Sind die mysteriösen Kreidezeichen an Türen heimliche Botschaften für Einbrecher? – Polizei bleibt gelassen
„Gaunerzinken“ beunruhigen Bürger in Rahden

Rahden -

Der Hausbewohner aus Rahden-Kleinendorf (Name ist der Red. Bekannt) hatte scharf hingeschaut und war sofort in Sorge.

Mittwoch, 06.01.2021, 05:07 Uhr aktualisiert: 11.01.2021, 13:02 Uhr
Malte es ein Verbrecher auf? Dieses mysteriöse Kreidezeichen, eventuell ein „Gaunerzinken“, fand der Kleinendorfer Hausbesitzer neben dem Rahmen seiner Außentür. Foto: Dieter Wehbrink

Ihm fiel kurz vor Weihnachten ein seltsames Zeichen an seiner Nebeneingangstür auf – klein, mit Kreide auf einer Klinkerfuge aufgemalt und dicht am Türrahmen nicht so leicht zu entdecken.

Ralf Steinmeyer, Sprecher der Polizei Minden-Lübbecke

Ralf Steinmeyer, Sprecher der Polizei Minden-Lübbecke

Zufällig hatte dieser Hausherr etwas über so genannte „Gaunerzinken“ gehört. Es sind heimliche Zeichen, denen der Volksmund nachsagt, dass sie von Spähern im Vorfeld von Einbruchsserien an die Türen oder Fensterrahmen von potenziellen Tatorten gezeichnet werden. Sie sollen den späteren Tätern Botschaften hinterlassen, etwa wie „Hier ist etwas zu holen“, „Lohnt sich nicht“ oder auch „Vorsicht Hund“. Die Anfänge dieser Zeichen sollen etwa im 17. Jahrhundert liegen, wo sie tatsächlich nachweislich zu kriminellen Zwecken dienten.

Der Kleinendorfer Hausbewohner befürchtete, dass ein Einbruch in sein Haus unmittelbar bevorstehen könnte. Ein Kontrollanruf bei den Nachbarn des einsam gelegenen Hauses ergab: Dort fanden sich keine Zeichen.

Natürlich informierte der Hausherr vorsorglich die Polizei. „Wir haben großes Verständnis dafür, dass Menschen sehr beunruhigt sind, wenn sie solche Zeichen an ihren Türen entdecken“, sagte Ralf Steinmeyer, Sprecher der Polizei Minden-Lübbecke, auf Anfrage dieser Zeitung. „Es ist in jedem Fall richtig, mit uns zu sprechen. Uns erreichen aus dem gesamten Kreisgebiet immer wieder solche Hinweise, und wir nehmen sie ernst. Allerdings können wir die Anrufer aufgrund unserer Erfahrungen beruhigen: Bei uns in Minden-Lübbecke gab es bislang keine gemeldeten Fälle von Einbrüchen, die mit solchen Zeichen in Verbindung stehen. Eine Bestätigung, dass es sich um Einbruch-Ankündigungszeichen handelt, haben wir zumindest in unserem Einzugsgebiet nicht.“

Nicht jedes Zeichen weist gleich auf einen bevorstehenden Einbruch hin.

Ralf Steinmeyer, Sprecher der Polizei Minden-Lübbecke

Wenn man sich allerdings im Internet umschaue, gebe es zahlreiche Artikel und auch eine Übersicht dieser seltsamen Zeichen. „Sie stammen aus früheren Zeiten und haben laut Internet unterschiedlichste Bedeutungen“, sagte Steinmeyer. Er ist überzeugt: „Nicht jedes Zeichen weist gleich auf einen bevorstehenden Einbruch hin. Allerdings kennen wir auch den wahren Hintergrund nicht, warum solche Striche an fremden Häusern angebracht werden. Da bleibt man im Bereich der Spekulation.“

Der Polizeisprecher schließt nicht aus, dass dadurch Bewohner bewusst verunsichert werden sollen. „Auch wenn es keinen Beleg einer Verbindung zwischen Zeichen und Einbruchsgeschehen gibt, ist es dennoch gut, wenn uns so etwas gemeldet wird. So wissen wir, wo diese heimlichen Aktionen in unserer Region stattfinden“, betonte Steinmeyer. „Es ist besser, solche Vorfälle einmal mehr zu melden als zu wenig.“

Das Thema „Gaunerzinken“ sei auch für seine Kollegen vom Kommissariat Vorbeugung nicht neu. Es werde bei deren Vorträgen thematisiert, oft würden die Beamten sogar gezielt von Bürgern darauf angesprochen. Auch die Vorbeugungsspezialisten könnten die Menschen jedes Mal beruhigen.

Wer sich Sorgen um einen drohenden Einbruch mache, sei ohnehin grundsätzlich gut beraten, wenn er sich an das Kommissariat Vorbeugung wende, sagte Steinmeyer. „Meine Kollegen geben gute Tipps, wie man sich vor Einbrechern sinnvoll und langfristig schützen kann.“ Wer ein mysteriöses Zeichen an seiner Tür oder am Fenster entdecke, solle es fotografieren und der Polizei schicken. Es müsse danach aber sofort entfernt werden. „Wer sein Haus stärker absichern will, sollte unsere kostenlose Beratung in Anspruch nehmen. Das Kommissariat Vorbeugung ist unter Telefon 0571/88660 erreichbar.“

Der Polizeisprecher nannte die wichtigsten Ratschläge für die Bürger: „Die Tür richtig abschließen, die Fenster nicht auf Kipp stehen lassen, in der dunklen Jahreszeit das Licht anlassen, ein Fahrzeug vor das Haus stellen und den Briefkasten leeren.“ Es sei wichtig, immer den Eindruck zu vermitteln, dass sich Bewohner im Haus aufhielten, sagte Steinmeyer. Und er gibt noch einen weiteren Tipp: „Auf keinen Fall sollte man in Sozialen Netzwerken posten, dass man nicht zu Hause ist oder sich im Urlaub befindet.“ Der Polizeisprecher ist überzeugt: „Wer dies alles beachtet, erschwert es den Einbrechern und muss sich keine Sorgen um Einbruch machen.“

Hinweise auf vermeintliche Gaunerzinken seien zwar ernst zu nehmen, doch die Polizei setze bei versuchten oder vollendeten Einbrüchen auf die moderne Spurensicherung. „Da hilft uns die DNA-Sicherung weiter“, betont Steinmeyer. Er erinnert an einen Prozess vor dem Landgericht Bielefeld gegen einen 33-jährigen Espelkamper, der 2020 von Januar bis Juli mehrere Einbrüche im Altkreis verübt hatte und per DNA-Spur überführt werden konnte.

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