Corona-Ausbruch im Seniorenheim Gärtner in Rahden: Geschäftsführer hofft auf möglichst wenige Neuinfektionen
„Jeder Tag bringt neue Hoffnung“

Rahden-Preußisch Ströhen -

„Jeder Tag, an dem kein neuer Corona-Fall dazu kommt, lässt uns Licht am Horizont sehen“, sagt Jürgen Storz, Geschäftsführer des von einem Corona-Ausbruch betroffenen Senioren- und Pflegeheimes Familie Gärtner in Preußisch Ströhen.

Montag, 04.01.2021, 02:00 Uhr aktualisiert: 04.01.2021, 12:42 Uhr
Das Seniorenheim in Preußisch Ströhen. Dort sind zum Jahreswechsel vermehrt Corona-Infektionen aufgetreten. Foto: Dieter Wehbrink

„Jeder Tag, an dem kein neuer Corona-Fall dazu kommt, lässt uns Licht am Horizont sehen“, sagt Jürgen Storz, Geschäftsführer des Senioren- und Pflegeheimes Familie Gärtner in Preußisch Ströhen.

Im Pflegeheim, das etwa 70 Menschen beherbergt, sind zur Jahreswende knapp 30 Corona-Fälle aufgetreten. „Dass uns das alles über die Feiertage erwischt hat, hat mich zu einem Hilferuf veranlasst“, sagt Storz, Gerade diese Situation sei fatal gewesen. „Vielleicht melden sich jetzt im neuen Jahr ja die angesprochenen Personaldienste bei uns“, hofft er auf personelle Verstärkung.

Ja, zwei Personen hätten sich auf den öffentlichen Hilferuf gemeldet. Sie würden am heutigen Montag wohl den ersten Arbeitstag haben. „Auch sie müssen aber erst eingewiesen werden. Das braucht seine Zeit“.

Auch vier Mitarbeiter des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) verstärken das Personal des Pflegeheimes, denn akut sind auch zehn Mitarbeiter erkrankt, die jetzt in der Pflege fehlen. „Wir müssen sie zurückhalten, zur Arbeit zu kommen. Wir müssen uns an die Quarantänevorschriften des Gesundheitsamtes halten“, sagt Storz. Zwei DRK-Mitarbeiter arbeiten in Früh-, zwei in Spätschicht. „Langsam kommt Routine auf.“

Seine Mitarbeiter würden aber hart an der körperlichen und seelischen Belastungsgrenze arbeiten, sagt er. „Versuchen Sie mal, einem Demenzkranken jeden Tag vor vorn zu erklären, warum die Pflegekraft eine Maske tragen müssen, unter der er die Pflegerin nicht erkennt...“ nennt der Geschäftsführer nur ein Beispiel. „Die Mitarbeiter sind für diesen Fall, den wir jetzt haben, nicht geschult.“

Die Mitarbeiter sind für diesen Fall, den wir jetzt haben, nicht geschult.

Jürgen Storz, Geschäftsführer des Senioren- und Pflegeheimes Familie Gärtner in Preußisch Ströhen

Die Senioren müssten derzeit auf ihren Zimmern bleiben. Gleichzeitig müsse das Seniorenheim die Grundpflege sicherstellen.

„Und auch die Wäsche muss komplett im Heim bleiben und hier gewaschen werden. Das können die Fachkräfte nicht auch noch zusätzlich übernehmen“, sagt Storz, der seine verbliebenen Mitarbeiter motivieren will.

Zusätzlich müssten jetzt auch noch die Telefonate getätigt werden, um den Tagespflegegästen zu erklären, dass man diese nicht geöffnet habe.

„Es kommt mal der eine oder andere Fall an positiven Tests dazu. „Die erste positive Testung bei einem Bewohner war am 17. Dezember“, sagt Storz. Man habe zu diesem Zeitpunkt bereits das Hygiene-Konzept umgesetzt. Personal müsse Schutzkleidung tragen.

Trotzdem habe sich die Infektion verbreitet. Auch Todesfälle habe es gegeben. „Die Bewohner versterben mit Corona, nicht an Corona“, sagt der Geschäftsführer. Bei Vorerkrankungen und dem hohen Alter („Die meisten sind weit über 80 Jahre alt“) der Senioren sei das Virus oft nur ein Auslöser.

Personalanfragen bei benachbarten Einrichtungen hätten bisher nichts ergeben: „Die Kollegen haben ähnliche Personalsituationen in ihren Einrichtungen und können niemanden entbehren. Und Bundeswehr haben wir hier nicht in der Nähe“, beschreibt Storz seine Lage auf den „platten Land“.

Er sei sich bewusst, dass auch der Krisenstab des Kreises unermüdlich im Einsatz sei, um zu helfen. „Es gibt mir ein wenig Hoffnung, dass wir unser Stammpersonal nach weiteren Testungen eventuell wieder einsetzen können. Bis dahin vergeht aber noch Zeit, die wir überbrücken müssen.

„Wir müssen die Senioren und auch die Mitarbeiter vor Ansteckungen schützen“, sagt der Geschäftsführer. „Das ist die vordringliche Aufgabe.“

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