Stefan Bulk beringt ältestes Jungtier in Niederheide – Fünf Paare brüten in Stemwede Storchen-Vierlinge gedeihen prächtig

Stemwede (WB). Eigene Namen, so wie zum Beispiel in Dielingen, haben die Störche aus dem Horst bei Dieter Pape in der Niederheide im Stemweder Ortsteil Levern zwar nicht. Einen »Personalausweis« hat das älteste, viereinhalb Wochen alte Küken am Freitagabend in zehn Metern luftiger Höhe aber dennoch erhalten.

Von Mareile Mattlage
Stefan Bulk vom Aktionskomitee »Rettet die Weißstörche« präsentiert den Ältesten der vier Jungstörche (viereinhalb Wochen) aus dem Nest in der Niederheide.
Stefan Bulk vom Aktionskomitee »Rettet die Weißstörche« präsentiert den Ältesten der vier Jungstörche (viereinhalb Wochen) aus dem Nest in der Niederheide. Foto: Mareile Mattlage

»Das Männchen ist am 17. Februar bei uns eingetroffen und neu hier. Das Weibchen kam am 24. Februar und brütete zum zweiten Mal in Levern«, weiß Erwin Pape, der das Geschehen im Horst gegenüber von seinem Haus genau beobachtet und dokumentiert hat. Dass der Leverner so exakte Angaben über die Tiere machen kann, verdankt er ihren »Personalausweisen«, also kleinen Ringen mit Nummern, welche die Störche am Bein tragen.

Nest ist seit 2013 regelmäßig besetzt

»Um den 24. März herum hat das Paar angefangen zu brüten. Ab dem 4. Mai sind dann fünf Jungstörche geschlüpft. Am 22. Mai ist einer von ihnen aus dem Horst gefallen, seitdem sind es nur noch vier«, erzählt Erwin Pape. Die Störche liegen ihm und seiner Familie am Herzen. Nachdem der Horst Anfang der 2000-er Jahre aufgestellt worden war, blieb er zunächst elf Jahre leer. 2013 ließen sich erstmals Störche nieder, seitdem war das Nest jedes Jahr besetzt.

Nur ein Ring pro Nest verfügbar

Am Freitag hat nun auch der aktuelle Nachwuchs einen »Ausweis« erhalten. Pro Nest gibt es allerdings nur einen Ring, weil mehr nicht zur Verfügung stehen, hieß es. Stefan Bulk, Vorstandsmitglied vom Aktionskomitee »Rettet die Weißstörche im Kreis Minden-Lübbecke«, war vorbei gekommen, um die Beringung und Brutbestandserfassung vorzunehmen. Ein interessantes Ereignis, das sich auch ein paar Urlauber vom Campingplatz bei Rila nicht entgehen lassen wollten und von einer Bank bei Erwin Pape aus beobachteten: Mit dem von Detlef Spechtmeier gesteuerten Hubwagen ging es hinauf in zehn Meter Höhe zu den flauschigen Jungtieren mit ihren noch schwarzen Schnäbeln.

Jungtiere stellen sich tot

Hatten sie eben noch frech die Hälse gereckt und sich lautstark über ihre leeren Bäuche beschwert, stellten sie sich nun schlagartig tot. Eine übliche Strategie, um für eventuelle Feinde uninteressant zu wirken. Erstaunlich regungslos ließen sie sich streicheln und auf den Arm nehmen. Ein Elternteil, das einmal vorbei flog, störte das scheinbar kaum: Das Vertrauen gegenüber Menschen scheint groß zu sein.

»Die Störche sind dieses Jahr bereits Mitte Februar, also schon sehr früh zurück gekommen«, berichtet Stefan Bulk. Dies führt der Experte darauf zurück, dass viele Störche wegen der Nahrungssituation häufig in Spanien und nicht mehr in Afrika überwintern und somit kürzere Wege haben. Einige wenige würden den Winter auch hier verbringen.

Auch in Dielingen gibt es Storchennachwuchs

Das Aktionskomitee »Rettet die Weißstörche« besteht in 2017 seit 30 Jahren. Passend zum runden Geburtstag kann auch ein Rekord verzeichnet werden: Im Kreis Minden-Lübbecke wurden in diesem Jahr 64 Brutpaare gezählt. Zuletzt hatte es mit 108 ausgeflogenen Jungvögeln im Jahr 2015 einen Rekord gegeben. »In Stemwede haben wir aktuell fünf besetzte Nester«, berichtet Stefan Bulk weiter. Und zwar neben Levern auch noch in Destel (drei Jungstörche), Niedermehnen (drei Jungstörche), Dielingen (zwei Jungstörche) und Oppenwehe (vier Jungstörche). Bis auf die Tiere in Dielingen seien alle Einheiten bereits beringt.

Ein Paar beginnt zu spät mit dem Brüten

Im Altkreis Lübbecke befinden sich 19 Brutpaare sowie ein Horstpaar, dass zu spät mit dem Brüten begonnen hat und in diesem Jahr vermutlich keinen Nachwuchs bekommt. Zu den fünf Stemweder Brutpaaren kommen noch sieben Brutpaare in Lübbecke, vier Brutpaare sowie ein Horstpaar in Espelkamp, ein Brutpaar in Rahden, ein Brutpaar in Oldendorf und ein Brutpaar in Hüllhorst hinzu.

Ein Teil der hier geborenen Weißstörche bleibt in den Folgejahren laut Bulk voraussichtlich im Kreis, andere wandern nach Niedersachsen oder noch weiter ab. Dafür kämen andere rein, etwa aus Süddeutschland oder Holland. »In Niedermehnen haben wir sogar ein Weibchen aus Schweden«, sagt Bulk. Angaben, die dank des Fußrings möglich werden.

Reizthema Windkrafträder

Ein weiteres Thema am Freitagabend in der Niederheide waren die fünf Windkraftanlagen in Preußisch Oldendorf, die nicht weit entfernt von Erwin Papes Haus stehen und von dort gut zu sehen sind. Man wunderte sich, dass sich die Räder noch immer drehen, wo doch das Oberverwaltungsgericht (OVG) Münster die Genehmigung für die Anlagen kürzlich einkassiert hat.

Warten auf rechtskräftiges Urteil

Die Pressestelle des Kreises Minden-Lübbecke antwortete auf Anfrage dieser Zeitung: »Die Entscheidungen des Oberverwaltungsgerichtes sind derzeit noch nicht rechtskräftig. Insbesondere der Anlagenbetreiber hat die Möglichkeit, sich mit einer Nichtzulassungsbeschwerde an das Bundesverwaltungsgericht zu wenden. Die Frist dafür läuft innerhalb eines Monats nach Zustellung des vollständigen Urteils ab«, sagte Kreis-Pressesprecherin Sarah Golcher. »So lange die Entscheidungen noch nicht rechtskräftig sind, kann das Betreiben der Windkraftanlage ordnungsbehördlich nicht untersagt werden.«

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