Streit in Stemweder Klinik – Angeklagter wird mit Fußfesseln und in Handschellen nach Rahden gebracht
Ein Faustschlag beschäftigt das Gericht

Haldem/Rahden (WB). -

Es wirkte schon ein wenig martialisch, als der Angeklagte am Amtsgericht Rahden eintraf.

Donnerstag, 04.02.2021, 04:46 Uhr aktualisiert: 04.02.2021, 04:50 Uhr
So wie auf diesem Symbolbild wurde der Angeklagte in das Rahdener Amtsgericht geführt. Foto: Hendrik Schmidt

Ein großer weiß-blauer Behörden-Transporter mit Bielefelder Kennzeichen fuhr direkt bis vor den Eingang. Männer in Uniform stiegen aus – die Pistolen im Halfter.

Sie beobachteten argwöhnisch die Umgebung und drückten einem Rahdener Justizbeamten im Nebeneingang des Gerichts ein Schreiben in die Hand. Dieser musterte das Papier kurz und nickte. Dann öffneten die Bielefelder Beamten die Tür des Gefangenentransporters. Heraus kam ein Mann in engen Fußfesseln und Handschellen, der sich wenig später vor der Richterin wegen Körperverletzung zu verantworten hatte.

Die Beamten waren spürbar angespannt, sicherten ihren JVA-Insassen an beiden Seiten sorgfältig ab. In unfreiwilligen Trippelschritten „humpelte“ der so gefesselte Libanese ins Gerichtsgebäude. Immerhin: Ein kleiner Scherz unter den Bewachern und dem unfreiwilligen „Fahrgast“ löste die Anspannung ein wenig. „Er sagte mir, die Verhandlung dauere nur fünf Minuten. Er wolle alles zugeben“, sagte einer Bewacher zu seinem Kollegen.

Natürlich war dies nicht ernst gemeint, und so gefährlich der Einzug des Libanesen auch aussehen mochte: Die Gerichtsverhandlung selbst gestaltete sich wenig später recht unspektakulär. Wie sich herausstellte, hatte der derzeit wegen Drogendelikten einsitzende Angeklagte (38) im Juni 2019 als Patient der Suchtbehandlungsklinik Schloss Haldem einen Zimmergenossen mit der Faust ins Gesicht geschlagen.

Dieser Mitbewohner habe ihm Geld aus seiner Schublade genommen und es nicht zurückgegeben, behauptete der Angeklagte. Er wundere sich aber, warum dieser Vorfall nach so langer Zeit überhaupt Gegenstand eines Gerichtsverfahrens sei und aufgerollt werde. Nach diesem Statement verfolgte er die weitere Verhandlung regungslos und ließ seinen Anwalt reden. Als der damals Verletzte in den Zeugenstand gerufen wurde, würdigte der Libanese seinen einstigen Zimmergenossen keines Blickes.

Zu dem Faustschlag war es tatsächlich gekommen, wie das Verfahren ergab. Der 37-jährige Klinik-Genosse, der noch immer in Schloss Haldem therapiert wird, sagte aus, der Hieb habe ihn an der Zunge verletzt. War er seinerzeit noch wütend in das Zimmer der Pflegerin gerannt und hatte ihr den Vorfall berichtet, gab er sich vor Gericht ziemlich demütig. In schlechtem Deutsch sagte er, die Sache sei „für ihn eigentlich schon längst erledigt gewesen“. Er trage dem Angeklagten nichts mehr nach, die Verletzung sei ja auch „gar nicht schlimm gewesen“, die Zunge schon am nächsten Tag „völlig verheilt“. Die Pflegerin habe ihn damals zur Anzeige überredet, und dies habe er in seinem ersten Ärger auch gemacht.

Und jetzt? Vor Gericht sei er „ja nur aus Höflichkeit“ erschienen. Das alles wollte die Richterin aber so nicht stehen lassen, denn schließlich habe er – das Opfer – ja seinerzeit Anzeige erstattet. Der Staat müsse den Vorwürfen der Körperverletzung von Rechtswegen nachgehen. Zum Beweis zeigte sie dem Verteidiger und dem Vertreter der Staatsanwaltschaft Fotos von der verletzten Zunge.

Als sich auch der Libanese von der Anklagebank erhob, um sich die Aufnahmen anzusehen, war er sofort wieder eng umringt von den bewaffneten Sicherheitsbeamten.

Wenig später durfte der Angeklagte den Gerichtssaal in Richtung JVA verlassen – zwar wieder in Fußketten und Handschellen, aber zumindest nicht wegen Körperverletzung verurteilt. Verteidiger, Richterin und der Vertreter der Staatsanwaltschaft einigten sich auf die Einstellung des Verfahrens. Der Streit im Klinik-Zimmer, das Verharmlosen des Konflikts seitens des Opfers – all das reichte offensichtlich nicht für eine Bestrafung aus.

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