Corona-Ausbruch im Pflegeheim Gärtner in Rahden: bislang acht infizierte Bewohner gestorben
Rotes Kreuz hilft weiter im Pflegeheim aus

Preußisch Ströhen -

„Wir kämpfen hier stündlich mit einer sich verändernden Lage in unserem Heim“, sagt Jürgen Storz, Geschäftsführer des Alten- und Pflegeheimes Familie Gärtner in Preußisch Ströhen.

Donnerstag, 07.01.2021, 02:00 Uhr aktualisiert: 07.01.2021, 16:39 Uhr
Niemand außer dem Pflegepersonal darf das Seniorenheim Gärtner betreten. Helfer der DRK-Kreisverbände Lübbecke und Minden testen vor Ort. Foto: Michael Nichau

Storz sieht – trotz der immer noch fatalen Lage im Heim – Licht am Horizont, denn gerade als diese Zeitung nachfragte, erhielt er die Nachricht, dass zwei der Pflegekräfte aus der häuslichen Quarantäne kommen und am Donnerstag wieder ihren Dienst antreten wollen

Auch von einer Personalagentur erhielt er die positive Nachricht, dass zwei Kräfte (davon eine Fachkraft) das Team verstärken werden. „Damit haben wir personell etwas mehr Luft und ich hoffe, dass sich in dieser Hinsicht bis zum Wochenende noch etwas tut.“ Doch immer wieder gebe es auch in dieser Hinsicht Rückschläge : „Da kommt ein Infektionsfall in der Familie dazu, und schon darf die Mitarbeiterin erneut nicht arbeiten.“

Positiv würden sich auch die Testungen unter den pflegebedürftigen Bewohnern entwickeln: „Zwei sind jetzt negativ getestet worden. Sie gelten als genesen“, sagt Storz. Und seit Sonntag seien keine neuen Fälle unter den Heimbewohnern dazugekommen. Wohl aber unter den Mitarbeitern. „Woher das kommt, können wir nicht sagen. Schutzkleidung ist vorhanden, und es wird auch regelmäßig getestet.“

Ich halte da mit nichts hinter dem Berg, denn letztlich stehen wir vor den Angehörigen als verantwortlich da.

Jürgen Storz, Geschäftsführer des Alten- und Pflegeheimes Familie Gärtner in Preußisch Ströhen

Er wolle bewusst offen mit der Situation umgehen. „Ich halte da mit nichts hinter dem Berg, denn letztlich stehen wir vor den Angehörigen als verantwortlich da“, sagt Storz. Und so bilanzierte er bis Sonntag acht Todesfälle, die mit dem Virus in Verbindung gebracht werden. „Oft schwächt das Virus dann den eh schon angegriffenen Körper“, sagt er.

„Auch für die Mitarbeiter ist das hier nicht leicht zu verkraften“, meint er und spricht „seinen Leuten“ und auch der Zusammenarbeit mit Kreisverwaltung (Krisenstab), Heimaufsicht, DRK und auch benachbarten Heimen Dank aus.

„Dass jetzt keine neuen Infektionen dazugekommen sind und dass wir bisher keinen neuen Todesfall hatten, sehe ich als Strohhalm, an den wir uns jetzt alle klammern. Alle versuchen hier, das Beste für die Heimbewohner zu erreichen und es ist eine große Solidarität vorhanden.“

Bis auf Weiteres tun auch noch die Mitarbeiter des DRK Dienst im Pflegeheim. Bei einem Ausfall von knapp unter einem Drittel des Personals sei das auch bitter nötig, meint Storz. Er könne nur den Appell an seine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter richten: „Haltet durch!“ Denn: „Wenn die qualifizierten Fachkräfte ausfallen, dann wird es wirklich kritisch“, sagt er.

„Es ist noch keine wirkliche Entspannung in Sicht, aber auch die Mitarbeiter in häuslicher Isolierung stehen bereit, um sofort wieder zu arbeiten. Das kann ich nicht hoch genug anrechnen.“

Geimpft werde im Preußisch Ströher Pflegeheim, sobald die Quarantäne für das Haus aufgehoben werde. „Einen entsprechenden Antrag hatten wir bei der Kassenärztlichen Vereinigung Westfalen-Lippe (KVWL) gestellt und die Impfungen hätten am 28. Dezember erfolgen sollen. Dann kam aber der Ausbruch dazwischen.“

Natürlich werde geimpft, nachdem die Mechanismen mit Gesundheitsamt und KVWL greifen. „Und zeitnah heißt dann: zwei bis drei Tage nach Ende der Heim-Quarantäne.“

Bei nur vereinzelten Fällen in der Pflegeeinrichtung hätte der Impftermin erfolgen können. „Aber daraus wurde ja nichts.“

Das Deutsche Rote Kreuz (DRK) hat seit dem 31. Dezember im Pflegeheim Gärtner mit jeweils 4 Personen Dienst geleistet (zwei in Früh- und zwei in Spätschicht). Die Helfer wurden dabei vom DRK-Kreisverband Lübbecke gestellt „Sie kamen aus Stemwede, Rahden, Hüllhorst, Lübbecke und Preußisch Oldendorf“, erläuterte Hans Kleinemeier vom heimischen DRK-Kreisverband.

Ab 4. Januar wurde der heimische Kreisverband vom Lübbecker Kreisverband unterstützt. Auch dieser entsendet jeweils 4 Helferinnen und Helfer nach Preußisch Ströhen.

„Die Helfer testen die Mitarbeiter der drei Schichten sowie die Bewohner auf den Stationen mit den entsprechenden Schnelltests. Wenn danach noch Zeit bleibt, versehen sie einfache betreuungsdienstliche Arbeiten. Es geht darum, für die Bewohner da zu sein und den Senioren zu helfen, Dinge zu machen, für die das Pflegepersonal derzeit keine Zeit hat“, erläuterte Kleinemeier. Dazu kämen noch Tätigkeiten im Bereich der Ersten Hilfe.

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