Historische Figuren aus Levern gestalten einen informativen Abend in der Kirche Zeitreise bietet viel Humor

Stemwede (WB). Wenn historische und aktuelle Bewohner Leverns aufeinander treffen, ist das vor allen Dingen eins: überaus amüsant. Das stellten diejenigen fest, die in der Stiftskirche Zeuge einer Zeitreise der besonderen Art wurden.

Von Charlotte Peitsmeier
Auch musikalische Darbietungen hat es in der Leverner Stifstkirche gegeben. Stilecht haben Akteure wie Kerstin Speckmeier und Rüdiger Lusmöller ihre Rollen gespielt.
Auch musikalische Darbietungen hat es in der Leverner Stifstkirche gegeben. Stilecht haben Akteure wie Kerstin Speckmeier und Rüdiger Lusmöller ihre Rollen gespielt. Foto: Peitsmeier

Da wird aus »Ein feste Burg ist unser Gott« schon mal »All you need is love«. Die Versuche einer Stiftsdame, einen heiratsfähigen Mann zu finden, werden als Geburtsstunde des »Bachelors« genannt. Henriette Davidis’ »Tausendjahrkuchen« trifft auf »Dr. Oetker« und (der vor 70 Jahren verstorbene) Leverner Nachtwächter Friedrich Schwengel erobert die Damenherzen.

Lange Geschichte

»Wir werden die 1000-jährige Geschichte Leverns in kurzen Abschnitten näherbringen«, hatte Wilfried Bartsch, der die Besucher als Moderator mit seinem »roten Faden« durch die Zeiten führte, zu Beginn des Abends angekündigt. Dabei verschwieg er jedoch, dass die Gäste aus der Vergangenheit ihren ganz eigenen Kopf haben. Besonders die kecke Magd »Lottchen« (Kerstin Speckmeier) brachte die etwa hundert Zuschauer in der Stiftskirche mit spontanen Einlagen zum Lachen. So musste sich ein Besucher, dessen Smartphone klingelte, nach Lottchens Ausruf »Teufelswerk« zunächst einmal einer eingehenden Untersuchung unterziehen.

Fragen an die Gegenwart

Während die Zuschauer von den Zeitreisenden auf humorvolle Art so einiges Wissenswertes über ihre Heimat erfuhren, hatten auch die aus den Ortsführungen bekannten Figuren einige Fragen an die Leverner der Gegenwart. »Lohnt es sich, in den Stand der Ehe einzugehen?«, wandte sich etwa die verunsicherte Stiftsdame an eine Levernerin in der ersten Reihe und stellte nach deren Antwort fest: »Das klingt nicht sehr überzeugend«. Dennoch stimmten alle gemeinsam in »All you need is love« ein – wobei den Stiftsdamen der Beatles-Klassiker im Gegensatz zum ihrer Meinung nach »gerade neu herausgekommenen« »Ein feste Burg ist unser Gott«, das Martin Luther zur Reformationszeit schrieb, noch unbekannt war.

Kritische Stimme

Die Einzige die sich trotz der spannenden Historie des Stiftortes in Levern nicht so recht wohlzufühlen schien, war eine Dame aus Münster (Anneliese Fischer) die auf ihrer verzweifelten Suche nach dem Schwefelbad immer wieder in die Geschichte der Zeitzeugen platzte und dafür von Wilfried Bartsch viel Spott einstecken musste.

»Das ist etwas Fürchterliches mit diesem Dorf«, schimpfte sie, bevor sie am Ende des Abends auf Nachtwächter Friedrich Schwengel traf. Bis ins Jahr 1937 beschützte dieser als letzter Nachtwächter Deutschlands die Leverner – und kann auch heute noch nicht tatenlos zusehen, wenn eine Frau in Not ist. Als dann am Ende des Schauspiels alle Besucher ein spontanes Geburtstagsständchen für Anneliese Fischer sangen, konnte sich die »Münsteranerin« doch noch für die Leverner begeistern.

Getränke und Lieder

Weil es sich beim 24. Juni um einen der längsten Tage des Jahres handelt, sollte die Zeitreise noch lange nicht das Ende des Abends bilden. Bei Getränken und schwungvollen Bänkel- und Küchenliedern in den Gewölbekellern fanden die historischen und die gegenwärtigen Leverner in der Johannisnacht noch einen weiteren gemeinsamen Nenner: Es lässt sich gut miteinander feiern.

»Ich bezahl euch Taler bar, wer beweist es ist nich wahr« – Kerstin Speckmeier als Lottchen und Spielmann Rüdiger Lusmöller wussten das Publikum zu unterhalten, wie mit einer Moritat.

Die Stiftsdamen (Ingrid Hölscher und Antje Egbert mit Tochter Lotta), die aus der Barockzeit ins heutige Levern kamen, begutachteten die aktuellen Dorfbewohner mit Skepsis.

Ein schönes Paar

Aus dem 19. Jahrhundert kam Deutschlands berühmteste Kochbuchautorin Henriette Davidis (Karin Klanke). In Begleitung von Martina Holle brachte sie dem Publikum Kuchen mit.

Nachtwächter Wilfried Schwengel (Horst Stegemöller) geleitete die Damen Elke Lamburn und Anneliese Fischer zuletzt sicher nach Hause.

Auch wenn sie sich zu Beginn des Schauspiels in die Weißglut getrieben haben: Moderator Wilfried Bartsch und Anneliese Fischer als Dame aus Münster geben am Ende ein schönes Paar.

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