157. Teil unserer Serie »Blick zurück – Rahden damals« von Claus-Dieter Brüning
Einheit bringt auch Partnerstadt

Rahden (WB). Auf interessante Dokumente ist Rahdens Stadtheimatpfleger Claus-Dieter Brüning gestoßen. Im Stadtarchiv hat er Aufzeichnungen und Bilder gefunden. Dieses Mal geht es anlässlich des Tags der Deutschen Einheit um die Geschichte der Partnerschaft zwischen Rahden und Glindow. Brüning schreibt:

Samstag, 03.10.2020, 05:11 Uhr aktualisiert: 03.10.2020, 05:20 Uhr

Als mir kürzlich Angelika Cording einige Aufzeichnungen ihres Vaters Gerhard Büsching zum Entstehen der Partnerschaft zwischen Glindow und Rahden zur Verfügung stellte, war das Thema des Berichtes zum 3. Oktober schnell gefunden, zumal sich auch die Partnerschaft an diesem Tag zum 30. Mal jährt.

Ein Gespräch mit Heinz Coors und ein Telefonat mit Bernd Hachmann sorgten für weitere Aufklärung hinsichtlich des Entstehens einer Partnerschaft beider Kommunen, die auch drei Jahrzehnte nach deren Beginn in vielfältiger Weise lebt.

Ein Mann der Tat

Altbürgermeister Wilhelm Möhring war es, der am 28. Dezember 1989 Gerhard Büsching bei einer Jagd darauf ansprach, ob dieser, der seinerzeit in Berlin und Celle lebte, für die Stadt Rahden nach einer Partnerkommune in der damaligen DDR Ausschau halten könnte. Büsching machte sich auf die Suche nach einer Stadt, die so ähnlich aussehen würde wie ihm Rahden aus den 1930-er Jahren in Erinnerung war. Am 20. Februar bog Büsching dann von der Ringautobahn Berlin an der Abfahrt Glindow ab und fuhr direkt in den Ort. Die Kirche und die Häuser drumherum erinnerten ihn tatsächlich ein wenig an das alte Rahden. Treffer!

Als Mann der Tat wurde von Büsching sogleich das Rathaus aufgesucht und ein erstes Gespräch gesucht. Eine Partnerschaft war Glindow damals noch mit keiner Kommune eingegangen. Eine Woche später trafen sich dann Büsching und Bürgermeister Wilfried Nikolai im Rathaus von Glindow. Die weiteren Bemühungen, die Kontakte zwischen Ost und West zu intensivieren, gestalteten sich wegen der Defizite bei der Infrastruktur nicht gerade leicht. So konnten die Drähte über Telefon kaum zum Glühen kommen, da einfach nicht genügend Leitungskapazitäten vorhanden waren.

Delegation in Rahden

Am 6. Juli 1990 besuchte schließlich eine siebenköpfige Delegation aus Rahden die Gemeinde Glindow und war sich über eine Partnerschaft schnell einig, was auch noch bei einem Gegenbesuch der Glindower in Rahden verfestigt wurde. Am 3. Oktober 1990 war es dann soweit, dass sich aus Rahden drei Busse auf den Weg nach Glindow machten und im feierlichen Rahmen im Deutschen Haus in Glindow die Partnerschaftsurkunden unterzeichnet wurden. Die Heimatkapelle Rahden sorgte für den musikalischen Rahmen. Als Gastgeschenk wurde ein gebrauchter Fotokopierer und ein Gullideckel mit Rahdener Wappen „überreicht“.

Auch aus Glindow weilte am 3. Oktober 1990 eine Delegation mit Fußballteam in Rahden und wurde hier vom Stellvertretenden Bürgermeister Friedhelm Stevener im Stadion am Brullfeld begrüßt. Bereits vor der Unterzeichnung der Partnerschaftsurkunden hatte die Stadt Rahden personelle Unterstützung beim Aufbau der Verwaltungsstrukturen angeboten. Schon am 15. August machten sich mit Willi Krüger, Heinz Coors und Rudolf Eickhoff drei erfahrende Verwaltungspensionäre einen Eindruck über den Verwaltungsbereich der Gemeinde Glindow.

Heinz Coors und Willi Krüger fuhren von da an regelmäßig bis November 1992 für eine Woche oder 14 Tage nach Glindow, um die Verwaltung bei der Umstellung auf Westverhältnisse zu unterstützen. Sie machten das im Übrigen ohne besonderes Honorar. Lediglich für Kost und Logis wurde erstattet.

Kirsch- und Ziegelfest

Willi Krüger schreibt in seinen Erinnerungen, dass die Verwaltungsstruktur mit der in Rahden überhaupt nicht vergleichbar gewesen sei, aber er und Heinz Coors hätten über zwei Jahre es sehr angenehm empfunden, so gastfreundlich und auch ebenso hilfsbereit bei ihrer Arbeit unterstützt worden zu sein.

Coors und Krüger wurden auch besonders herzlich bei einem Besuch im Zusammenhang mit dem Kirsch- und Ziegelfest vor zehn Jahren in Glindow begrüßt. Heinz Coors pflegt auch heute noch gute Kontakte zu Altbürgermeister Wilfried Nikolai. Durch gute Beziehungen auf der Ebene der Sozialverbände, der Geflügelzüchter aus Varl oder auch auf Jugendebene lebt die Partnerschaft noch heute. Ohne diese Partnerschaft gäbe es wohl auch den Spargelhof Buschmann-Winkelmann in Glindows Nachbarort Klaistow nicht, der unbedingt zum Pflichtbesuch im Glindower Land gehört.

„Walk of Fame“

Als im letzten Jahr eine Schülergruppe aus Glindow in Rahden zu Besuch weilte, staunten die Gäste nicht schlecht, als einige von ihnen ihre in Glindower Ton gebrannten Fußabdrücke in der Katzengasse wiederfanden. Dieser Rahdener „Walk of Fame“ wurde im Zusammenhang mit dem 25. Partnerschaftsjubiläum am 3. Oktober 2015 eingeweiht.

Eigentlich schade, dass die persönlichen Kontakte 2020 wegen Corona nicht so wirklich gelebt werden können. Mit dem Glindower Platz und Ziegelofen in Rahden und dem Rahdener Platz und dem dortigen Ziegelbogen, gibt es in beiden Orten sehr eindrucksvolle Symbole dieser Partnerschaft.

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