Deshalb ärgert mich diesbezüglich auch die Kritik an meiner Person.

Ihnen wurde allerdings auch vorgeworfen, dass das Lehrangebot der Musikschule flexibler werden müsse, damit mehr Schüler zu Ihnen kämen und die finanzielle Ertragsseite so verbessert würde. Was sagen Sie diesen Kritikern?

Hartmann: Sie unterstellen, dass es tatsächlich effektive Wege geben könnte, um mit einem Schülerzugewinn gleichzeitig eine bessere finanzielle Situation zu erzeugen. Fest steht, dass unsere tariflich Beschäftigten ausgelastet sind. Würden wir noch mehr Unterricht erteilen, müssten wir diesen durch unsere Honorarkräfte vornehmen lassen. Diese jedoch bekommen ihr Honorar und eine Fahrtkosten-Entschädigung. Das bedeutet: Nennenswerte Einnahmen sind für die Musikschule auf diesem Weg nicht zu erreichen.

Sie beklagten bereits im März während einer Stemweder Fachausschusssitzung, dass die Musikschule unter den Veränderungen in der Schullandschaft leide. Können Sie hierfür ein Beispiel nennen?

Hartmann: Der Ganztagsunterricht nimmt die Schüler immer mehr zeitlich in Anspruch. Wir sprechen ja nicht nur von der Unterrichtszeit, sondern auch davon, dass ein Musikschüler täglich üben muss. Das ist offenbar immer schwieriger mit dem Ganztagsunterricht zu vereinbaren.

Sie stehen ja durchaus auch in Konkurrenz mit privaten Musikschulen. Haben Sie mal Kontakt zu anderen öffentlichen Musikschulen aufgenommen, wie es dort aussieht?

Hartmann: Ich bin in ständigen Kontakt zu Musikschuleiter-Kollegen in OWL. Wir stellen also durchaus Vergleiche an. Den umfassendsten Vergleich haben jedoch meine Kollegen mit den zur Verfügung stehenden Daten des Verbandes Deutscher Musikschulen angestellt. Dieser besagt, dass wir – bis auf die Position der Verwaltungskosten – in einem Durchschnitt bewegen.

Verwaltungskosten sind ein gutes Stichwort. Es ist ja bekannt, dass mit der Verwaltung der Musikschule Mitarbeiter der Stadt Espelkamp beschäftigt sind. Wenn die Verwaltungskosten so hoch sind, liegt es doch nahe, hier den Rotstift anzusetzen, oder?

Hartmann: Das sieht so aus!

Und warum wird es dann nicht gemacht?

Hartmann: Das ist keine Frage, die ich beantworten kann. Gefragt ist hier zunächst mal die Verbandsversammlung, die mich so kritisiert hat. Dieses Gremium bekommt jedes Jahr Zahlenmaterial an die Hand und hat das Recht, nachzufragen. Die Verbandsversammlung – und nicht ich als Leiter der Musikschule – ist ein Organ, das die Macht hat, Verbesserungen bei den Verwaltungskosten durchzusetzen.

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