„Aktionsbündnis lebenswertes Rahden“ kritisiert Regionalplan für die Auestadt – Knackpunkt „Meier Guss“
„Schutz der Umwelt kommt zu kurz“

Rahden (WB) -

Kurz bevor die Frist dafür am Donnerstag ablief, hat das Rahdener „Aktionsbündnis lebenswertes Rahden e.V.“ eine kritische Stellungnahme zum Regionalplan OWL eingereicht.

Donnerstag, 01.04.2021, 03:02 Uhr aktualisiert: 01.04.2021, 08:36 Uhr
„Die Firma Heinrich Meier Eisengießerei ist ein stark emittierender Betrieb mitten in Wohngebieten“, schreibt das Aktionsbündnis in der Stellungnahme zum Regionalplan.

Das Aktionsbündnis ist 2020 entstanden, als bekannt wurde, dass die Rahdener Eisengießerei Meier Guss eine dritte Schicht einführen will.

Die Mitglieder des Bündnisses kritisieren diese Pläne scharf: Sie befürchten, dass die Anlieger eine erhebliche Zunahme des Lärms und der Emissionen hinnehmen müssen.

Das Bündnis habe sich intensiv mit dem Regionalplan OWL und der Stellungnahme befasst, die die Stadt Rahden dazu abgibt. Die Stellungnahme der Stadt war in der vergangenen Woche mit großer Mehrheit vom Stadtrat verabschiedet worden (wir berichteten).

„Der Regionalplan wird in den nächsten 20 Jahren die Grundlage für konkrete Entscheidungen auch in Rahden sein. Daher gilt es, sich jetzt zu positionieren“, sagt die Bündnis-Vorsitzende Marion Spreen.

Das Aktionsbündnis fordert unter anderem für alle Wohnhäuser im Areal „An der Bahn“ in Rahden eine Klassifizierung als „Allgemeines Siedlungsgebiet“ (ASB) statt eines „Gewerbe- und Industriegebietes“ (GIB). „Wir waren bei der Bezirksregierung in Detmold und haben uns dort die Pläne angeschaut“, sagte Marion Spreen dieser Zeitung auf Nachfrage. „Wir waren erstaunt, dass tatsächlich bis zur Langen Reihe alles in Dunkelgrau, also als GIB, eingezeichnet war.“

Das Gebiet südlich der Firma Meier Guss und nördlich der Langen Reihe sei zumindest im Flächennutzungsplan der Stadt Rahden als Wohngebiet ausgewiesen. „Die dortigen Wohnhäuser und die gesamte Straße (Lange Reihe) gehören zu einem mehr als 50 Jahre alten Siedlungsgebiet“, betont Spreen. „Die Bewohner dieser Häuser bedürfen eines besonderen Schutzes, da sie direkt an die Eisengießerei Heinrich Meier grenzen. Die Firma – ein stark emittierender Betrieb mitten in Wohngebieten – hat ja im vergangenen Jahr angekündigt, eine Erweiterung der Produktionskapazität und eine dritte Schicht zu beantragen.“

Bei einer Produktionserweiterung werde auch in der Nachtzeit der Ofen betrieben und es gebe höhere Lärm- und Vibrationswerte, kritisiert das Bündnis. Spreen befürchtet: „Die Bewohner wären somit direkt vom Lärm, Schmutz und von den Vibrationen betroffen. Wenn dieses Wohngebiet als GIB-Gebiet ausgewiesen wird, wäre eine spätere Umwandlung in ein Gewerbegebiet eher möglich, als wenn es ein ASB wäre, aus dem so schnell kein emittierendes Gewerbe entwickelt werden kann.“

Daher fordere das Bündnis, das GIB-Gebiet in „Allgemeines Siedlungsgebiet“ (ASB) umzubenennen. Es bestehe sonst die Gefahr, dass Meier Guss die Häuser aufkaufe und so sein Unternehmen räumlich erweitern dürfe, sagte Spreen. Außerdem müsse eine grundsätzliche Umweltprüfung bei solchen Industriebetrieben her. „Aufgrund der Erweiterung von emittierenden Betrieben in Rahden ist eine Umweltprüfung zum Schutz der Menschen und der Umwelt dringend erforderlich, wie es das Raumordnungsgesetz ausdrücklich vorsieht“, mahnt Spreen. „Eine Umweltprüfung ist unserem Kenntnisstand in den vergangenen Jahrzehnten nicht durchgeführt worden. Unsere Forderung lautet: Aufgrund der Erweiterung von emittierenden Betrieben in Rahden ist eine Umweltprüfung zum Schutz der Menschen und der Umwelt gemäß Raumordnungsgesetz dringend erforderlich“.

Das Bündnis fordert außerdem, dass es eine Umbenennung der Frei- und Agrarfläche im Siedlungsgebiet Stellerloh in ein „Allgemeines Siedlungsgebiet“ im zukünftigen Regionalplan geben soll. „Das Gebiet Stellerloh ist im Regionalplan-Entwurf als Frei- und Agrarfläche dargestellt. Die Häuser mit den Nummern Stellerloh 3 bis Stellerloh 101 und das östlich angrenzende Wohngebiet (bis zur Straße Mühlenweg) sind stark besiedelt. Im näheren Umkreis befindet sich kein Gewerbegebiet und auch kein landwirtschaftlich aktiver Betrieb. Daher ist uns unklar, warum dieses Siedlungsgebiet im zukünftigen Regionalplan weiterhin als Frei- und Agrarfläche dargestellt wird.“

Ein weiteres neues Gewerbegebiet an der Osnabrücker Straße, wie es die Stadt Rahden begrüßt, lehne das Bündnis grundsätzlich ab. „Ein zusätzliches Gewerbegebiet an dieser Stelle würde – neben den enormen Kosten für eine komplette neue Infrastruktur – eine weitere Zerstückelung der Landschaft und eine weitere Belastung der umliegenden Bebauung bedeuten“, erläutert Spreen. „Es fehlt in diesem Zusammenhang eine Analyse des tatsächlichen Bedarfs – auch unter den Gesichtspunkt der durch die Corona-Pandemie geänderten Arbeitsbedingungen. Homeoffice und Co machen weniger neue Gewerbegebiete erforderlich. Maßnahmen zur Verbesserung der Erholung und somit der Lebensqualität der Bürger sollten absoluten Vorrang haben.“

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