Modehaus Braun-Busche schließt nach mehr als 130 Jahren seine Türen
Im Dezember endet eine Ära

Rahden (WB/ni). „Was wir hier gemacht haben, gibt es heute deutschlandweit so nicht mehr“, ist Ernst-August Busche stolz auf sein Lebenswerk. Seit den 60-er Jahren bietet er in Rahden hochwertige Damen-Oberbekleidung an. 1963 übernahm er das Geschäft und verwirklichte einen Traum mit nachhaltiger Kleidung, die bei den meisten Kundinnen nicht nur schick aussieht, sondern in vielen Fällen auch Jahrzehnte gehalten hat.

Mittwoch, 07.10.2020, 01:00 Uhr aktualisiert: 07.10.2020, 02:01 Uhr
Ernst Braun junior erwarb 1926 das Geschäft Altmann an der Marktstraße. Dort wurde über die Jahre mehrfach umgebaut. Foto: Nichau

Am Jahresende ist Schluss. Das Modehaus Braun-Busche an der Marktstraße schließt zum 31. Dezember. Bis dahin soll auch das letzte Modestück über den Ladentisch gegangen sein. Mit der Geschäftsschließung geht auch eine Ära in Rahden zu Ende, denn gegründet wurde das Unternehmen vermutlich schon im Jahr 1887 von Ernst Braun und seiner Frau Katharina aus Lübbecke. Es befand sich damals schon an der Weher Straße. Fest steht, dass der erste Umzug im September 1897 in den Neubau, heute Gerichtsstraße 22, erfolgte.

Bewegte Geschichte

Das alles hat Busche in aufwendigen Recherchen zur Unternehmens- und Familiengeschichte herausgefunden:

Im Jahr 1914 kam Ernst Braun aus Lübbecke nach Rahden und übernahm das Haus Rahden 198, heute Weher Straße 45 – ein Manufakturwarengeschäft. Im Jahr 1926 erwarb der Sohn von Ernst Braun, Ernst Braun junior, die Färberei und chemische Reinigung Robert und Adolf Altmann an der Marktstraße 9. Altmanns konnten sich in Rahden nicht vergrößern und zogen nach Kassel. Ernst Braun junior eröffnete in den Räumen ein Textilgeschäft mit Bettfedern-Reinigung.

Im Oktober 1926 tauschten Onkel und Neffe ihre Geschäftshäuser: Der Neffe übernahm das größere Geschäft an der Gerichtsstraße. Ernst Braun senior das kleinere in der Weher Straße, das bis zu seinem Tod im Jahr 1937 bestand. Man konnte damals in Rahden schon durcheinanderkommen, denn alle Geschäfte hießen Ernst Braun.

Das stellte aber kein Problem dar, denn zur Unterscheidung bezeichneten die Rahdener das Geschäft an der Gerichtsstraße als „Treppen Braun“ (hier musste man die Treppen zum Geschäft hinaufgehen). An der Weher Straße musste ging man runter ins Geschäft, also hieß dieses „Keller Braun“, und das an der Marktstraße „Altmann Braun“.

Reisegewerbe

Die nächste große Veränderung gab es 1950: Aus gesundheitlichen Gründen und wegen mangelnder Nachfolge übergab Ernst Braun junior das Geschäft an seinen Cousin Ernst Braun. Von diesem Zeitpunkt an befand sich (bis 1962) an der Gerichtsstraße ein Aussteuer- und Bettengeschäft. Am der Marktstraße wurden Manufaktur- und Modewaren angeboten. Ernst Braun junior starb 1960 im Alter von 68 Jahren.

Bereits 1950 erhielt Ernst Braun die Genehmigung zur Errichtung eines Großhandels mit Textilwaren. Von diesem Zeitpunkt an reisten zwei Vertreter der Firma durch Preußisch Oldendorf und Lübbecke, während Ernst Braun mit dem Fahrrad den Bünder Raum betreute. Er übernachtete dabei bei einem Gastwirt in Bieren, wo er auch sein Fahrrad unterstellte.

1949 wurde Wilhelm Busche, Ehemann von Brauns Tochter Elli, zum Geschäftsführer ernannt. Er verstarb sechs Jahre später. 1961 wurden die Räume an der Marktstraße umgebaut. Im darauffolgenden Jahr übergab Ernst Braun das Geschäft an Tochter Elli. Das Geschäft an der Gerichtsstraße wurde aufgegeben, die Räume verpachtet. Inzwischen hat das Gebäude einen neuen Besitzer.

Neue Philosophie

Ab 1963 änderte sich mit dem Eintritt von Elli Busches Sohn Ernst-August Busche, dem heutigen Inhaber, auch die Philosophie des Geschäftes: Nach und nach wurde die Firma zu einem reinen Damen-Modehaus umgewandelt. Es erfolgten mehrere Umbauten bis zur heutigen Geschäftsgröße.

„Zu der damaligen Zeit gab es im weiten Umkreis keine Geschäfte mit langer Abendgarderobe – nur in Rahden bei Braun-Busche“, sagt der Inhaber. „Die Kundinnen aus den weiteren Umland, Hamburg, Bremen bis zum Ruhrgebiet suchten das Besondere und fanden es hier“, sagt Ernst-August Busche. Etliche seien dem Modehaus über Jahrzehnte treu geblieben.

„Geordert wurde die Waren auf den internationalen Modemessen in Berlin und Düsseldorf. Bekannt wurde Braun-Busche durch die Auswahl an Abendkleidern. „Wir waren lange Zeit die einzigen, die hier Abendkleider anboten“, erinnert sich Busche. „Wenn in Bünde Schützenfest war, kamen die Frauen zu uns, um lange Abendkleider zu kaufen.“ Auch manche Rahdener Schützenkönigin habe sich – unverhofft – noch schnell ein festliches Kleid aus dem Modehaus besorgt.

Teilweise wurden die Kleider auch angefertigt. „Mit viel Liebe und Engagement wurde das Traumkleid nach Maß entworfen und von unserer Schneiderin angefertigt“, berichtet Ernst-August Busche. Der Ehemann hatte derweil Gelegenheit, in einem großen Sessel Orient-Tabak zu genießen.

Mit Lockenwicklern

Und auch an andere Anekdoten erinnert sich Busche: Da seien etwa die Damen vom Friseur Grimmelmann (um die Ecke) mit Lockenwicklern im Haar ins Geschäft gekommen und probierten Kleider an. Während das Kleid fleißig geändert wurde, kehrten die Damen wieder zu Grimmelmann zurück und ließen sich zu Ende frisieren. Danach nahmen sie das abgeänderte Kleid mit nach Hause.

„Solche Geschäfte gibt es heute leider nicht mehr“, erzählt Busche mit Wehmut. Heute müsse alles sehr schnell gehen. „Qualität ist nicht mehr so gefragt. Daran leidet die gesamte Branche.“ Das Kundenverhalten habe sich geändert und auch die Lieferanten der Qualitätsware gebe es teilweise heute nicht mehr, beklagt der Rahdener.

Letztlich sei auch die Suche nach einem Nachfolger gescheitert. „Das hat mich dazu bewegt, das Geschäft mach mehr als 130 Jahren zu schließen“, sagt er. Bis zum Jahresende läuft jetzt der Abverkauf der Ware. Sehr zum Leidwesen seiner verbliebenen Kundinnen. „Wo sollen wir denn dann noch kaufen?“, fragen sie.

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