19 Gründungsmitglieder – Gespräch mit Bezirksregierung angestrebt Verein »Bildung für Stemwede« kämpft für den Schulstandort

Stemwede (WB). Es ist geschafft: 19 Mitglieder, unter ihnen drei so genannte juristische Personen (etwa das Heilpädagogische Kinderhaus) haben den Verein Bildung in Stemwede e.V. gegründet. Er soll nun ins Vereinsregister eingetragen werden.

Von Dieter Wehbrink
Das sind die in der Gründungsversammlung von »Bildung in Stemwede« gewählten Vorstandsmitglieder und Kassenprüfer (von links): Thomas Ramm, Andreas Uhtbrok, Tanja Nolting, Ullrich Kettler, die Vorsitzende Melanie Gutt, Lars Schulz, Uta Gesenhues und Christian Liedtke.
Das sind die in der Gründungsversammlung von »Bildung in Stemwede« gewählten Vorstandsmitglieder und Kassenprüfer (von links): Thomas Ramm, Andreas Uhtbrok, Tanja Nolting, Ullrich Kettler, die Vorsitzende Melanie Gutt, Lars Schulz, Uta Gesenhues und Christian Liedtke.

Das Finanzamt hatte vorab signalisiert, dass der Verein als gemeinnützig anerkannt wird.

Ziel ist laut Satzung die Stärkung der Bildungslandschaft in Stemwede. Vorrangig jedoch – und dies ist zugleich der Hauptanlass der Gründung – will der Verein unter Leitung ihrer gewählten Vorsitzenden Melanie Gutt (siehe Info-Kasten) versuchen, angesichts sinkender Schülerzahlen den weiterführenden Schulstandort (Sekundarstufe 1) in Stemwede dauerhaft zu erhalten. Dies schließt laut Satzung nicht aus, dass »Bildung in Stemwede e.V.« auch einen Träger für eine private Gesamtschule sucht oder die Trägerschaft sogar selbst übernimmt (wir berichteten).

Erste Pläne gefasst

Der Vorstand wird jetzt weitere Vorschläge erarbeiten. Sie sollen den Mitgliedern und weiteren interessierten Bürgern am kommenden Mittwoch, 29. Juni, von 19.30 Uhr an im Wehdemer Life House vorgestellt werden.

Einige Maßnahmen stehen schon jetzt fest. So schlug Ratsmitglied Jürgen Lückermann (FWG) vor, dass der Verein das Gespräch mit der Bezirksregierung suchen soll, die sich gegen die Stemweder Gesamtschulpläne des Vereins INI hartnäckig gesträubt hatte. »Die Bezirksregierung soll uns erklären, wie wir bei sinkenden Schülerzahlen den Wehdemer Standort über 2020/2021 hinaus halten können«, sagte Lückermann. »Ein Teilstandort im Verbund mit einer Schule in einer anderen Kommune hätte meiner Meinung nach keinen langen Bestand. Und Glauben und Hoffen, wie es uns unsere Kritiker immer weismachen wollen, bringt uns nicht weiter.«

Skepsis überwiegt

Deutlich wurde während der Gründungsversammlung, dass der neue Verein keinen Gegenpol zur bestehenden Sekundarschule bilden will. Es sei natürlich optimal, wenn diese Einrichtung dauerhaft und uneingeschränkt weiterexistieren könnte, hieß es. »Vielleicht gibt uns die Bezirksregierung ja diesbezüglich das Signal, dass man Stemwede nicht hängen lässt«, hoffte Vorstandsmitglied Ullrich Kettler. Doch daran glauben die Mitglieder aufgrund der aktuellen Schülerzahlenprognosen und des Debakels mit der INI nicht so recht.

Dass vor dem Verein eine gewaltige Aufgabe liegt, machte Vorstandsmitglied Andreas Uhtbrok deutlich. Der Rechtsanwalt aus Wehdem verwies auf den Zeitdruck, unter dem der Verein jetzt steht. Schließlich prognostiziert die Stemweder Gemeindeverwaltung der Sekundarschule schon ab 2018/19, spätestens aber 2020/2012 erhebliche Probleme: »Es gibt zu wenig Kinder in Stemwede, um nach jetzigem Recht dauerhaft eine eigenständige Schule weiterführende Schule betreiben zu können«, warnte Schulamtsleiter Jörg Bartel bereits mehrfach

Teilstandort keine Lösung

Auch Andreas Uhtbrok sieht eine Teilstandortlösung der Sekundarschule nicht als erfolgversprechend an. »Das machen die Eltern nicht mit. Sie melden ihr Kind woanders an, denn sie möchten während der sechsjährigen Sek-I Zeit Kontinuität haben.« Für das aktuelle Schuljahr habe die Rahdener Sekundarschule zwar keine Stemweder Kinder aufgenommen, aber auch in Rahden würden die Schülerzahlen sinken. Schon bald könnten Stemweder Kinder in Rahden sehr begehrt sein, meinte Uhtbrok.

