Maschinen und Inventar der insolventen Firma Glasmetall werden online zu Geld gemacht
Auktionator braucht keinen Hammer

Rahden -

Jetzt wird der „Hausrat“ der insolventen Firma Glasmetall an den beiden Firmenstandorten „Auf der Welle“ und „Lemförder Straße“ versteigert.

Freitag, 08.01.2021, 02:00 Uhr
Vom Gabelstapler bis zur kompletten Metallbearbeitungs-Maschine: Versteigerer Hubert Küpers führt jährlich etwa 100 solcher Online-Auktionen durch. Foto: Michael Nichau

 

Auftraggeber ist Insolvenzverwalter Anwalt York Tilmann Streitboerger aus Bielefeld. Er hat der Auktionsfirma IVG (Industrie-Verwertungs-Gesellschaft) aus Kirchlengern den Auftrag erteilt, aus dem Mobiliar und den Maschinen des Metallbau-Unternehmens möglichst viel Geld herauszuholen.

„Das fließt in die Insolvenzmasse ein, wird direkt auf ein Treuhandkonto eingezahlt“, erläutert Diplomingenieur Hubert Küpers, Geschäftsführer der IVG und öffentlich bestellter Versteigerer und Gutachter beim Besichtigungstermin in Rahden am Donnerstag.

Dabei knallt bei der Versteigerung kein Hammer. Alles passiert – ähnlich wie bei bekannten Anbietern im Internet – online. Es gibt lediglich Besichtigungstermine vor Ort und einen Zeitraum, in dem die ersteigerten Gegenstände abtransportiert werden müssen.

„Das dauert dann in diesem Falle zwei Wochen, weil auch große Maschinen des Metallbauers erst demontiert werden müssen“, erklärt Küpers beim Rundgang durch die Firmenhallen an der Straße „Auf der Welle“. Einen weiteren Besichtigungstermin am Standort „Lemförder Straße“ gibt es dann am 14. Januar. Endtermine für die Gebote im Internet sind der 11. beziehungsweise der 21. Januar. Näheres ist auf der Webseite der IVG zu erfahren.

„Dort muss man sich auch anmelden, wie das auch etwa bei Ebay der Fall ist. Hier dürfen allerdings nur Gewerbetreibende mitbieten“, schränkt Küpers ein. Gezahlt werden müsse innerhalb von 24 Stunden nach Auktionsende durch Überweisung.

„Ziel ist es, möglichst die Endkunden, also metallverarbeitende Betriebe zu erreichen. Damit lässt sich ein maximaler Erlös erzielen. Händler bieten auch mit, bieten aber in der Regel nicht so hoch“, erläutert Küpers. Man könne ein Maximalgebot eingeben. Die Auktionsmaschine biete dann automatisch mit. Unterschied zu Ebay: „Wird das Gebot in den letzten zwei Minuten überboten, verlängert sich die Auktionszeit um zwei weitere Minuten. Der Interessent muss also nicht in der letzten Sekunde bieten“, sagt Küpers.

Seine Firma IVG veranstaltet jährlich etwa 100 solcher Auktionen. 90 Prozent erfolgen im Auftrag von Insolvenzverwaltern. „Es ist heute aber auch schon normal, Firmeninventar im Internet zu versteigern“, meint der Fachmann. 40 Beschäftigte der IVG haben mit den Auktionen alle Hände voll zu tun, denn es muss katalogisiert und jeder Gegenstand für die Besichtigungen aufgebaut werden.

„Vom Gabelstapler über die Großmaschine bis zu Ständerbohrmaschinen, PC-Bildschirmen, Telefonen und Schreibtischen ist alles dabei“, erläutert Küpers beim Rundgang. Vor der Tür stehen die Autos der Interessenten. Viele auswärtige Nummernschilder, teilweise aus Warendorf oder Solingen, sind draußen vor dem ehemaligen Glasmetall-Werk zu sehen. „Es sind aber auch viele Leute aus der Gegend hier“, stellt Küpers fest und freut sich über die Resonanz. „Mit so einem Interesse habe ich nicht gerechnet.“

Coronagerecht müssen bei der Besichtigung Abstände eingehalten, Masken getragen und die Interessenten in Listen eingetragen werden. Da bildet sich vor der Tür im Schneegestöber eine längere Schlange.

550 Positionen stehen für den Standort „Auf der Welle“ im Katalog. „Es ist hier viel EDV-Zubehör mit dabei. Computer werden von uns datenschutzrechtlich komplett gelöscht. Es wird nur die reine Hardware verkauft“, sagt Küpers.

Über den möglichen Erlös will der Geschäftsführer der bundesweit tätigen Auktionsfirma nichts sagen. Über das Geld würden sich letztlich die Gläubiger der insolventen Firma freuen.

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