Der Naturpark Dümmer speichert Kohlenstoff – Zehntausende Kraniche machen Rast Das Moor hat seine Schuldigkeit getan

Stemwede (WB). Moore sind natürliche Kohlenstofflager und dämpfen den Treibhauseffekt. Sie sind ein prägender Teil des Naturparks Dümmer, der an der Grenze zwischen Ostwestfalen-Lippe und Niedersachsen Wasservögeln als Lebensraum und Seglern als nahes Eldorado dient.

Von Dietmar Kemper
Nebel im Moor bei Freistatt. Statt wie früher ausgebeutet zu werden, werden Moore heute renaturiert.
Nebel im Moor bei Freistatt. Statt wie früher ausgebeutet zu werden, werden Moore heute renaturiert. Foto: Hans Heinrich Kellner

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In Nordrhein-Westfalen gibt es zwölf Naturparks und den Nationalpark Eifel. Der Naturpark Sauerland-Rothaargebirge ist mit 3826 Quadratkilometern der größte, der Naturpark Siebengebirge (112) der kleinste.

Allein das Ochsenmoor wird von etwa 280 Vogelarten bevölkert; die Zahl der Enten und Gänse, die am Dümmer überwintern, wird auf 50.000 geschätzt.

Die Zahlen machen deutlich: Am Dümmer herrscht reger Flugverkehr und die Bedeutung als Naturraum ist gar nicht hoch genug einzuschätzen. Flach und feucht: Auf den ersten Blick ähnelt der Naturpark Dümmer den Niederlanden – wenn da nicht die Berge wären.

Die Stemweder Berge im Kreis Minden-Lübbecke und die Dammer Berge in Niedersachsen. Wegen des Kerns aus Kalk sind die Stemweder Berge etwas ganz Besonderes und erinnern an ein mehr als 220 Millionen Jahre altes Meer. Noch heute können Wanderer im Buchenwald Fossilien aus der Kreidezeit finden.

Dümmer ist noch blutjung

Im Vergleich dazu ist der Naturpark Dümmer 50 Kilometer nördlich von Osnabrück blutjung. Er wurde 1972 gegründet, ist 1123 Quadratkilometer groß und weist 712 Kilometer Rad-, 304 Kilometer Wander- und 78 Kilometer Reitwege auf.

Naturschutzgebiete machen 13 Prozent, Landschaftsschutzgebiete 23 Prozent aus. Auf nordrhein-westfälischem Gebiet liegen 132 Quadratkilometer des Naturparks, um den sich neben dem Kreis Minden-Lübbecke die Landkreise Diepholz und Vechta kümmern. Zudem erfasst der Naturpark einen Teil des Gemeindegebiets von Bohmte. Der Sprecher der Naturparks in NRW, Harald Sauer, nennt Naturparks ein Beispiel für »geübte Kooperation« über Kreisgrenzen hinweg.

Moore speichern Kohlenstoff

Mühlen und Idylle

Der Naturpark Dümmer ist mehr als Wasser, Moor und Kraniche. Im Dümmer-Museum in Lembruch können sich die Besucher über Geschichte und Kultur der Region informieren. Mit der Bedeutung der Moore befasst sich das Erlebniszentrum »Moorwelten« Weitere Informationen: www.naturpark-duemmer.de .

Die höchste Erhebung (141 Meter) der Dammer Berge heißt Mordkuhlenberg. Wer vom Aussichtsturm den Blick schweifen lässt, sieht die Diepholzer Moorniederung mit 20 Hoch- und Niedermooren. 1000 Hektar Moor umfasst der Naturpark.

Wer das Erlebniszentrum »Moorwelten« in Wagenfeld–Ströhen besucht, erfährt etwas über die gewaltige Bedeutung der Moore für den Menschen und das Klima. »Moore speichern einen hohen Anteil von Kohlenstoff. Obwohl sie nur drei Prozent der Erdoberfläche bedecken, speichern sie doppelt so viel Kohlenstoff wie alle Wälder zusammen«, weiß der Geschäftsführer des Naturparks Dümmer, Detlef Tänzer.

Wer sie ausbeute und trockenlege, trage zum Treibhauseffekt bei. In der Vergangenheit wurden die Moore intensiv ausgebeutet: Torf diente als Heizmaterial und Substrat für Gemüse­pflanzen. Im Naturpark Dümmer werden Moore renaturiert und dadurch zu einem idealen Lebensraum für durchreisende Vögel.

Pardies für Ornithologen

Tänzer empfiehlt, das Oppenweher Moor in Stemwede, eines der zehn wichtigsten Feuchtwiesengebiete in NRW und Teil der Diepholzer Moorniederung, zu besuchen: »Dort kann man die Wanderung der Kraniche beobachten.« Von Oktober bis Anfang Dezember steuern bis zu 100.000 Kraniche den Landstrich an, um dort zu rasten und zu brüten.

Am Dümmer tummeln sich Kraniche. Foto: Oliver Lange

Der Naturpark ist Zwischenstation auf dem langen Weg von Sibirien nach Spanien. Für Ornithologen ist die Landschaft ein Paradies: Sie entdecken mit ihren Feldstechern nicht nur Kraniche, sondern Bekassinen, Teichrohrsänger, Saatgänse oder Goldregenpfeifer. Große Augen bekommen sie, wenn sie in den Huntebruchwiesen mit der Kamera einen Fischadler im Flug festhalten. Allein acht Vogelbeobachtungsrouten sind im Naturpark angelegt.

Über die Schulbücher hinaus

Tänzer will aber nicht immer mehr Aussichtsplattformen schaffen – als Ziel des Naturparks bezeichnet er »Wissensvermittlung«. Über das Moor und vieles mehr. Dabei hat er vor allem die Kinder im Auge.

Der Naturpark mit seinen 40 zertifizierten Natur- und Landschaftsführern kooperiert etwa mit der Stemweder-Berg-Sekundarschule. »Kinder erleben draußen die Natur ganz anders als in Schulbüchern«, sagt Tänzer und erinnert sich an eine Teichsanierung, nach der sich sogar wieder Feuersalamander ansiedelten.

Dümmersee als Touristenmagnet

Den Namen verdankt der Naturpark dem Dümmersee, Anlaufpunkt für Wassersportler und Schwimmer. Im Olga-Hafen liegen die Boote, an den drei Badestränden in Lembruch und Hüde die Menschen.

Segelboote liegen im Olgahafen. Der Dümmersee ist bis zu 1,50 Meter tief. Foto: Hans Heinrich Kellner

Bis zu 400.000 strömen jedes Jahr zum Dümmersee. Baden können sie offenbar unbesorgt. Aktuelle Messungen haben laut Tourismusverband Dümmerland eine »sehr niedrige Belastung von Enterokokken und E-Coli Bakterien« ergeben. Das Badewasser sei gemäß der EU-Standards »ausgezeichnet«. Auch beim Thema Blaualgen könne Entwarnung gegeben werden.

Bisher erschienen

Teil 1: Naturparks:  Rückzugsorte für Mensch und Tier

Teil 2: Der Naturpark Teutoburger Wald/Eggegebirge –  Wald macht gesund

Teil 3: Eifel –  Der einzige Nationalpark in NRW

Nächste Folge: der Naturpark Arnsberger Wald.

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