Gemeinde steht vor finanziellem Aufwand – Fünf Gerätehäuser sollen neu gebaut werden Gutachter empfiehlt acht Standorte

Stemwede (WB). Fünf neue Feuerwehrgerätehäuser? – Wenn die Verwirklichung tatsächlich klappt, kann die Gemeinde Stemwede gut ausgestattet den kommenden zehn Jahren entgegenblicken. Dem voraus gehen allerdings hohe finanzielle Aufwendungen für die Kommune, wie auch Bürgermeister Kai Abruszat eingesteht.

Von Michael Nichau
In die Jahre gekommen ist auch das Gerätehaus in Wehdem. Der Neubau gemeinsam mit Westrup verzögert sich.
In die Jahre gekommen ist auch das Gerätehaus in Wehdem. Der Neubau gemeinsam mit Westrup verzögert sich. Foto: Michael Nichau

Die Zusammenlegung mehrerer Löschgruppen steht auf dem Plan. Und diesem schließen sich Wehr- und Löschgruppenführung an. Denn letztlich hat Planer Jens Petri von der Firma Orgakomm, die mit der Erstellung des »Zukunftsplans der Feuerwehr«, dem Brandschutzbedarfsplan für die kommenden zehn Jahre beauftragt wurde, den Wehrleuten unmissverständlich klargemacht, dass der demografische Wandel auch an der Feuerwehr nicht vorübergehen wird.

Schutz-Ziel definiert

Für den Feuerschutz gelten bestimmte Ansprüche. Und die mus auch die ehrenamtliche Wehr einhalten. Zwar hat die Bezirksregierung Detmold den Anspruch, dass acht Minuten nach Alarmierung zehn Wehrleute mit einem Fahrzeug an Brandort sein müssen, etwas abgeschwächt, dennoch steht diese Marge im Raum.

Und so hat die Firma Orgakomm die Einsatzberichte der Stemweder Löschgruppen ausgewertet. Das Fazit: In den vergangenen drei Jahren wurde dieser Anspruch nur zu 37 Prozent erfüllt und bei 83 Brandeinsätzen die Regel nur in 31 Fällen eingehalten. Zwar sei die Einsatzdokumentation nicht immer ganz genau geführt worden, dennoch merkte der Planer an, dass sich in Stemwede etwas tun müsse.

Einsätze simuliert

Orgakomm ließ also Simulationen durchlaufen, welche Straßen in Stemwede von den bisher vorhandenen 13 Gerätehäusern in welcher Zeit erreicht werden können. Zusätzlich spielte die Frage der Mindestanzahl der ausrückenden Wehrleute eine Rolle.

»Wir haben viele kleine Löschgruppen, die vor allem in der Hauptarbeitszeit nicht immer die vorgeschriebenen zehn oder neun Mann für den Ersteinsatz in acht Minuten stellen können«, fasste Petri zusammen.

Abhilfe könne – so das Ergebnis der Analyse – nur eine Zusammenlegung von Standorten und damit auch eine Erhöhung der Personalstärke an diesen Gerätehäusern sein, merkte der Geschäftsführer an.

13 Gebäude

Er habe alle 13 Gerätehäuser der Wehr angeschaut und zu dem Schluss gekommen, dass viele von ihnen – gebaut in den 60er Jahren – den heutigen Ansprüchen nicht mehr genügten. Auch durch mittelfristige Maßnahmen sei nicht viel zu machen, denn die Wehr-Fahrzeuge würden immer größer und passten künftig nicht mehr in die zu kleinen Garagen.

Auch die Lagerung der Einsatzbekleidung – oft hängen die Jacken, Hosen und Helme in der Fahrzeughalle – sei nach heutigen Erkenntnissen aus Gründen des Arbeitsschutzes nicht mehr angeraten. Diesel-Abgase belasteten die Kleidung zusätzlich, merkte der Gutachter an.

Zusammenlegung

Er kam damit zu einer genauen Standortanalyse: Oppenwehe und Oppendorf seien als Solo-Standorte gesetzt. Oppendorf ist gerade neu errichtet worden. In Oppenwehe müsse eine Fahrzeughalle angebaut werden.

Zusammenlegungen empfiehlt Jens Petri für die Löschgruppen Haldem und Arrenkamp (an der Ilweder Straße oder als Anbau an das Haldemer Gerätehaus), Dielingen und Drohne (Neubau auf dem gemeindeeigenen Grundstück »In der Toplage«), Wehdem und Westrup (Neubau an der Stemwederberg-Straße oder am Steinkamp), Sundern, Levern und Niedermehnen (Neubau an der L 770, Butenbohm).

Als eigene Standorte erhalten werden sollen Twiehausen und Destel. Für Destel empfiehlt der Planer allerdings ebenfalls die Errichtung eines Neubaus. So bleiben am Ende von 13 noch 8 Standorte übrig.

»Insgesamt erreichen wir eine flächendeckende Versorgung des besiedelten Gebiets der Gemeinde. Auch die entsprechenden Personalstärken werden durch die Zusammenlegungen gewährleistet«, fasste Petri zusammen.

Gleichzeitig bauen

Für die nahezu gleichzeitige Errichtung der Neubauten hat die Gemeindeverwaltung Kontakt zur ÖPP Deutschland GmbH aufgenommen (die STEMWEDER ZEITUNG berichtete). Stemwedes Bürgermeister sieht so kalkulierbare Kosten auf die Gemeinde zukommen.

Mit weiteren Kosten rechnet allerdings die Orgakomm: Das durchschnittliche Alter der Feuerwehrfahrzeuge sollte zehn Jahre betragen, argumentierte er. Der Ist-Zustand in Stemwede: 10,8 Jahre. Und so sieht der Planer »einen gewissen Handlungsbedarf«. Er kalkuliert mit Aufwendungen für die Fahrzeuge in Höhe von 264 000 Euro pro Jahr für die kommenden zehn Jahre.

»Der Fahrzeugbestand in der Gemeinde wird sich allerdings kaum verändern. Es müssen lediglich einige Fahrzeuge aus einsatztaktischen Gründen getauscht werden«, sagte Petri.

Kosten einsparen

»Trotz der anfänglichen Investitionen wird sich langfristig eine Kostenreduzierung ergeben«, prognostiziert der Orgakomm-Geschäftsführer.

Bürgermeister Kai Abruszat sprach sich im Hauptausschuss deutlich für die fast gleichzeitigen Neubauten aus. »Es wird dadurch Einsparungseffekte geben. Außerdem versprechen wir uns durch den Bau aus einer Hand auch zukünftig fest zu kalkulierende Kosten«, sagte er. »Wir brauchen Planungssicherheit und die Wehrleute der Gemeinde haben einen Anspruch darauf, dass es weitergeht und dass sie zeitgemäß untergebracht werden.«

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