Den Kritikern von Stemweder Gesamtschulplänen warf Andreas Uhtbrok vor, dass sie selbst keine konstruktiven Vorschläge für den langfristigen Sekundarschulerhalt in Wehdem gemacht hätten.

Der Rechtsanwalt sieht es als große Herausforderung an, wenn der Verein tatsächlich die Trägerschaft für eine private Schule übernehmen müsste. Uhtbrok hatte entsprechende Recherchen angestellt. Die jetzige Vereinssatzung reiche dafür nicht aus. Dann müsse man über die Gründung einer anderen Rechtsform nachdenken. Außerdem sei er nach dem Scheitern der INI-Pläne sehr skeptisch, dass die Bezirksregierung jetzt plötzlich positive Signale aussenden werde. »Sie hat kein Interesse daran, in Stemwede ein Paradebeispiel zu schaffen, das Signalwirkung für viele andere Kommunen hat. Dies kostet dem Land NRW viel Geld«, urteilte Uhtbrok.

Kontakt mit Vereinen

Schon jetzt steht fest, dass »Bildung für Stemwede e.V« schnell Kontakt mit den Vereinen schaffen und auf die Grundschul-Eltern zugehen will. Der neue Zusammenschluss betrachtet die Vereine als Verbündete im Kampf um den Erhalt des Schulstandorts in Wehdem. Sie profitierten schließlich davon, wenn es in der Gemeinde noch Kinder gebe, die zu den Übungsstunden kommen könnten, hieß es. Andreas Uhtbrok wies darauf hin, dass die Schüler beim Wegfall des Wehdemer Standortes lange Wege in die Nachbarkommunen auf sich nehmen müssten.

Nachteile für Stemwede

Erneut warnten die Mitglieder eindringlich vor den Gefahren für die Stemweder Gemeindeentwicklung. Breche die Bildung in der Gemeinde weg, habe auch die lokale Wirtschaft damit ein Problem. Und Zuzüge von Familien nach Stemwede bei gleichzeitig sehr erfolgreich expandierenden Nachbargemeinden Lemförde und Bohmte seien kaum noch zu erwarten, meinten die Vereinsgründer. Zudem würden Altgebäude rapide an Wert verlieren und nicht mehr zu verkaufen sein.

Nachdem die 19 Mitglieder schriftlich ihren Beitritt in »Bildung in Stemwede« besiegelt hatten, gab es Applaus für die Vereinsgründung. Der Jahresbeitrag soll 12 Euro betragen.

Ablauf und Namen des Vorstands

Lars Schulz hatte im Namen des Gastgebers Life House zunächst die Versammlungsleitung übernommen. Klaus Riechmann, Vorsitzender des Vereins für Jugend, Freizeit und Kultur (JFK), führte das Protokoll. Zur Vorsitzenden für vier Jahre wurde Melanie Gutt aus Levern gewählt. Die 38-jährige Arzthelferin und Mutter ist – wie auch andere Mitglieder – sehr enttäuscht, dass es zum kommenden Schuljahr keine private Gesamtschule in Stemwede gibt. Ihre Stellvertreter im Amt sind der 49-jährige Betriebswirt Ullrich Kettler und die – in Abwesenheit gewählte Kati Sternberg, Leiterin der Offenen Ganztagsgrundschule in Levern. Beide sind für vier Jahre gewählt, während der dritte stellvertretende Vorsitzende, Lars Schulz, sein Amt laut Satzung für zwei Jahre übernimmt. Schulz, Vater von vier Kindern, ist Angestellter des JFK. »Ich habe ein großes Interesse daran, dass der Schulstandort für die Sek II in Stemwede weiter garantiert ist. Daran hängt so vieles, auch das Life House oder die Stemweder Ferienspiele«, sagte Schulz, der in Vlotho wohnt. Kassiererin ist Tanja Nolting aus Oppenwehe, von Beruf Schulbegleiterin. Beisitzer sind Rechtsanwalt An­dreas Uhtbrok und der Di­plom-Sozialarbeiter Thomas Ramm (Vertreter von drei Institutionen von Lothar Pannen, etwa dem Heilpädagogischen Kinderhaus). Die Kassenprüfung übernehmen Uta Gesenhues aus Twiehausen (Leiterin der Schule Mindener Wald) sowie Christian Liedtke aus Haldem.

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